White Ravens Festival 2012: Rückblick von Suzan Geridönmez

Es sind nun schon fast zwei Jahre vergangen, seit ich am White Ravens Festival 2012 teilgenommen habe. Nach Hause gekehrt bin ich mit vielen bunten Eindrücken. Besonders bereichernd fand ich den direkten Kontakt zu vielen wundervollen Autorinnen und Autoren aus verschiedenen Ländern, über deren Kinder- und Jugendliteraturszene ich vorher nur sehr wenig wusste. Weiterlesen

Die Preisträger des Kinder zum Olymp!-Wettbewerbs stehen fest

Kinder zum OlympDie Kulturstiftung der Länder gibt am 4. Juni 2013 in Berlin die diesjährigen Gewinner des Kinder zum Olymp!-Wettbewerbs „Schulen kooperieren mit Kultur“ bekannt. In diesem Jahr werden 28 Schulen ausgezeichnet, die mit innovativen kulturellen Kooperationen die Jurys überzeugen konnten.

Gemeinsam mit der Münchner Situlischule haben wir an dem Wettbewerb teilgenommen. Die Schüler der Klasse 9c (2012)  haben den Roman „Es war einmal Indianerland“ von Nils Mohl gelesen und ihre Eindrücke in einem Videotagebuch festgehalten. Das Projekt wurde im Rahmen der Pilotstudie „Jugendliteratur und Soziale Netzwerke (JL 2.0)“ erarbeitet und auf dem White Ravens Festival 2012 erstmals vorgestellt. „Es war einmal Indianerland“ wurde im Oktober 2012 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet. 

Aus der Pressemitteilung der Kulturstiftung der Länder:
Der Wettbewerb der Bildungsinitiative Kinder zum Olymp!, an dem sich alle allgemeinbildenden Schulen in Deutschland und die deutschen Auslandsschulen beteiligen können, wird seit 2004 von der Kulturstiftung der Länder jährlich in Zusammenarbeit mit der Deutsche Bank Stiftung unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten durchgeführt.

Die Fachjurys des bundesweiten Wettbewerbs von Kinder zum Olymp! haben in Berlin 28 inno­vative Kooperationsprojekte in acht Sparten zu Preisträgern gekürt. Kooperationspartner für die Schulen waren Künstler und Kulturpädagogen verschiedenster Sparten – vom Designer und Bildenden Künstler zur Fotografin, von der Tanzpädagogin zum Musiker sowie vielfältige kulturelle Einrichtungen: Musik- und Kunstschulen gehörten ebenso dazu wie Bibliotheken, Orchester, Theater, Kulturvereine und sogar ein Zirkuszentrum. 750 allgemeinbildende Schulen hatten sich in diesem Jahrgang mit ihren Projekten um die begehrten, mit je 1.000 Euro dotierten Auszeichnungen beworben. 40.000 Schülerinnen und Schüler aller Altersgruppen haben im Rahmen des Wettbewerbs aktiv an den verschiedenen kreativen kulturellen Schulprojekten mitgewirkt. Die Preise in den Kategorien Musik, Musiktheater, Tanz, Theater, Bildende Kunst, Architektur und Kulturgeschichte, Literatur sowie Film/Fotografie und Neue Medien – jeweils für die Klassen 1-4, 5-9, 10-13 und „Alters­über­greifend“ vergeben – werden am 9. September 2013 im Konzerthaus Berlin an die Schülerinnen und Schüler überreicht. In der 8. Sparte „Kulturelles Schulprofil“ gehen die Preise an jeweils eine Grundschule und an eine weiterführende Schule.

Die Preise gehen in diesem Jahr in acht Bundesländer. Erfolgreichstes Land im Wettbewerb ist Nordrhein-Westfalen mit acht Preisträgern, gefolgt von Bayern und Berlin mit jeweils fünf und Baden-Württemberg mit vier Gewinnern. Zwei Preise gehen nach Niedersachsen und jeweils einer nach Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz und Sachsen. Vielfältig sind die beteiligten Schultypen. Neben den Grundschulen sind insbesondere Realschulen (4 Preisträger), aber auch Hauptschulen, Gesamtschulen und Gymnasien (je 3 Preisträger) sowie Förderschulen (2 Preisträger) mit innovativen Kooperationsprojekten unter den Gewinnern.

