James Krüss Preis 2022: David Almond und Alexandra Ernst

Der James Krüss Preis für internationale Kinder- und Jugendliteratur wird seit 2013 alle zwei Jahre für ein herausragendes kinder- oder jugendliterarisches Werk vergeben. Die Internationale Jugendbibliothek führt ihn im Auftrag der James-Krüss-Erbengemeinschaft durch.
Im Gedenken an James Krüss fördert der Preis Erzählkunst und Weltoffenheit. Ausgezeichnet wird ein kinder- und/oder jugendliterarisches Werk, das durch sprachliche Brillanz, Originalität, fantasievolles Erzählen, Formenvielfalt und Humanismus überzeugt. Der James Krüss Preis für internationale Kinder- und Jugendliteratur ist mit 8.000 Euro dotiert. Weiterlesen

Fellowship Program 2021 (Part 3)

Before we start with the new year and more outstanding young academic professionals to come, we look back at our last international guests in 2021. We are so grateful that we were able to welcome so many fellows this year – despite still struggling with the ongoing pandemic. Overall, 17 fellows from 14 countries visited us in 2021. Thank you to every single one of you! Weiterlesen

Die verbindende Kraft des Schreibens

„Junge Literatur live!“ – mehr als eine Lesung

von Manfred Schiefer

Wohin kann ein Paar roter Schuhe dich führen? Welche Geschichte stellt sich ein, wenn das geografische Referenzsystem „what3words“ die Worte „sommerlich“, „Popcorn“ und „Wolf“ vorgibt? Die überraschenden Antworten auf diese und weitere merkwürdige Fragen hat das begeisterte Publikum der Lesung „Junge Literatur live!“ am vergangenen Freitag, den 19. November 2021, in der Internationalen Jugendbibliothek erfahren. Neun der zwölf Teilnehmenden der zweijährigen Werkstatt für junge Autorinnen und Autoren haben in einer fulminanten Lesung die Macht der Fantasie demonstriert, die Vielfalt kreativer Einfälle aufgezeigt und ihr Sprachtalent bewiesen. Weiterlesen

Fellowship Program 2021 (Part 2)

We continue with introducing our fellows from 2021 and try to give the world an insight on the amazing articles, dissertations and books our guests research on during their stay at the International Youth Library.

Dorota Sadowska (Poland)

Dorota Sadowska from Warsaw, Poland, always loved reading books since she was a little child. Therefore, it is no surprise that she named her dog “Fizia“ which is the polish name for “Pippi (Longstocking)“. Dorota even says that Fizia is just as stubborn, idiosyncratic and wild as the original Pippi. Usually Dorota works and teaches at the University of Warsaw, where she also studied German. She already visited the International Youth Library in the summer of 2019 after finding out about the wide range of children’s and youth literature displayed here through the internet. Weiterlesen

Fellowship Program 2021 (Part 1)

In 2020 out of 18 invited guests only four were able to visit us due to the pandemic. With that in mind the International Yout Library was more than happy to reopen it’s doors for the first fellowship recipients in 2021. Just as the previous years we were looking forward to the new guests, exciting topics and interesting conversations.

Mateusz Swietlicke (Poland)

mattheuz-1Mateusz Swietlicke from Poland is an Assistant Professor at the University of Wrocław where he teaches at the Institute of English Studies.
From February until April 2021, Mateusz came to the International Youth Library to research for his book about Memory and the images of Eastern Europe in Canadian historical fiction, published after the year 1991. Weiterlesen

Das Erich Kästner-Forschungsarchiv des Sammlers und Bibliographen Johan Zonneveld

von Jutta Reusch

Dr. Johan Zonneveld hat in seiner 50 Jahre umfassenden Arbeit über Erich Kästner ein umfangreiches Forschungsarchiv zu Erich Kästner und dessen Werk aufgebaut, das ihm vor allem auch als Basis für die Erstellung seiner großen Kästner-Bibliographie diente: „Bibliographie Erich Kästner. Mit einer ausführlichen Zeittafel und zahlreichen Fotos von Stationen seines Lebens und den literarischen Schauplätzen“ (erschienen in 4 Bänden 2011 und 2021 beim Aisthesis-Verlag).

