Jella Lepman und die Geschichte der IJB Teil 2 #femaleheritage

Im Rahmen der Blogparade der Monacensia im Hildebrandhaus, mit dem Titel „Frauen und Erinnerungskultur #femaleheritage, kommt hier Teil zwei unseres Beitrages zu Jella Lepman, die Gründerin der Internationalen Jugendbibliothek.

1945 aus dem Exil zurückgekehrt, machte sich Jella Lepman zuerst ein Bild vom zerstörten Deutschland. Sie sah vor allem die Kinder in den zerbombten Straßen, die nicht nur nach Essen, sondern auch nach geistiger Nahrung hungerten, und dass es genau diese Generation war, mit der man beginnen konnte, eine neue, gerechtere Welt aufzubauen. Bereits im Jahr 1946 organisierte sie die internationale Ausstellung „Das Jugendbuch“, in der Kinderbücher aus aller Welt gezeigt wurden. Die Ausstellung wanderte durch das ganze Land, obgleich ebenjenes gespalten war durch die Besatzung der Siegermächte. Lepman schaffte etwas Unvorstellbares, sie brachte Verlage aus aller Welt dazu, Bücherspenden zu schicken, kaum ein Jahr nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. 4.000 Kinderbücher aus 14 Ländern kamen auf diese Weise zusammen. Vor dem Hintergrund, dass zu diesem Zeitpunkt nicht nur Deutschlands Wirtschaft vom Krieg gezeichnet war, und Papier eine wertvolle Ressource, erscheint dieses Unternehmen noch viel bemerkenswerter.
Am Ende der Ausstellung wurde ein Ort gesucht, für die dauerhafte Unterbringung der zahlreichen Bücher, die teilweise so oft von Kinderhand zu Kinderhand gegangen waren, dass sie bereits ganz zerlesen waren. Gefunden wurde dieser Ort in München, zunächst im Haus der Kunst, wo auch die Ausstellung 1946 eröffnet wurde, weniger später dann in der Kaulbachstraße 11a im Münchner Stadtteil Maxvorstadt.

Die Internationale Jugendbibliothek wurde 1949 mit einem Bestand von rund 8.000 Bänden eröffnet, und war für die Kinder und Jugendlichen der Nachkriegszeit bald so etwas wie eine Insel des freien Geistes. Hier gab es neben ausländischen Büchern amerikanische Comics zu lesen, in Debattierklubs wurde über Neuerscheinungen diskutiert. Erich Kästner, mit Jella Lepman gut befreundet, leitete eine Jugendtheatergruppe, Autoren wurden kritisch interviewt, Fremdsprachenkurse und pädagogische Vortragsabende angeboten. Im Malstudio konnten die Kinder unter Anleitung des Kunstpädagogen Ferdinand Steidle arbeiten, und in der „Kinder-UNO“ stand die Frage nach den Kinderrechten im Mittelpunkt.

Doch Jella Lepmans Arbeit, allein bis zu diesem Punkt mehr als beachtlich, ging weiter. Nur drei Jahre später, im Jahr 1952, fand in München die von ihr organisierte Konferenz International Understanding through Children’s Books statt. Dort entstand die Idee des International Board on Books for Young People, kurz IBBY, welches bereits ein Jahr danach gegründet wurde mit u.a. Erich Kästner, Astrid Lindgren & Fritz Brunner als Gründungsmitgliedern. Heute umfasst IBBY zweiundsiebzig nationale Sektionen, und die deutsche Sektion ist seit 1955 der Arbeitskreis für Jugendliteratur. Von diesem Kuratorium wird nun seit bereits mehr als 60 Jahren der „kleine Nobelpreis“ verliehen, der Hans-Christian Andersen Preis. Er gilt als die wichtigste internationale Auszeichnung für Kinderbuchautoren und -illustratoren.

