Das Erich Kästner-Forschungsarchiv des Sammlers und Bibliographen Johan Zonneveld

von Jutta Reusch

Dr. Johan Zonneveld hat in seiner 50 Jahre umfassenden Arbeit über Erich Kästner ein umfangreiches Forschungsarchiv zu Erich Kästner und dessen Werk aufgebaut, das ihm vor allem auch als Basis für die Erstellung seiner großen Kästner-Bibliographie diente: „Bibliographie Erich Kästner. Mit einer ausführlichen Zeittafel und zahlreichen Fotos von Stationen seines Lebens und den literarischen Schauplätzen“ (erschienen in 4 Bänden 2011 und 2021 beim Aisthesis-Verlag).

Dieses Forschungsarchiv hat er nun im Sommer 2021 an die Stiftung Internationale Jugendbibliothek übergeben, die diese vielfältige Sammlung für die Kästner-Forschung zugänglich machen wird.

Zu dem Kästner-Forschungsarchiv von Johan Zonneveld gehört eine Sammlung von Büchern von und über Erich Kästner, Artikel über Kästner, Kopien (Primär- und Sekundärliteratur, darunter auch Kopien von Zeitungs- und Zeitschriftenartikeln von Erich Kästner), Kopien von Briefen und Dokumenten aus dem Nachlass Kästners, Fotos von Orten, an denen Kästner lebte oder sich aufhielt, audiovisuelle Medien mit Hörspielen, Lesungen, Vertonungen, Verfilmungen, Rundfunksendungen u.a. sowie Zeitungsausschnitte, Programmhefte, Ansichtskarten, Plakate und viele weiteren Materialien zu Erich Kästner. Zahlreiche dieser Dokumente sind auch als Digitalisate vorhanden.

Johan Zonneveld hat sein Kästner-Archiv eigens mit Signaturen erschlossen und nach Signaturen geordnet, um den Zugang zu dem umfangreichen Material zu ermöglichen.

Wie kam Josef Zonneveld nun zu Erich Kästner?

Anlässlich der Übergabe seines Archivs war er bereit, ein kleines Interview über sein ‚Leben mit Kästner‘ zu geben.

Zonnevelds erste Begegnung mit Erich Kästner fand in der Schule statt. Dort las und entdeckte er im Rahmen des Unterrichts „Emil und die Detektive“, war fasziniert von Kästners Erzählung und merkte sich den Namen das Autors. In der Schulbibliothek entdeckte er dann Kästners „Drei Männer im Schnee“ und las auch diese Geschichte mit wachsendem Interesse. Als 17-Jähriger fand er in einer Buchhandlung Kästners „Gesammelte Schriften für Erwachsene“ in der grünen Leinenausgabe und kaufte sie. Da er Feuer gefangen hatte, las er nun alles von Kästner, was er in die Hände bekommen konnte. Es folgten alle Werke, die nicht in der grünen Ausgabe zu finden waren, darunter auch Kästners Kinder- und Jugendliteratur.

Bald begann er, sich auch für Kästners Biografie und für Forschungsliteratur zu Kästners Werken zu interessieren und besuchte dazu immer häufiger die Koninklijke Bibliotheek in Den Haag.

Um Kästners Texte im Original besser verstehen zu können, beschloss er, seine Deutschkenntnisse zu verbessern und studierte deutsche Literatur und Sprache. Im Anschluss an sein Studium promovierte er über die Rezensionen Erich Kästners; seine Dissertation erschien 1991 in Frankfurt am Main unter dem Titel „Erich Kästner als Rezensent 1923 – 1933“.

Während er danach hauptberuflich als Lehrer für die Fächer Deutsch und Informatik tätig war, begann er in seiner freien Zeit die Arbeit an seiner Bibliographie. Dafür besuchte er fast alle Orte, an denen Kästner studiert, gelebt oder seine Urlaube verbracht hatte. Dort entstanden viele der Fotos, die jetzt in dem Archiv zugänglich sind. Etliche von ihnen sind auf Kästners literarischen Spuren entstanden, z.B. Fotos von Schauplätzen in Berlin auf Emils Spuren.