Dieses Forschungsarchiv hat er nun im Sommer 2021 an die Stiftung Internationale Jugendbibliothek übergeben, die diese vielfältige Sammlung für die Kästner-Forschung zugänglich machen wird.

Zu dem Kästner-Forschungsarchiv von Johan Zonneveld gehört eine Sammlung von Büchern von und über Erich Kästner, Artikel über Kästner, Kopien (Primär- und Sekundärliteratur, darunter auch Kopien von Zeitungs- und Zeitschriftenartikeln von Erich Kästner), Kopien von Briefen und Dokumenten aus dem Nachlass Kästners, Fotos von Orten, an denen Kästner lebte oder sich aufhielt, audiovisuelle Medien mit Hörspielen, Lesungen, Vertonungen, Verfilmungen, Rundfunksendungen u.a. sowie Zeitungsausschnitte, Programmhefte, Ansichtskarten, Plakate und viele weiteren Materialien zu Erich Kästner. Zahlreiche dieser Dokumente sind auch als Digitalisate vorhanden.

Johan Zonneveld hat sein Kästner-Archiv eigens mit Signaturen erschlossen und nach Signaturen geordnet, um den Zugang zu dem umfangreichen Material zu ermöglichen.

Wie kam Johan Zonneveld nun zu Erich Kästner?

Anlässlich der Übergabe seines Archivs war er bereit, ein kleines Interview über sein ‚Leben mit Kästner‘ zu geben.

Zonnevelds erste Begegnung mit Erich Kästner fand in der Schule statt. Dort las und entdeckte er im Rahmen des Unterrichts „Emil und die Detektive“, war fasziniert von Kästners Erzählung und merkte sich den Namen das Autors. In der Schulbibliothek entdeckte er dann Kästners „Drei Männer im Schnee“ und las auch diese Geschichte mit wachsendem Interesse. Als 17-Jähriger fand er in einer Buchhandlung Kästners „Gesammelte Schriften für Erwachsene“ in der grünen Leinenausgabe und kaufte sie. Da er Feuer gefangen hatte, las er nun alles von Kästner, was er in die Hände bekommen konnte. Es folgten alle Werke, die nicht in der grünen Ausgabe zu finden waren, darunter auch Kästners Kinder- und Jugendliteratur.

Bald begann er, sich auch für Kästners Biografie und für Forschungsliteratur zu Kästners Werken zu interessieren und besuchte dazu immer häufiger die Koninklijke Bibliotheek in Den Haag.

Um Kästners Texte im Original besser verstehen zu können, beschloss er, seine Deutschkenntnisse zu verbessern und studierte deutsche Literatur und Sprache. Im Anschluss an sein Studium promovierte er über die Rezensionen Erich Kästners; seine Dissertation erschien 1991 in Frankfurt am Main unter dem Titel „Erich Kästner als Rezensent 1923 – 1933“.

Während er danach hauptberuflich als Lehrer für die Fächer Deutsch und Informatik tätig war, begann er in seiner freien Zeit die Arbeit an seiner Bibliographie. Dafür besuchte er fast alle Orte, an denen Kästner studiert, gelebt oder seine Urlaube verbracht hatte. Dort entstanden viele der Fotos, die jetzt in dem Archiv zugänglich sind. Etliche von ihnen sind auf Kästners literarischen Spuren entstanden, z.B. Fotos von Schauplätzen in Berlin auf Emils Spuren.

Einer seiner schönsten Momente auf den Spuren von Erich Kästner war die vertragliche Vereinbarung, dass sein Archiv in die IJB aufgenommen wird.