(c) Internationale Jugendbibliothek

Frauen und Erinnerungskultur – Blogparade #femaleheritage

Jella Lepman und die Geschichte der IJB #femaleheritage

Im Rahmen der Blogparade der Monacensia im Hildebrandhaus, mit dem Titel „Frauen und Erinnerungskultur #femaleheritage, möchten wir Jella Lepman, die Gründerin der Internationalen Jugendbibliothek, und ihr Wirken, in 3 kleinen Blogbeiträgen vorstellen –etwas anders als bisher. Hier der erste Teil:

Film und Fernsehen greifen für Neuproduktionen immer häufiger auf historische weibliche Persönlichkeiten zurück. Erst 2019 lief die Filmografie über die afroamerikanischen Fluchthelferin Harriet Tubman an, und bereits im Jahr davor feierte On the Basis of Sex seine Premiere. Ebenfalls eine Filmografie über die kürzlich verstorbene Ruth Bader Ginsburg. Die Liste ließe sich beliebig weiterführen mit z.B. der wahren Geschichte der britischen Geheimdienstlerin Katharine Gun, welche in Official Secrets verfilmt wurde, oder mit Hidden Figures und der Geschichte von den Mathematikerinnen Katherine Johnson, Dorothy Vaughan und Mary Jackson.
Es sind Hollywood-Blockbuster, und sie handeln von außergewöhnlichen Frauen der vergangenen Jahrhunderte. Sie haben etwas bewirkt, auf ganz unterschiedliche Weise, und sie sollen nicht in Vergessenheit geraten. Sogar noch mehr, ihr Leben und Handeln sollen als Vorbild und Inspiration dienen. Sie führen uns auf wunderbare Weise vor Auge, wie viel eine einzige Person – eine einzige Frau, bewirken kann!

Die Internationale Jugendbibliothek, die ihren Sitz im Schloss Blutenburg im Westen Münchens hat, profitiert ebenfalls vom Initiationsgeist einer einzelnen Frau: Jella Lepman.
Zum Anlass ihres 50. Todestages in diesem Jahr berichteten mehrere große Zeitungen deutschlandweit. So veröffentlichte DIE ZEIT eine ganzseitige Reportage mit dem Titel: Die fünf Leben der Jella Lepman, und tatsächlich lässt sich Lepmans Leben episodenhaft zusammenfassen. Als Tochter aus gutem Haus, früh verwitwet mit zwei kleinen Kindern, wird sie die erste weibliche Redakteurin beim Stuttgarter Neuen Tagblatt, ehe sie 1936 zur Emigration gezwungen, Deutschland über Italien in Richtung England verlässt. Doch sie kehrt zurück, in das Land der Täter, in das Land, das sie fast 10 Jahre zuvor verlassen musste.
Im Rahmen des „Reeducation“-Programms der amerikanischen Militärregierung kam Lepman 1945 speziell für Frauen- und Jugendfragen wieder nach Deutschland. Nachdem sie sich ein Bild von der Zerstörung gemacht hatte, fasste sie einen Beschluss, welcher sich in einem ihrer berühmtesten Zitate zusammenfassen lässt:

„Lassen Sie uns bei den Kindern anfangen, um diese gänzlich verwirrte Welt langsam wieder ins Lot zu bringen. Die Kinder werden den Erwachsenen den Weg zeigen.“

Jella Lepman um 1960 (c) privat

„Die Kinderbuchbrücke“ Podiumsgespräch zum 50. Todestag von Jella Lepman

„Man liest die Erinnerungen fast wie einen Abenteuerroman.“ Mit diesen Worten eröffnete Christiane Raabe am gestrigen Abend die Podiumsdiskussion anlässlich des 50. Todestages von Jella Lepman und der Neuausgabe ihres Buches „Die Kinderbuchbrücke“.
Auf dem Podium zu erleben waren die Direktorin des NS-Dokumentationszentrums München, Prof. Dr. Mirjam Zadoff, sowie Dr. Andreas Heusler, Zeithistoriker am Stadtarchiv München zusammen im Gespräch mit Frau Dr. Christiane Raabe der Direktorin der Internationalen Jugendbibliothek.

Deutschland 1945, zerstört vom Krieg. Wie muss man sich den Ort und die Zeit vorstellen, in die Jella Lepman aus dem Exil zurückkehrte um das scheinbar unmögliche zu schaffen; zunächst eine internationale Jugendbuchausstellung zu organisieren, aus der wenige Jahre später die Internationale Jugendbibliothek wurde.