Zusätzlich konnte jede Jury ein Favoritenprojekt pro Sparte küren, das nun als Finalist an der Bewerbung um den Hauptpreis teilnimmt. Die Spannung bleibt noch ein wenig bestehen, denn der Gewinner des Hauptpreises, der mit 5.000 Euro dotiert ist, wird erst zur Preisverleihung am 9. September 2013 bekannt gegeben.

Alle Preisträger im Überblick finden Sie hier: www.kinderzumolymp.de

Schreibwerkstatt für junge Autorinnen und Autoren

Rückblick auf das Jahr 2012

Die neu etablierte Schreibwerkstatt für junge Autorinnen und Autoren startete am 10. Januar 2012 und fand im vergangenen Jahr insgesamt elf Mal statt, mit zehn regulären monatlichen Treffen und einem ganz­tägi­gen Termin im Juli vor der Sommerpause. Unter der Lei­­tung von Beate Schä­fer tau­schen sich junge Autorinnen und Autoren über eigene Projekte aus­­, erweitern das persönliche Spek­trum durch neue Textformen und Herangehens­weisen und vertiefen im kritisch-unterstützenden Gespräch ihre Reflexions- und Kommu­ni­kations­fähigkeit über litera­ri­sche Texte.

Auch zwischen den Treffen steht die Gruppe in engem Austausch. Ne­ben regelmäßigen Kontakten mit der Werkstattleiterin steht das gemeinschaft­li­che Gespräch via Internet. . Auf Facebook und in einem selbst organisierten Forum tauschen die eilnehmer eigene Texte und Schreibanregungen aus, geben einander schriftlich Feedback und diskutieren in Eigenregie Schreibthemen.

Zehn Schreibende nehmen regelmäßig an der Werkstatt teil, überwiegend Mädchen im Alter zwi­­schen siebzehn und neunzehn. Zum Teil haben sie gerade ihr Studium begonnen, zum Teil machen sie im kom­menden Jahr Abitur. Eine Teil­­nehmerin absol­viert nach dem Realschulabschluss ein frei­williges so­ziales Jahr. 2013 sollen  mindestens zwei neue Plätze besetzt werden, vorzugsweise mit jüngeren Schrei­ben­den. Weiterlesen

Die Dokumentation des White Ravens Festival 2012

Raben pfluecken

Vom 15. bis 20. Juli 2012 fand das zweite White Ravens Festival – eine Veranstaltung der Internationalen Jugendbibliothek – statt. Hauptveranstaltungsort war die Internationale Jugendbibliothek auf Schloss Blutenburg. Eingeladen waren 14 Autoren aus 11 Ländern, die in über 80 Veranstaltungen in München und 35 Städten und Gemeinden in ganz Bayern Lesungen und Workshops veranstalteten. Das Festival konnte mehr als 7.300 Gäste begrüßen und ist damit noch erfolgreicher als die Premiere im Jahr 2010. Wir bedanken uns bei allen Autoren,  Besuchern und besonders bei den Sponsoren des Festivals.

Wir haben das Festival hier in Bildern, Beiträgen, Videos und Fotos dokumentiert.

Es war einmal Indianerland: Videotagebuch der 9c aus der Situlischule

Die Schüler der Klasse 9c der Mittelschule an der Situlischule haben zusammen mit ihrer Lehrern Annabelle Staples den Roman “Es war einmal Indianerland” von Nils Mohl gelesen und ihre Eindrücke in einem Videotagebuch festgehalten. Täglich wurden auf der Facebook-Seite des Festivals ihre neuen Leseeindrücke per Video geteilt. Eigene Kompetenzen der Schüler, wie der Umgang mit sozialen Netzwerken und das Bearbeiten von Videos wurden von den Schülern mit eingebracht. Und das Beste daran: über Facebook konnten die Schüler so vorab mit dem Autor Nils Mohl in Kontakt treten, der die Videos kommentiert hat. Bei der Lesung beim White Ravens Festival wurde der Autor dann noch interviewt und als Überraschung besuchte Nils Mohl am Tag drauf die Klasse in ihrer Schule. Dabei entstand der letzte Eintrag im Videotagebuch gemeinsam mit Autor und Klasse.

Verdientermaßen hat dieses wunderbare Projekt beim Wettbewerb „Kinder zum Olymp! Schulen kooperieren mit Kultur“ in der Kategorie Literatur gewonnen! 

JL 2.0 – Wie lief die Zusammenarbeit mit Schulen und Jugendlichen?