Für die Erstellung seiner Bibliographie besuchte Zonneveld zahlreiche Bibliotheken und Archive wie etwa die Deutsche Bücherei Leipzig (heute Deutsche Nationalbibliothek), das Stadtarchiv Leipzig, die Bibliothek der Internationalen Jugendbibliothek und insbesondere das Deutsche Literaturarchiv Marbach. Darüber hinaus benutzte er die Genios-Datenbank ‚Presse‘ für die Recherche nach Zeitungsartikeln. Im Deutschen Literaturarchiv kam durch den damaligen Nachlassverwalter des Kästner-Nachlasses eine besondere Aufgabe auf ihn zu: Er durfte den literarischen Nachlass Kästners vorordnen und entdeckte dabei zahlreiche weitere Hinweise und Dokumente, die für seine Bibliographie wichtig waren.

Gefragt nach den schönsten Momenten in seiner Zeit auf den Spuren Erich Kästners nannte Zonneveld als erste Situation, wie er dank der freundlichen Genehmigungen von Luiselotte Enderle und des Bildhauers selbst 1980 eine Kopie von Theodor Fraiders Kästner-Büste erhielt, die immer bei ihm in der Wohnung steht.

Als zweiten schönsten Moment nannte er den Tag im Jahr 2013, als er mit der Stiftung Internationale Jugendbibliothek vertraglich vereinbarte, dass sein Archiv in die IJB aufgenommen werde und dort eine Erich Kästner-Forschungsstelle eingerichtet werden solle. Er freut sich sehr darüber, dass sein Archiv an einem Ort aufbewahrt wird, an dem es der Forschung zur Verfügung steht und an dem mit dem Material gearbeitet werden kann.

Im Jahr 2024 soll im Erich Kästner-Zimmer der Stiftung Internationale Jugendbibliothek. gemeinsam mit der Kästner-Preis-Verleihung, diese Erich Kästner-Forschungsstelle feierlich eröffnet werden.

Sommerferienprogramm „Pumuckls Weltreise“

Ort: Internationale Jugendbibliothek Schloss Blutenburg
Leitung: Micaela Czisch, Theaterpädagogin
Musik: Nicole Christlmaier und Floris Kahlert

Für wen: Kinder von 7-10 Jahren
Wo: Internationale Jugendbibliothek, Schloss Blutenburg
Wann: 23.-27. August 2021 mit einer großen Aufführung am 15. November um 15 Uhr im Rahmen einer Festveranstaltung für Ellis Kaut

„Hurra, Hurra, der Kobold mit dem roten Haar…“

Am Montag, den 23. August, war es soweit: Zehn Kinder stehen vor den Toren der Internationalen Jugendbibliothek in Schloss Blutenburg, um bei dem Musik-Theaterprojekt „Pumuckls Weltreise“ teilzunehmen. Die ersten Fragen, die Micaela Czisch, Theaterpädagogin und Leiterin des Projekts, den aufgeregten Kindern stellt: „Was macht einen Kobold so besonders?“ und „Welche Kontinente kennt ihr?“. Damit ist bereits die erste Grundlage für das Theaterstück gelegt, denn das Konzept des Projekts ist nicht etwa, den Kindern ein Stück mit Text und Rollen vorzugeben, sondern sie selbst einzelnen Szenen nach eigenen Ideen entwickeln zu lassen.
DSCF0969Da auch Musik eine große Rolle spielen soll, wird Micaela Czisch von Nicole Christlmaier und Floris Kahlert, beide ausgebildete Musiker, unterstützt. Mit Nicole und Floris lernen die Kinder unterschiedliche Instrumente wie Klangschalen, Klangfrösche, Schellen und sogar Kokosnussschalen kennen. Sie werden dazu angeregt, die Instrumente frei auszuprobieren und sich mit der Musik und den Klängen zu beschäftigen. Im weiteren Verlauf der Woche kommen einige Kinder selbstständig auf die Leitung zu und wollen eigene Ideen einbringen: z.B. Gedichte, die sie schon auswendig können. Zwei Mädchen bringen ihre Blockflöte mit, eines sogar ihre Klarinette.