Das Gespräch, moderiert von Niels Beintker vom Bayerischer Rundfunk, zeichnete für das Publikum ein Bild von Jella Lepman, das über ihre autobiografischen Erzählungen in der Kinderbuchbrücke, hinaus ging. Lepman, so Raabe, kam nicht einfach so nach Deutschland zurück und wäre wohl, ohne den Auftrag der amerikanischen Besatzer, auch im Exil geblieben. Sie nahm hier in Deutschland auch nicht, wie es vielleicht hätte erwarten werden können, wieder ihre deutsche Identität an, auch nicht die einer Jüdin, nein, sie wurde zu einer Weltbürgerin.

Anders als andere Exilanten, die nach Deutschland zurückkehrten, war Lepmans Blick hauptsächlich geprägt von einer Vision des Neuanfangs mit der schuldlosen Generation – den Kindern. Diesen Wunsch folgte sie, „ohne auch nur ein Wort zu verlieren, über ihre eigene Enttäuschung, ihren eigenen Schmerz, den sie mit Sicherheit erlebt hat.“ sagt Mirjam Zadoff.

Das gesamte Podiumsgespräch, welches begleitet wurde durch Auszüge aus „Der Kinderbuchbrücke“ gelesen von Julia Cortis, ebenfalls vom BR, ist als Mitschnitt auf Youtube abrufbar.

Die IJB dankt allen Gästen die diesen Abend vor Ort, oder live im Stream verfolgt haben, ebenso wie den Teilnehmern des Gesprächs.


Die Neuausgabe von Jella Lepmans „Die Kinderbuchbrücke“, mit zahlreichen, bisher teilweise unveröfftlichen Bildern, erschienen im Antje Kunstmann Verlag, ist für 25€ im Handel erhältlich.

Hinweis:
Am 4. und 5. November findet in der Internationalen Jugendbibliothek ein Mehrgenerationen-Schreibworkshop zu Jella Lepman statt. Mehr Informationen gibt es hier.

Das Blutenburger Sommermärchen

Dieser Sommer ist anders als andere – wir oft haben wir diesen Satz in den letzten Wochen gehört?

Zu oft!
Für das Team der Internationalen Jugendbibliothek stand bereits Anfang Juni (also vor dem meteorologischen Sommerbeginn) fest, dass die Sommermonate definitiv anders werden würden als in den Jahren zuvor, denn eine Idee war geboren: Die Blutenburger Sommerbühne.

Innerhalb von 3 Wochen konzipierte das Team aus Grafik, Presse- und Programmarbeit zusammen mit Verwaltung und Direktion ein buntes Bühnenprogramm für Kinder, Familien und Erwachsene. Künstler wurden angefragt, eine Bühne organisiert, Flyer gedruckt, ein Hygienekonzept erarbeitet und das alles unter Vorbehalt! Niemand konnte wissen, ob Corona uns nicht in letzter Sekunde doch einen Strich durch die Rechnung machen würde.

Doch wir hatten Glück!

Glück mit den Künstlern, die sich über (endlich wieder!) Auftrittsmöglichkeiten freuten, mit dem Publikum, das unendlich dankbar war, das (endlich wieder!) Kultur stattfinden konnte, mit externen Veranstaltern, die erfreut waren, eine Open Air Bühne bespielen zu dürfen und zu guter Letzt: Glück mit dem Wetter!

Vier Mal war unsere Sommerbühne ausverkauft mit großen Namen der aktuellen Kinder- und Jugendliteratur; Margit Auer („Die Schule der magischen Tiere“), Erhard Dietl („Die Olchis“), Katja Brandis („Woodwalkers“ und „Seawalkers“) und Paul Maar („Das Sams“) und vier Mal konnten wir dem Regen, manchmal gerade so, entgehen.

Schauspieler lasen Kinderbuchklassiker, die Kleinste Bühne der Welt war zu Besuch ebenso das Kindertheater im Fraunhofer, Katharina Ritter erzählte Märchen und Sagen und das Clowneske Theater nahm uns mit auf ihre Reise zum Bücherschatz. Es wurde an Staffeleien gemalt und der japanischen Erzählform Kamishibai gelauscht.