Einer seiner schönsten Momente auf den Spuren von Erich Kästner war die vertragliche Vereinbarung, dass sein Archiv in die IJB aufgenommen wird.

Für die Erstellung seiner Bibliographie besuchte Zonneveld zahlreiche Bibliotheken und Archive wie etwa die Deutsche Bücherei Leipzig (heute Deutsche Nationalbibliothek), das Stadtarchiv Leipzig, die Bibliothek der Internationalen Jugendbibliothek und insbesondere das Deutsche Literaturarchiv Marbach. Darüber hinaus benutzte er die Genios-Datenbank ‚Presse‘ für die Recherche nach Zeitungsartikeln. Im Deutschen Literaturarchiv kam durch den damaligen Nachlassverwalter des Kästner-Nachlasses eine besondere Aufgabe auf ihn zu: Er durfte den literarischen Nachlass Kästners vorordnen und entdeckte dabei zahlreiche weitere Hinweise und Dokumente, die für seine Bibliographie wichtig waren.

Gefragt nach den schönsten Momenten in seiner Zeit auf den Spuren Erich Kästners nannte Zonneveld als erste Situation, wie er dank der freundlichen Genehmigungen von Luiselotte Enderle und des Bildhauers selbst 1980 eine Kopie von Theodor Fraiders Kästner-Büste erhielt, die immer bei ihm in der Wohnung steht.

Als zweiten schönsten Moment nannte er den Tag im Jahr 2013, als er mit der Stiftung Internationale Jugendbibliothek vertraglich vereinbarte, dass sein Archiv in die IJB aufgenommen werde und dort eine Erich Kästner-Forschungsstelle eingerichtet werden solle. Er freut sich sehr darüber, dass sein Archiv an einem Ort aufbewahrt wird, an dem es der Forschung zur Verfügung steht und an dem mit dem Material gearbeitet werden kann.

Im Jahr 2024 soll im Erich Kästner-Zimmer der Stiftung Internationale Jugendbibliothek. gemeinsam mit der Kästner-Preis-Verleihung, diese Erich Kästner-Forschungsstelle feierlich eröffnet werden.

Michael Ende – Erfolgsautor des 20. Jahrhunderts

Rückblick und Dokumentation der Tagung
„Die Lust am freien und absichtslosen Spiel der Phantasie“
Michael Ende – Erfolgsautor des 20. Jahrhunderts bis heute
14. und 15. Februar 2020

 

2019 nannte der Norddeutsche Rundfunk Michael Ende einen Schriftsteller, der Kinderbücher für Erwachsene schrieb. Tatsächlich waren Mitte Februar bei der Michael Ende Veranstaltung in der Internationalen Jugendbibliothek, keine Kinder anwesend, sondern sehr viele Erwachsene. Anlässlich der wissenschaftlichen Erschließung des Teilnachlasses Endes wurde zu einer wissenschaftlichen Tagung geladen und Kinderliteraturforscherinnen und – forscher aus ganz Deutschland, von denen es noch immer zu wenige gibt, waren gekommen um sich mit dem Werk und dem Leben des Autors auseinanderzusetzen. Weiterlesen

“Tell us about Momo” – video competition winner Khaled Cholha visits the International Youth Library

Samir Éditeur, Goethe-Institute Lebanon and Assabil started the video competition „Raconte-nous Momo !“ in cooperation with the IYL on the occasion of the publication of Michael Ende’s Momo in Arabic. They invited young people from 10-14 years to talk about Momo in a 2-min video in Lebanon and Jordan. A Jury composed by Amira Elmasry (Goethe-Institut), Cathy Khattar (Assabil) and Ebtihal Shedid (translator of Momo in Arabic) chose 7 finalists: Shared on the social media channels, Khaleds video was the most liked and shared and he won the first prize: A trip to the Bavarian capital Munich! Weiterlesen

Veranstaltungstipp für den 12. März 2019!