DSCF0898Die 8 bis 11-jährigen bekommen viel Raum, ihre eigene Kreativität zu entfalten, und sie scheuen nicht davor zurück, etwas zu dem Stück beizutragen. Vieles entwickelt sich aufgrund der originellen Einfälle und Assoziationen der Kinder. Sie nehmen Impulse von außen an und wandeln diese so um, dass sie sich mit einer Rolle oder einer Szene wohlfühlen. Micaela Czisch nimmt dabei jeden der Vorschläge ernst und versucht den Wünschen der Kinder nachzukommen. Dadurch findet jedes Kind seine Rolle: Die einen möchten gerne einen Soloauftritt, andere gehen voll und ganz in der musikalischen Begleitung auf.

Die Kostüme und das Bühnenbild werden fast vollständig von den Kindern gestaltet. Aus einfachsten Materialien stellen sie ihre Kostüme her: Mit doppelseitigen Klebeband werden an alten Mützen rote Stoffreste befestigt – ZACK – sind zwei Pumuckl geboren.
Auch wenn der Kurs schon längst beendet ist, machen die Kinder zuhause euphorisch weiter, und denken über die Kostümgestaltung nach. So überraschen die beiden Koboldforscher Dr. Dr. Dr. Sieglinde von Schnippelwitz und Professor Doktor Knoblauchwurz die Gruppe eines morgens, als sie professoral verkleidet mit Brille, Sakko und Bart auftauchen.

DSCF0972Am Ende entsteht eine musikalische Reise von Europa über Asien bis nach Nordamerika, auf der die Koboldforscher unterschiedlichste Pumuckl, Klabautermänner und Musikkobolde kennenlernen und erforschen. Die Kinder singen, musizieren, tanzen, spielen und tragen Gedichte vor. Es steht außer Frage: Kobolde gibt es wirklich!

Abschließend bleibt nur noch zu sagen, dass die Kinder wahnsinnig viel Spaß dabei hatten, eigenständig und ohne dirigierende Eingriffe der Erwachsenen ihr eigenes Theaterstück zu entwickeln, ihrer Kreativität und Musikalität freien Lauf zu lassen, um damit in die Welt der schelmischen Kobolde einzutauchen. Unter der sensiblen, aber klaren Anleitung von Micaela Czisch und den beiden Musikern Nicole Christlmaier und Floris Kahlert haben die zehn Mädchen und Jungen in den fünf Tagen kreativ, fantasievoll und mit großen spielerischen Freiräumen ein Musik-Theaterstück entwickelt, geprobt und zum Schluss vor den Eltern aufgeführt.
Nun ist eine Woche voller Koboldforschung, viel Spaß, wilden Musizierens, kreativen Bastelns und toller Schauspielerei zu Ende gegangen. Wir können es kaum erwarten, das Theaterstück „Pumuckls Weltreise“ am 15. November anlässlich des 101. Geburtstags von Ellis Kaut nochmals – diesmal im großen Rahmen – zu sehen.

„Ich freue mich sehr, dass die Kinder sich wohlgefühlt haben, sich gegenseitig inspiriert und angeregt haben und Freude hatten am Erfinden, Gestalten und Ausprobieren.“

Micaela Czisch

Fellowship Programm 2020

A Review

In December 2019, the team of the International Youth Library received a long list of names, thesis topics and countries with the information about the following year’s scholarship recipients. Eighteen guests from eleven countries had been invited to visit us in 2020. With a little delay, our first guest of 2020 arrived in February:

Devika Mehran from India.
Her project: Understanding generic development and the construction of childhood in 20th century children’s fantasy. A study of selected British children’s fantasy fiction. It was such a pleasure to welcome Devika to our book castle. Here, she said, she had easy access to specialist literature in large quantities – a lot of which was difficult or impossible to get hold of in her home country. Devika also emphasized that she really appreciated the warm welcome right from day one and the great help in finding everything she needed for her research. In her own words, the IYL offered “a beautiful and mind-blowing experience”.

But then… it doesn’t need to be explained what happened at the beginning of spring 2020. Flights were canceled and borders were closed in the hope of stopping the pandemic. So Devika had to leave us, quite suddenly, earlier than she thought. Many of our guests had to reschedule or cancel their stay and the whole book castle went into a “Little Briar Rose-Slumber“.Only 4 months later, however, in the middle of July, our next international guest was able to visit us.