Neben dem Literatur- und Theaterprogramm für Kinder, das tagsüber stattfand, gab es abends ein Konzertprogramm, das von Klassik über Jazz bis Weltmusik reichte. Als Mitveranstalter beteiligten sich neben dem Bayerischen Sinfonieorchester (BRSO), der Konzertveranstalter Kulturgipfel, der Verein Schlosskonzerte Blutenburg und etliche Ensembles. Die Pasinger Fabrik war, wie jedes Jahr im Sommer, ebenfalls zu Gast. In den letzten drei Wochen der Bühne, gab es sogar ein Freiluft Kino mit Klassikern und Neuheiten aus Hollywood.

Vom 12. Juli bis zum 6. September begrüßte die IJB knapp 7000 Besucher an 58 Tagen mit rund 85 Veranstaltungen.

Ja, dieser Sommer war anders in der IJB, aber er war definitiv schön. In diesen unsicheren Zeiten konnten wir als Team ein Stück Kultur bieten, das dankbar angenommen wurde, von Künstlern, Veranstaltern und vor allem dem Publikum.

Wir blicken zurück auf 8 Sommerwochen mit einem bunten Programm und vielen einzigartigen Momenten!

Danke!

Hinweis: Im Text wird für das bessere Leseverständnis die männliche Form genutzt. Selbstverständlich ist damit auch die weibliche Form gemeint.

Blutenburger Sommerbühne vom 12. Juli bis 6. September!

Die Stiftung Internationale Jugendbibliothek bietet im Innenhof von Schloss Blutenburg ein großes Open-Air-Programm für Kinder, Jugendliche und Erwachsene an

Nachdem die Bayerische Staatsregierung Ende Mai in Aussicht gestellt hat, dass ab Mitte Juni Veranstaltungen im Freien bis zu 100 bzw. mittlerweile bis zu 200 Personen erlaubt sind, hat sich die Internationale Jugendbibliothek kurzfristig entschlossen, die ‚Blutenburger Sommerbühne‘ ins Leben zu rufen.

Sie hat für dieses neu konzipierte Open-Air-Format Lesungen und Kindertheateraufführungen organisiert und mehrere Mitveranstalter für ein abwechslungsreiches Konzertprogramm am Abend gewonnen. Mit dem Ziel, in den kommenden Sommerwochen vor allem Kindern und Familien, die in den letzten Monaten ganz besonders von den Einschränkungen betroffen waren, ein attraktives Literatur- und Kulturprogramm anbieten zu können. Entstanden ist ein Programm mit über 70 Veranstaltungen:

Bekannte Autoren wie Margit Auer („Die Schule der magischen Tiere“), Erhard Dietl („Die Olchis“), Katja Brandis („Woodwalkers“ und „Seawalkers“) und Paul Maar („Das Sams“) sind dabei. Schauspieler lesen Kinderbuchklassiker, die ‚Kleinste Bühne der Welt‘, ‚Mini Musik‘ und das ‚Kindertheater im Fraunhofer‘ treten auf, Märchen und Sagen werden erzählt. Und vieles mehr.

Neben dem Literatur- und Theaterprogramm für Kinder, das tagsüber stattfindet, ist abends ein Konzertprogramm geplant, das von Klassik über Jazz bis Weltmusik reicht. Als Mitveranstalter beteiligen sich u.a. der Konzertveranstalter ‚Kulturgipfel‘, der Verein ‚Schlosskonzerte Blutenburg‘ und etliche Ensembles. Die Pasinger Fabrik wird, wie jedes Jahr im Sommer, ebenfalls zu Gast sein. Der Illustrator Quint Buchholz bestreitet einen literarisch-musikalischen Abend; an Jugendliche richtet sich eine Lesung des Carl Hanser Verlags mit Christine Knödler.

Eröffnet wird die Blutenburger Sommerbühne am Sonntag, den 12. Juli vom bayerischen Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, Bernd Sibler und der Bestsellerautorin Margit Auer mit einer „Best-of“-Lesung aus ihren Bänden von „Die Schule der magischen Tiere“.

Die Internationale Jugendbibliothek freut sich auf einen abwechslungsreichen Kultursommer für Kinder, Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen!