Der Kern der Pilotstudie „Jugendliteratur und soziale Netzwerke“ war die Kommunikation von Jugendlichen über Jugendliteratur im Social Web anzuregen und eine aktive Projektbeteiligung anzuregen. Damit soll das Potential sozialer Netzwerke für eine kulturelle Bildungsarbeit ausgewertet werden. Im Moment sind wir, direkt nach dem Festival noch in der Auswertung der Studienergebnisse. Allerdings kann an dieser Stelle bereits ein Einblick über die Zusammenarbeit mit Lehrern, Schülern und Jugendlichen geben werden.

Nils Mohl goes Import Export – Eindrücke von Gastblogger Andrei C. (18)

Als ich durch die Eingangstür der Veranstaltung gekommen bin, dachte ich mir erst, dass hier eine Disco stattfinden wird und keine Lesung. Die Leute kauften Bier und redeten in vielen Sprachen miteinander.

Gegen das Vergessen. Ein Beitrag von Andrei (18) zur Veranstaltung mit Uri Orlev und Mirjam Pressler

Am Dienstag, 17. Juli um 19 Uhr gab es ein Gespräch mit Mirjam Pressler und Uri Orlev moderiert von Prof. Dr. Gabriele von Glasenapp zum Thema „Gegen das Vergessen. Zeitgeschichte und Jugendliteratur.  Unser Gastblogger Andrei Craciunescu hat die Veranstaltung besucht und seine Eindrücke dieser besonderen Veranstaltung augeschrieben. Weiterlesen

Ein selbstgemachter Trailer zu „Es war einmal Indianerland“

Auch bei den bayernweiten Lesungen des Autors Nils Mohl gab es etwas Besonderes: Die Klasse 9b des Werdenfels-Gymnasiums in Garmisch-Partenkirchen überraschte den Autor mit einem selbstgedrehten Trailer zum Buch!

Uri Orlev im Interview mit der Klasse 6 F des Gymnasiums Neubiberg

Im Rahmen der Lesung am 17. Juli stellten die Schülerinnen und Schüler der Klasse 6 F dem Autor u. a. folgende Fragen, die Frau Pressler dann übersetzte

Wie haben Sie denn damals das Leben im Ghetto erlebt?

Das mag merkwürdig klingen, aber für mich waren das eigentlich die schönsten Jahre, weil ich sie zusammen mit meiner Mutter verbracht habe. Auf der Straße passierten natürlich schlimme Sachen, aber für uns Kinder war es eine Art Abenteuer. In der Zeit nach dem Krieg hatte ich dann immer noch eine Atombombe unter dem Bett.

Hatten Sie wirklich eine Atombombe unter dem Bett?

Nein, es war nur eine eingebildete, aber für mich war sie wirklich da und ich habe ernsthaft darüber nachgedacht, sie zu werfen …

Welches Land bezeichnen Sie heute als Ihre Heimat?

Israel, aber auch noch ein bisschen Polen.

Warum kommen Sie in ein Land, in dem man früher versucht hat, Sie zu töten?

Die Leute, die das versucht haben, sind inzwischen ja nicht mehr da und die Kinder, die ich hier treffe, sind genauso wie alle anderen Kinder auf der Welt. Gleichzeitig ist es mir aber auch wichtig, die älteren Deutschen zu treffen, sie haben nämlich die gleichen Probleme wie ich. Auch die erwachsenen Deutschen fragen sich: Wie konnte uns das passieren?

Welches Buch von den vielen, die Sie geschrieben haben, gefällt Ihnen selbst am besten?

Das ist schwer zu sagen, jedes Buch hat seine eigene Geschichte. Eines davon ist sicher die Insel der Vogelstraße, aber auch die Bilderbücher oder Lauf, Junge, lauf! gefallen mir.

Wollten Sie schon immer Schriftsteller werden?

Nein, ich wollte immer nur stark sein, weil ich der Schwächste in der Klasse war; also Polizist oder Straßenbahnschaffner werden, da mir die Autos dann Platz machen müssen (lacht).

Wie sind Sie Schriftsteller geworden?

Menschen haben viele Begabungen, laufen, springen, malen. Ich konnte gut Geschichten erzählen und Menschen lieben es, gute Geschichten zu hören.

Warum haben Sie Ihre Erinnerungen aufgeschrieben?