It was Vera Veldhuizen from the Netherlands, who stayed in Munich until the end of August, together with her husband. She was working on her PhD thesis with the title: The silencing impact of competing truth narratives in children’s literature. Because of all the regulations, she was only able to visit a little of Munich, but fortunately she was here during the „Blutenburger Sommerbühne“ and enjoyed some cultural gems as open air events at the castle. When Vera left, she just said one thing: “I will come back!”  

In the fall, many of our fellows had to cancel their stay, too, which saddened us all very much, even though the reasons were very understandable. Nevertheless, at the end of September and on 1st October we welcomed another two international researchers:

Sofia Venzel from Russia and Jessica Silva from Brazil.
Fortunately both currently live in the European Union (Spain and Portugal respectively), which made it possible for them to travel to Munich during the pandemic. Both enjoyed their stay very much and used the opportunity to do research for their projects. For Jessica it was „Representations of Aging in Children’s Literature. Other cultural and linguistic contexts.“, while Sofia worked on the subject of Children‘s Books on Soviet (Communist) History”. Because so many other fellows had to cancel their visit to the IYL, Jessica and Sofia were offered the chance to extend their visit and both stayed until mid-December. For Jessica and Sofia, it wasn’t an easy time here, because all the restaurants, museums, and other interesting sites in and around Munich were closed. Nevertheless, the whole team of the IYL made a big effort to make their stay as rewarding as possible and in the end, there was even some snow in preparation for Christmas. 

Out of 18 invited guests, only four were able to visit us in 2020. We were happy about every single one of them and hope that their stay with us was unforgettable (in a positive way 😉 ). Although it was a very difficult year, the International Youth Library has still done its utmost to promote and support international research on children’s and young adult literature.

We are looking forward to the coming months, to new guests, exciting topics and interesting conversations.

„Die ganze Welt auf einer Seite“ – Internationale Wimmelbücher

Die Wanderausstellung zu Gast in Luxemburg

Seit dem Frühjahr 2021 ist unsere Ausstellung „Die ganze Welt auf einer Seite – Internationale Wimmelbücher“ als Wanderausstellung verfügbar. Ihre erste Reise trat die jetzt schon deutschlandweit und international sehr gefragte Ausstellung nach Luxemburg an. Danielle Mertes von ErwuesseBildung berichtet von der Wanderschaft und dem einfallsreich und liebevoll gestalteten Begleitprogramm vor Ort, mit dem die Ausstellung mehr als 900 Kinder und Erwachsene erreichte.

Auf Einladung der ErwuesseBildung asbl hatten wir das Glück – in den schwierigen Corona-Zeiten – diese wunderbare Ausstellung in Luxemburg zu Gast zu haben.

An vier verschiedenen Orten machte die Wanderausstellung Station:

  • 09. – 12. Juni 2021: ErwuesseBildung, Luxemburg-Stadt
  • 15. – 18. Juni 2021: Salle de conférence OGBL, Dudelange
  • 21. – 25. Juni 2021: École fondamentale, Münsbach
  • 29. Juni – 02. Juli 2021: „Aal Seeerei“, Diekirch

Dies war jedes Mal nur möglich durch den Einsatz der Coorganisatoren vor Ort: in Dudelange die Bibliotheque publique régionale, in Münsbach die Ecole fondamentale sowie die Gemeinde, in Diekirch „Bonzënnen Bonzuewen Story Café & Shop“, sowie das Musée d’Histoire(s), die Ecole fondamentale und auch hier die Gemeinde.

Unser Programm-Angebot:

Die Zielgruppe der Wanderausstellung waren vor allem Schulklassen. Die Ausstellung war jedes Mal die Hauptattraktion. Zusätzlich gab es ein Rahmenprogramm, das sich von Ort zu Ort etwas unterschied.