Das Programm finden Sie hier.
Es wird ständig aktualisiert.

Das IJB Online-Rollenspiel „Geheimnis um die verschwundenen Bücher: Sozialisierung über den Bildschirm hindurch

Die Corona-bedingten Hygieneregelungen haben die sozialen Kontakte von Kindern und Jugendlichen stark eingeschränkt: Die Spielplätze waren über mehrere Wochen geschlossen, Freunde durften nicht mehr besucht werden, sich mit Gleichaltrigen in Gruppen zu treffen und neue Freundschaften zu schließen ist für Kinder und Jugendliche im Moment unmöglich. Dadurch sind die Bewegungsräume von Kindern und Jugendlichen für gemeinsames Spielen und ein soziales Miteinander drastisch beschnitten. Umso glücklicher waren wir, am 11. Juni, Kinder von überall aus Bayern im Rahmen unseres ersten gemeinsamen Online-Rollenspiels zusammenzubringen. 

Dr. Katrin Geneuss, die Entwicklerin des Online-Rollenspiels, forscht an der LMU zur Förderung von sprachlichen und sozialen Kompetenzen durch Rollenspiele. Sie hat für die Internationale Jugendbibliothek das Online- Rollenspiel „Geheimnis um die verschwundenen Bücher“ entwickelt – ein Spiel, bei dem Kinder in die Rollen von verschiedenen Ermittlern, Detektiven und Polizistinnen schlüpfen um, im Team, auf einer Videokonferenz-Plattform, einen geheimnisvollen Diebstahl von Büchern aus der Internationalen Jugendbibliothek aufzuklären.

Elf Kinder zwischen 8 und 11 hatten sich für die erste Edition vom Rollenspiel vor ihren Bildschirmen versammelt. Sie trugen Detektivhüte, hatten sich Agentenausweise gebastelt und hörten auf Namen wie Detektivin Martinez, Kommissar Zimmermann, Polizistin Li oder Ermittler Svensson. Jedes Kind hatte im Vorfeld einen Steckbrief zu seiner Figur – Name, Herkunftsland, Familienmitglieder, Lieblingsbeschäftigungen – bekommen und konnte seine Rolle mit weiteren Details zur Biographie und dem Arbeitsalltag hinzufügen, um die eigene Figur lebendiger zu machen. Während des Spiels mussten die elf jungen Spürnasen in der Rolle, die sie zugewiesen bekommen hatten, gemeinsam Indizien suchen und Aufgaben lösen. Am Anfang duzte der eine oder andere seine Kolleginnen und Kollegen noch oder fragte die Spieleleiterinnen, ob sie den Steckbrief brauchten. Doch innerhalb kürzester Zeit schlüpften sie perfekt in ihre Rollen, und es gewannen Ermittler Svensson, Detektivin Martinez, Kommissar Zimmermann, Polizistin Li und Co. die Oberhand. Durch den Fall geleitet haben sie Dr. Élodie Malanda, alias Frau Beret, Sekretärin des Oberkommissariats Blutenburg, und Theresa Krien, alias Frau Krien, Mitarbeiterin der Internationalen Jugendbibliothek, die den Diebstahl der Bücher gemeldet hatte. Die beiden zeigten von Zeugen aufgenommene Videos, ließen per Videocall Verdächtigte zur Sprache kommen und moderierten die Diskussionen.

Während des Spiels fiel den Spieleleiterinnen schnell auf, dass die Kids nicht nur knobeln wollten, sondern auch ein großer Redebedarf vorhanden war. Die Diskussionen zwischen den Ermittlern über mögliche Spuren waren viel länger als geplant, so dass sich die Spieleleiterinnen recht schnell dazu entschlossen, die angesetzte Spielzeit notfalls zu überschreiten, um den Spielfluss und die begeisterte Energie der Gruppe nicht unterbrechen zu müssen. Tatsächlich entstand während der angeregten Diskussionen in kleinen Gruppen und im Plenum zwischen den Ermittlern eine Gruppendynamik und ein Zusammenhaltgefühl:  Die jungen Ermittlerinnen und Ermittler mussten sich gegenseitig zuhören und aufeinander eingehen, um im Team die Aufgaben zu lösen. Dieses Gemeinschaftsgefühl wurde sicherlich dadurch verstärkt, dass die teilnehmenden Kids sich in ihren jeweiligen Rollen als Kolleginnen und Kollegen wahrnahmen, mit denen sie ein gemeinsames Ziel und eine gemeinsame Leidenschaft für mysteriöse Fälle teilten. 