Am Dienstag, dem 12. März 2019 um 19 Uhr spricht Dr. Hans-Georg Küppers, Kulturreferent der Landeshauptstadt München, in der Reihe „Bücher der Kindheit“ über prägende Kindheitslektüren.

© Foto: Annalena Zintel

In seinem 12jährigen kulturpolitischen Engagement für München hat er die Arbeit der Internationalen Jugendbibliothek aktiv begleitet und sich dazu bekannt, seit seiner Kindheit leidenschaftlicher Leser gewesen zu sein. Welche Bücher er als Junge und Jugendlicher gelesen hat, was Lesen für ihn bedeutete und ob es Bücher gab, die sein Leben besonders geprägt haben, darüber spricht er mit Niels Beintker vom Bayerischen Rundfunk. Ein Abend der persönlichen Erinnerung aber auch ein Abend, der daran erinnert, dass es ein Leseglück gibt, das man Kindern ermöglichen sollte.

Im Anschluss gibt es die Möglichkeit zum persönlichen Gespräch bei einem Glas Wein.

Die Veranstaltung ist öffentlich, die Teilnahme kostenfrei; um Anmeldung unter Tel. 089/891211- 0 oder per E-Mail an: anmeldung@ijb.de wird gebeten.

In der Veranstaltungsreihe „Bücher der Kindheit“ reden prominente Gäste aus Kultur, Gesellschaft, Wirtschaft und Politik über ihre Kindheit, Kinderbücher und Jugendlektüren und über den Einfluss, den das frühe Lesen auf ihr späteres Leben genommen hat. Nächster Termin: 24. Juli mit Jutta Speidel

PM: „Der Kinder Kalender“ 2019

Der von der Internationalen Jugendbibliothek seit 2011 herausgegebene Kinderlyrik-Wochenkalender erscheint aufgrund eines Verlagswechsels unter dem neuen Titel „Der Kinder Kalender“ im Verlag edition momente.

Schon seit 2011 gibt die Stiftung Internationale Jugendbibliothek auf der Grundlage ihrer weltweit einmaligen, internationalen Büchersammlung einen großformatigen, mehrsprachigen Wochenkalender mit illustrierten Kindergedichten aus aller Welt heraus. Bereits veröffentlichte Kindergedichte aus aller Welt werden von namhaften Übersetzern ins Deutsche übertragen und die originale Illustration, das originale Gedicht und die Übersetzung als Kalenderblatt gestaltet. Die Idee für den Kalender entstand in der Internationalen Jugendbibliothek, das grafische Konzept dazu entwickelte der Grafiker Max Bartholl.

Ausführlichere Informationen zu dem einmaligen Konzept finden Sie im Anhang zur Meldung in einem aktuellen Interview von Dr. Stefan Hauck, Börsenblatt-Redakteur, mit dem Leiter der Lektoratsabteilung der Internationalen Jugendbibliothek, Jochen Weber, vom 17. Mai 2018.

Die Auslieferung des „Kinder Kalenders“ 2019 ist für Ende Juni 2018 geplant:
53 großformatige Seiten, liebevoll gestaltet und exzellent gedruckt, auf denen Kinder und Erwachsene auch 2019 jeden Montag aufs Neue die grenzenlose Vielfalt und Schönheit von Lyrik entdecken können – von Algerien bis Argentinien, von Korea bis Kanada.
60 Blätter / 53 vierfarbige Illustrationen / 33 x 30,5 cm / 20,- € / ISBN 978-3-0360-5019-5

Download Pressemeldung

 

Italienische Jugend-Jury in der IJB

Zehn junge italienischsprachige Jurymitglieder fanden sich zusammen, um ihren Favoriten für den italienischen Jugendliteraturpreis Premio Strega Ragazze e Ragazzi 11+ 2017 auszuwählen. Dieser Preis ist noch jung: er wird 2017 erst zum 2. Mal vergeben.