Die Kinder auf Entdeckungsreise

Die Kinder (und ihre Lehrer:innen) konnten bei einer interaktiven „Visite Guidée“ die tollen Wimmelbilder entdecken. Hierfür hatten wir kleine Foto-Ausschnitte vorbereitet mit denen die Besucher auf Entdeckungsreise durch die Ausstellung gehen konnten. Dabei ging es vor allem darum, sich auf die Detailbetrachtung einzulassen und dabei in die Wimmelwelt einzutauchen, Dinge, Personen, Situationen, Wichtiges und Unwichtiges, Lustiges…. zu suchen und zu finden. Der Begleiter unterstützte das Ganze durch zusätzliche Fragen, Hinweise, Informationen und Sachvermittlung. Zum Schluss gab es noch eine kleine Aufgabe: „Findet heraus, auf wieviel Tafeln Pinguine zu finden sind! Wer findet die Meisten?“

Zusätzlich wurde ein kreatives Wimmel-Atelier für die Besucher angeboten, das aber je nach Ort unterschiedlich war:

  • „Wimmel-Postkarte“ basteln
    • „Wer wohnt wo? – Wimmel-Stadtplan mit den Fotos der Schulkinder“ gestalten
    • „Diverse Wimmel-Spiele“
    • „Historisches-Wimmelbild“ gestalten    …

Der Abschluss des Besuches machte ein thematischer Wimmel Büchertisch, bei dem sich die Kinder in gemütlichem Ambiente (Teppich, Kuschelkissen, mit Lupen usw. ) in die bereits in der Ausstellung vorgestellten Wimmelbücher, aber auch in die vielen anderen Wimmelbüchern hinein wuseln konnten. Eine thematische Bücherliste für die Erwachsenen lag bereit und das eine oder andere Buch wurde zum Verkauf angeboten. Wegen Corona durften wir nur kleinere Gruppen empfangen oder die Schulklassen bekamen das „Kreativ-Material“ und eine „Wimmelbücher-Kiste“ in die Klasse und konnten das Rahmenprogramm in ihrem kleineren Gefüge genießen.

Der Wimmel Büchertisch in Diekirch

Zusätzlich zum Programm für Kinder, hatten wir aber auch ein spezielles Programm für Eltern und Multiplikatoren vorbereitet. An den schulfreien Tagen war die Ausstellung mit Rahmenprogramm für Familien zugänglich. So konnten auch die Eltern zusammen mit ihren Kindern die „Wimmelwelt“ entdecken.
Zusammen mit dem IFEN (Ministère de l’Education Nationale, Luxemburg) wurde eine Tages-Fortbildung mit dem Titel „Gewimmel auf dem Büchertisch – Wimmelbücher in der Kinderliteratur“ organisiert. Die Fortbildung richtete sich an Lehrer:innen. Teil des Programms war ein Vortrag zur Ausstellung mit der Kuratorin Dr. Ines Galling von der Internationalen Jugendbibliothek, die über das Online-Konferenztool Zoom aus München zugeschalten wurde. Außerdem fanden Workshops zum Thema „Arbeiten mit Wimmelbüchern /-bildern“ statt. Hier präsentierten wir den Teilnehmer:innen praktische Tipps, Handreichungen, Informationen, Bücher, Internet-Sites u.v.m. rund um das Thema „Wimmelbücher“.

„Gewimmel im Bücherregal – Wie kann ich meinem Kind mithilfe von Wimmelbüchern Lust auf Geschichten machen?“ war das Motto eines Abends für Eltern und alle, die an guter Kinderliteratur interessiert sind.Neben einer geführten Besichtigung der Ausstellung, wurde den Anwesenden ein kleiner Vortrag über „Wimmelbücher – was ist das?“ angeboten. Des Weiteren gab es viele Tipps zur Leseförderung, Sprachförderung usw. zuhause, Buchvorstellungen aus dem Bereich „Wimmelbücher“, Adressen, u.v.m. Den Abschluss machte ein sehr interessanter Austausch.