Dr. Geneuss, die Entwicklerin dieses Online Rollenspiels, ist überzeugt, dass diese Gruppendynamik und der zwischenmenschliche Kontakt bei den üblichen Onlineangeboten, wie z.B. Home Schooling, noch zu kurz kommt. Sie hat das Spiel bewusst so konzipiert, dass ein Gruppengefühl durch den regen Austausch zwischen den jungen Spürnasen und die kooperativ zu lösenden Aufgaben entsteht und gefestigt wird  Neben der Freude am Spielen und an dem Eintauchen in andere Rollen war es dieses Gruppengefühl, das von den Kindern bei der Feedbackrunde regelmäßig hervorgehoben wurde: „Ich löse zuhause auch gerne kleine Fälle, aber jetzt hat es noch mehr Spaß gemacht, weil wir das im Team gemacht haben.“ erklärte die zehnjährige H. Und beim Verabschieden von den anderen Kindern, die sich anderthalb Stunden vorher noch nie begegnet waren, meinte L.: „Ich hoffe, wir sehen uns bald wieder“.

Wir, in der Internationalen Jugendbibliothek, hoffen übrigens auch, dass wir die Kids bald einmal wiedersehen können – am liebsten live*, aber bis dahin auch gerne per zoom – das Online-Rollenspiel hat uns ja gezeigt, dass man auch über den Bildschirm hindurch sozialisieren, zusammen spielen und gemeinsam Spaß haben kann!

*Dr. Geneuss hat für uns auch ein Live-Rollenspiel zu Jim Knopf entwickelt, das in nicht-Corona-Zeiten bei uns, vor Ort, von Schulklassen gespielt werden kann. 

(Das Online Rollenspiel soll übrigenns in nächster Zeit wiederholt werden. Bei Interesse, an programm(a)ijb.de mailen.)

Bibliothek und Ausstellungen geöffnet!

Zum Glück hat der Dornröschenschlaf von Schloss Blutenburg keine 100 Jahre gedauert! Seit dem 11. Mai 2020 ist die Internationale Jugendbibliothek wieder geöffnet.

Die Kinderbibliothek öffnet für die Ausleihe und Rückgabe der Medien zu den regulären Zeiten: Montag und Dienstag 14 –18 Uhr
Mittwoch 9 –18 Uhr
Donnerstag und Freitag 14 –18 Uhr
Corona-Verhaltensmaßnahmen in der „KiBi“

Die AusstellungenDie ganze Welt auf einer Seite. Internationale Wimmelbücher“ in der Wehrgang-Galerie und „Oh wie bezaubernd schön! Illustrierte Briefumschläge von Binette Schroeder“ in der Schatzkammer sind wieder ab Mittwoch, den 13. Mai 2020, zugänglich. Eingang über das Foyer im Herrenhaus auf dem oberen Schlosshof.
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 10 –16 Uhr, Samstag und Sonntag 14 – 17 Uhr.

Museumsshop im Foyer des Herrenhauses:
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 9 –16 Uhr.

Wir bitten um Verständnis, dass für alle öffentlichen Bereiche Maskenpflicht für Erwachsene und Kinder ab 6 Jahren sowie Einlassbeschränkungen gelten.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!
Ihr Team der Internationalen Jugendbibliothek

(c) Internationale Jugendbibliothek

 

Auf der Suche nach dem geheimen Code: Eine Webrallye für junge Spürnasen zu Erich Kästner

Help! Wir haben ein Problem: Im Corona-Chaos haben wir den Schlüssel zu unserem Erich-Kästner-Zimmer verloren! Zwar gibt es einen Ersatzschlüssel, doch der ist in einem codegeschützten Safe. Und den Code kennt niemand im Schloss… Jetzt brauchen wir Hilfe von außen, um den Code zu knacken und wieder Zugang zum Erich-Kästner-Zimmer zu bekommen.

das Erich-Kästner-Zimmer ist geschlossen …

Du willst uns helfen? Dann folge den Spuren von Erich Kästner im Internet und finde die Informationen, die zum Code führen.