Ein Jahr lang habe ich an den Bleisoldaten geschrieben, die heute aber nicht mehr verlegt werden. Lest einmal die kürzere Fassung davon, die Sandspiele. Ich schreibe dort, wie ich als Kind mit meinem Bruder Soldat gespielt habe, um so den Krieg zu überleben.

Sind Sie noch mit Ihrem Bruder befreundet?

Ja, wir haben ein gutes Verhältnis, aber manchmal nervt er mich auch …

Wie viele Bücher sind es eigentlich, die Sie inzwischen geschrieben haben?

Ca. 34; aber für alle verschiedenen Altersstufen.

Haben Sie auch Bücher auf Polnisch geschrieben?

Nein, nur Gedichte nach meinem Aufenthalt in Bergen-Belsen. Ansonsten habe ich nur Bücher auf Hebräisch geschrieben.

Wir haben im Unterricht Lauf, Junge, lauf! gelesen. Herr Orlev, wie lange haben Sie gebraucht, um dieses Buch zu schreiben?

Das ist eine lange Geschichte. Eines Tages kam eine Lehrerin, die uns über die Shoa unterrichtete, und erzählte, sie habe einen beeindruckenden Mann kennengelernt, groß;, mit langem Pferdeschwanz, der ihr eine Geschichte aus seiner Kinderzeit erzählt habe. Die Lehrerin hat mir gesagt, ich könne daraus ein Buch machen, ich habe den Mann dann in Jerusalem auf einem Parkplatz getroffen. Als er anfing, mir seine Geschichte zu erzählen, habe ich ihn gefragt, ob ich noch einmal wiederkommen und seine Geschichte mit Kassettenrekorder aufnehmen könne, er aber wollte mir die Geschichte gleich erzählen. Wir sind daraufhin zusammen in ein Café; gegangen und er hat mir alles so erzählt, als ob er immer noch der 9-jährige Junge sei. Außerdem bekam ich von ihm ein Band, das er für seine Tochter aufgenommen hatte. Ich habe dann angefangen zu schreiben: Neun Monate lang habe ich den Mann immer wieder angerufen und gefragt: Könnte es so gewesen sein? Er hat sich genau an die guten wie an die schlechten Dinge erinnert. Für mich war das wie eine Ampel an der Straße, die mir sagte, ob ich weitermachen konnte. Was für die Leser heute eher unwahrscheinlich ist, waren gerade die Sachen, die tatsächlich stattgefunden haben; dass der Junge unerwartet seinen Vater im Feld trifft zum Beispiel. Als ich das Manuskript fertig und dem Mann zugeschickte hatte, erzählte mir seine Frau, er sei ganz rot im Gesicht gewesen, als er es bekommen habe, und er habe gesagt, dies sei der schönste Tag in seinem Leben. Für mich war das bei allen Preisen der größte, den ich für das Buch bekommen habe.

Wieviel haben Sie für das Buch erfunden?

Man erinnert sich immer nur an einzelne Teile einer Geschichte, dazwischen habe ich mir schon etwas ausgedacht.

Herr Orlev, warum haben Sie eigentlich die Schule gehasst?

Mögt ihr denn die Schule? (Lacht) Nein? Eben. Erst nachdem ich eine Privatlehrerin hatte, hat mir das Lernen Spaß; gemacht. Einmal hat mich in der Schule ein Lehrer dabei ertappt, dass ich statt Rechnungen zu machen gezeichnet habe. Er hat mich am Ohr geschnackt und mich in eine höhere Klasse geschleppt, er wollte mich einfach beschämen. In manchen Schulen wurden Kinder damals geschlagen. Als ich einmal in Japan war, wurde mir dort erzählt, dass noch auf die Hände geschlagen wird. Wird bei euch noch geschlagen?

Nein.

Als ich noch ein Kind war in Polen, musste man sich in die Ecke stellen, bei besonders bösen Sachen musste man sich hinknien. Vorher wurden dann Erbsen auf den Boden geschüttet, damit es besonders wehtat, wenn man darauf kniete.

Wie haben Sie dann Mirjam Pressler kennengelernt?

Ich glaube, wir wissen das beide nicht mehr so genau. Wir kennen uns schon so lange, jedenfalls waren die Übersetzungen der Anlass dafür.

Liebe Frau Pressler, lieber Herr Orlev, wir danken Ihnen ganz herzlich für dieses Interview!

Und auch wir bedanken uns für die tollen Fragen der Schüler und bei Frau Kratz, die mit ihrer Klasse dieses Interview vorbereitet hat!

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