Danielle Mertes, ErwuesseBildung 2021

Eröffnung des 6. White Ravens Festivals mit Krach, Magie und Worttamtam

Gastbeitrag von Billy Tessaro

White Ravens. Weiße Raben. Ein Oxymoron, so scheint es, aber sind sie das? Der Rabe ist eine der, wenn nicht die intelligenteste Vogelart und seine Bedeutung in der nordischen und griechischen Mythologie zieht sich durch die Jahrtausende. Diese Woche kleidet er sich weiß, wie ein unbeschriebenes Blatt Papier. Er liest und bekommt vorgelesen, und er schreitet durch ganz Bayern. Die White Ravens sind echte Leseratten.

(c) Annkathrin Ascherl

Der Startschuss für das 6. White Ravens Festival fällt am 11.07.2021 auf Schloss Blutenburg in München. Der Morgen ist verregnet, der Himmel grau, die Stimmung ausgeprochen gut. Trotz des eher unangenehmen Wetters hat sich eine hohe Zahl an Zuschauerinnen und Zuschauern in den Schlosshof der Blutenburg getraut. Das Musikerduo Paprižka, heitert die Besucherinnen und Besucher auf.

Um 10 Uhr geht es los und siehe da, der Regen lässt langsam nach, hört bald ganz auf, pünktlich zum Auftakt des Festivals. Die Schirme klappen einer nach dem anderen zu und einige Festivalbegeisterte tröpfeln noch nach. Als sich dann kurz nach 11 Uhr auch noch die Wolken langsam verziehen und das Festival von Sonnenschein und blauem Himmel begrüßt wird, scheint alles perfekt.

Während der einleitenden Worte von Christiane Raabe, Direktorin der Internationalen Jugendbibliothek, und Anton Biebl, Kulturreferent der Landeshauptstadt München, wird ein schöner weißer Rabe auf die Bühne getragen. Stolz steht er auf massiven Büchern. Er steht für Literatur, Lesebegeisterung und kulturellen Austausch. Dann geht es los: Margit Auer liest aus einigen Bänden ihrer Reihe Die Schule der magischen Tiere. Eine Vielzahl lesebegeisterter Kinder findet sich im Publikum, bei Fragerunden machen sie rege mit, versuchen den Autorinnen und Autoren sogar Details zu neuen Geschichten zu entlocken. Das Spiel wird auch umgedreht: Die Kinder antworten eifrig auf die Fragen der Schriftsteller:innen und haben im Anschluss an die Lesungen sogar die Möglichkeit, ihre Bücher signieren zu lassen. Nach Margit Auer liest die Schauspielerin Dascha von Waberer aus der Monsternanny von Tuutikki Tolonen. Die Illustratorin Anete Melece begeistert die Kinder mit einem Workshop zu ihrem Bilderbuch Kiosk und zu guter Letzt ist am frühen Nachmittag Susan Kreller dran, die den Kindern und Familien ihr Monster Schlinkepütz vorstellt.

Eine große Vielfalt an Aktivitäten wird den Anwesenden heute auf dem Festivalgelände geboten: Neben denLesungen und Fragerunden von und mit Margit Auer, Benjamin Tienti, Tuutikki Tolonen, Anete Melece, Susan Kreller und Yves Grevet, findet auch Kamishibai – traditionelles japanisches Papiertheater – sowie Origami- und Illustrations-Workshops statt. Die Pantomime-Vorstellungen des Künstlerduos Mime en Mi Mineur und die Papiershow von Mr. Lo zeugen davon, wie abwechslungsreich der heutige Tag ist. Musikalisches wird neben dem Duo Paprižka, die mit Balkanbeats und Klezmer für Stimmung sorgen, auch von der Gruppe Jisr geboten, die das Publikum am Nachmittag auf eine magische Reise in arabische Welten mitnimmt, von der Küste Marokkos bis nach Ägypten und darüber hinaus. Die Begeisterung beim Publikum ist groß, man hört viel Gelächter und sieht zufriedene Gesichter. Einen Bücherstand, an dem die Besucherinnen und Besucher ihre Sammlungen vervollständigen können, gibt es auch. Und an einer weiteren Station können Kinder als Reporter der Münchner Kinderzeitung/MÜK aktiv werden.