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PM: James Krüss Preis 2017 geht an Andreas Steinhöfel

Der James Krüss Preis für internationale Kinder- und Jugendliteratur 2017 geht an den Autor Andreas Steinhöfel

Die Begründung der Jury
„Die Mitte der Welt, Dirk und ich, Rico, Oskar und die Tieferschatten: Mit seinen Romanen, die von staunenswerter Leichtigkeit, Originalität und Intensität geprägt sind, nimmt Andreas Steinhöfel seit vielen Jahren einen festen Platz in der deutschsprachigen Kinder- und Jugendliteratur ein. Sein Werk setzt dort Maßstäbe, führt es doch vor, wie durch intensive Arbeit am Material Sprache und im Bewusstsein der erzählerischen Traditionslinien eine ganze Literatur weiterentwickelt werden kann. Nicht nur darin knüpft Steinhöfel an James Krüss an, dessen Protagonist Boy mit seinem Urgroßvater eine produktive Sprachskepsis zeigt, die Steinhöfels Rico zutiefst vertraut ist und dem wir wiederum Wortschöpfungen wie „Fundnudel“ und „Herzgebreche“ verdanken. Auch die Weltoffenheit und Toleranz, die das Werk von James Krüss prägen, ist den Romanen Steinhöfels eingeschrieben, die in zahlreichen übersetzten Ausgaben vorliegen und deren Autor auch als Übersetzer ins Deutsche wirkt. Weiterlesen

PM: James Krüss Preis 2015 geht an Frank Cottrell Boyce

Der James Krüss Preis für internationale Kinder- und Jugendliteratur 2015 geht an den englischen Autor Frank Cottrell Boyce. Auch sein Übersetzer ins Deutsche, Salah Naoura, wird geehrt.
Mit Sprachwitz, Tempo und Leichtigkeit führt Frank Cottrell Boyce seinen Lesern immer wieder aufs Neue vor Augen, dass „das Geschichten-Erzählen zur Selbstfindung jedes Einzelnen und zum Gedächtnis einer Gesellschaft beitragen kann“.
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Mit einem georgischen Jugendroman Grenzen überwinden – Eine Projektbeteiligung

Ein internationales Bildungsprojekt, das mit Hilfe der neuesten Errungenschaften des mobilen Internets Grenzen überwindet? Das klingt spannend, fanden wir. Zumal wir in unserer Arbeit mit der Vielfalt internationaler Literatur seit jeher Grenzen überwinden und ganz gemäß unserer Gründungsgeschichte mit Büchern Brücken bauen (Jella Lepman: „Die Kinderbuchbrücke“). Also beschlossen wir, uns bei „Grenzgeschichten – Crossing Borders“ mit einem eigenen Literaturprojekt zu beteiligen.

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Rückblick auf das 3. White Ravens Festival

Im Sommer 2014 fand bereits zum dritten Mal das White Ravens Festival für internationale Kinder- und Jugendliteratur statt. Anknüpfend an die Erfolge des Jahres 2010 und 2012 wurde das Festival unter der Schirmherrschaft des Bayerischen Wissenschaftsministers Dr. Ludwig Spaenle vom 19. bis 24. Juli ausgerichtet und konnte viele neue Veranstaltungsorte und Kooperationspartner gewinnen. In den sechs Festivaltagen fanden in der Internationalen Jugendbibliothek und an 43 weiteren Orten über 80 Veranstaltungen statt. Mehr als 7000 Besucher strömten zu den Lesungen in Schulen, Bibliotheken, Museen und im öffentlichen Raum. Unter den 15 eingeladenen Autoren befanden sich so berühmte Namen wie Axel Scheffler mit seinem Grüffelo, aber auch in Deutschland weniger bekannte Stimmen wie der bisher unübersetzte Kolumbianer Francisco Montaña Ibáñez oder der tschechische Kinderlyriker Radek Malý. Weiterlesen