Du brauchst dafür einen Computer (oder ein Handy/Tablet) mit Internetverbindung, einen Drucker, einen Stift und diese drei Dokumente, die du hier herunterladen kannst:

Herzlichen Dank für deine Hilfe!!!

Dein Team der Internationalen Jugendbibliothek

Eine Webrallye für junge Spürnasen (ab etwa 9 oder 10 Jahren) .

„Finn oder…“ Drei Kettengeschichten mit Silke Schlichtmann

Eine Autorin, der Anfang einer Geschichte, drei Gruppen von jeweils zehn bis vierzehn Kindern, die an zehn Tagen der Reihe nach an dieser Geschichte weitergeschrieben haben: das war unsere Anti-Corona-Koller-Kettengeschichten-Aktion mit Silke Schlichtmann. Jetzt sind die drei Kettengeschichten fertig! in folgenden Videos liest Silke Schlichtmann die drei Geschichten ein:

Hier findet ihr den Anfang der Geschichte:

Wie solls jetzt weitergehen?

In „Finn oder wie das 50 Jahre alte Feddersen-Geheimnis mein Leben letzten Montag komplett auf den Kopf gestellt hat“ muss Finn seine Familie aus den Klauen eines gnadenlosen Entführers befreien und erfährt nebenbei ein dunkles Familiengeheimnis.

In „Finn oder wie Klara und ich an einem einzigen Tag die Liebe kennenlernten und dabei die Welt retteten“ muss Finn, nicht nur seine Familie sondern die bunte Welt retten, die von ewiger Dunkelheit bedroht wird. Gottseidank kann er auf die Hilfe von Klara und einem Kola – einer Art außerirdischen Katze- und auf die Kraft der Liebe zählen…

in „Finn oder wie meine Familie, Klara und ich Potatonien retteten“ gelangen Finn und Klara durch einen seltsamen Spiegel in ein geheinmisvolles Land: Potatonien, das Land in dem halb-Mensch-halb-Kartoffel-Bewohner nur Kartoffel essen und Kartoffelsaft trinken. Doch Potatonien ist von einer Kartoffeldürre befallen, die das Leben aller Potatonier bedroht …. keine Frage, dass Finn, seine Familie und Klara alles tun werde um Potatonien zu retten!

Herzlichen Dank an die Autorin Silke Schlichtmann und an die jungen Autorinnen und Autoren, Nike, Amelie ,Zize, Sophia,Valeria, Kira, Olivia, Julia, Riccardo und Lucrezia, Ann-Sophie, Renana, Antonia, Rujul, Lars, Vinzent, Sonia und Lara, Paul und Lilly, Sophia S.,Carolin, Johannes, Sofia H., Isabella, Charlotte, Gwendolin und Melinda, Sophia-Christina, Charlize, Ela Nur, Helena, Gritt, Laura.

Michael Ende – Erfolgsautor des 20. Jahrhunderts

Rückblick und Dokumentation der Tagung
„Die Lust am freien und absichtslosen Spiel der Phantasie“
Michael Ende – Erfolgsautor des 20. Jahrhunderts bis heute
14. und 15. Februar 2020

 

2019 nannte der Norddeutsche Rundfunk Michael Ende einen Schriftsteller, der Kinderbücher für Erwachsene schrieb. Tatsächlich waren Mitte Februar bei der Michael Ende Veranstaltung in der Internationalen Jugendbibliothek, keine Kinder anwesend, sondern sehr viele Erwachsene. Anlässlich der wissenschaftlichen Erschließung des Teilnachlasses Endes wurde zu einer wissenschaftlichen Tagung geladen und Kinderliteraturforscherinnen und – forscher aus ganz Deutschland, von denen es noch immer zu wenige gibt, waren gekommen um sich mit dem Werk und dem Leben des Autors auseinanderzusetzen. Weiterlesen