Ich unterhalte mich im Laufe des Tages mit den Autorinnen und Autoren. Für alle stand außer Frage, nicht beim Festival dabei zu sein, man spürt den Hunger nach Interaktion mit der Leserschaft. Auf die Frage, wie die letzten anderthalb Jahre sich auf ihr kreatives Schaffen ausgewirkt haben, gibt es gemischte Antworten. Benjamin Tienti, Margit Auer, Yves Grevet und Tuutikki Tolonen äußern sich eher positiv: Ihnen hat die Pandemie auf dieser Ebene beinahe in die Hände gespielt, weil das Plus an Zeit zu Hause es ermöglicht hat, sich intensiver auf das Schreiben zu konzentrieren. Tuutikki Tolonen, Kinderbuchautorin aus Finnland, bemerkt sogar bei der Rezeption ihrer Bücher, respektive insgesamt in Bezug auf den Kinderbuchmarkt, positive Auswirkungen. Die Illustratorin und Autorin Anete Melece, die aus Zürich angereist ist, äußert sich etwas verhaltener, da für sie die Verbindung von Privatem und Beruf eine Herausforderung war. Ein eher düsteres Fazit zieht Susan Kreller, die gerade mit der Anfangszeit der Pandemie unangenehmere Erinnerungen und ein Gefühl der Beklommenheit verbindet. Und gerade hier, nach dieser Zeit voll Ungewissheit und Hürden, finden sich alle Autorinnen und Autoren wieder. Margit Auer spricht vom „Hunger“ des Publikums ihre Lieblingsschriftsteller:innen live zu sehen. Für sie bieten die White Ravens ein perfektes Forum für gegenseitigen Austausch und gegenseitige Anregungen unter Künstlerinnen und Künstlern. Wo sich alle Stimmen der Autorinnen und Autoren einig sind, ist die Freude über den gegebenen Anlass: über das Festival – gerade vor der malerischen Kulisse des Schlosshofs – die Interaktion mit den Fans, die Präsentation ihrer Werke. Susan Kreller spricht vom „Zauber, der in der Luft“ liegt und wer dort war, weiß, was sie meint. Alle sind begeistert, hier zu sein. Und ich denke, ich spreche im Namen aller Anwesenden, ob Zuschauer:innen, Mitarbeiter:innen oder Organisator:innen, wenn ich sage, dass dieses Sentiment auf Gegenseitigkeit beruht.

Am Nachmittag des Eröffnungstages spielt das Wetter besser mit, was einen reibungslosen Start in den 2. Teil der Eröffnung ermöglicht. Ein leichter Sommerregen zwischendurch trübt die Stimmung nicht im Geringsten. Nachdem Benjamin Tienti aus Salon Salami und Unterwegs mit Kaninchen vorliest, wird das Publikum von Berlin in den orientalischen Raum entführt. Jisr begleitet, nach einer musikalischen Einlage, Azad Hamoto und Peter Wolter, die Gedichte auf Arabisch und in der deutschen Übersetzung vorlesen. Ich fühle mich an die Veranstaltung Märchenhafter Orient erinnert, welche vor fast drei Jahren auch hier stattgefunden hat.

(c) Annkathrin Ascherl

Aber wie alles Schöne, muss auch der Eröffnungstag zu Ende gehen. Für die letzten großen Lesungen sind nacheinander Yves Grevet aus Paris – dessen Texte Méto und Vront in Auszügen vom Münchner Schauspieler Sebastian Hofmüller vorgelesen werden – und Margit Auer, die den Eröffnungstag abschließt, auf der Bühne. Damit neigt sich ein erfolgreicher und ereignisreicher Tag dem Ende zu. Ich verlasse das Festivalgelände, dessen Namen folgend, beflügelt. Die weißen Raben haben nicht nur mir, sondern auch vielen lesebegeisterten Kindern und ihren Familien, sowie allen anderen, die beim Festival mitorganisiert und mitgeholfen haben, einen unfassbar schönen Tag beschert.