JL 2.0 – Wie lief die Zusammenarbeit mit Schulen und Jugendlichen?

Der Kern der Pilotstudie „Jugendliteratur und soziale Netzwerke“ war die Kommunikation von Jugendlichen über Jugendliteratur im Social Web anzuregen und eine aktive Projektbeteiligung anzuregen. Damit soll das Potential sozialer Netzwerke für eine kulturelle Bildungsarbeit ausgewertet werden. Im Moment sind wir, direkt nach dem Festival noch in der Auswertung der Studienergebnisse. Allerdings kann an dieser Stelle bereits ein Einblick über die Zusammenarbeit mit Lehrern, Schülern und Jugendlichen geben werden.

Welche Strategien und Vorgehensweisen haben wir genutzt, um Jugendliche zwischen 13-20 Jahren für eine Projektbeteiligung zu gewinnen? Wie sind die Strategien und Vorgehensweisen sind im Nachhinein zu bewerten?

Bekanntmachung über Printprodukte: Bei einer ersten Vorgehensweise, versuchten wir über Printprodukte die Bekanntheit des Projektes zu steigern. Hergestellt und verbreitet wurden Visitenkärtchen mit „Follow the White Raven…“ (mit QR-Code), so wie Abrisszettel „Buchfans 2.0 gesucht“, die Neugierde auf das Projekt wecken sollten. Diese Hilfsmittel sind sowohl digital – auf unseren Social Web Kanälen – als auch postalisch an Jugendzentren, Schulen, Bibliotheken und persönlichen Kontakten gestreut worden.

Wie erfolgreich waren diese Vorgehensweise? Anhand der Anklick-Zahlen auf unseren Blogbeiträgen konnte nachvollzogen werden, dass das Projekt durch diese Versandaktion mehr Bekanntheit erlangt hat und von immer mehr Leuten verfolgt wurde. Kontaktiert haben uns anfänglich allerdings vor allem Interessierte, die altersbedingt nicht mehr oder (mit Ihren Kindern) noch nicht zu der angesprochenen Zielgruppe gehörten. Natürlich waren all diese neuen Kontakte gewinnbringend und die positiven Reaktionen erfreulich. Allerdings hatten wir nach der Verbreitung der Printprodukte noch nicht das Vorhaben mehr Jugendliche für eine direkte Teilhabe zu gewinnen erreicht.

Lehrerfortbildung: Auch in einer Lehrerfortbildung (am 14. Juni) zum Thema „Literarische Vermittlungsarbeit mit Schulklassen“ wurden neben anderen Formen der Vermittlungsarbeit, das Projekt vorgestellt. In verschieden Beispielen bekamen die Lehrer Anregungen dafür, wie und in welcher Form sie mit der Klasse teilhaben können – von Blogbeiträgen, Buchtrailern, Facebook-Diskussionen, oder dem Angebot ein tweet-Up mit einem Autor zu machen. Neugierde aber auch Skepsis und Misstrauen gegenüber dem Thema Social Media war von Seiten der Lehrer gleichermaßen zu spüren.

Persönliche Kontaktaufnahme: So richtig in Gang kam die Beteiligung von Jugendlichen am Projekt über die direkte Kontaktaufnahme mit Lehrern und Schulklassen. Die Lehrer, die bei der Anmeldung zu einer Lesung beim Festival Interesse für eine Projektbeteiligung bekundet hatten, wurden von uns persönlich kontaktiert. Für viele war die Einbindung von Schülern in ein Social Web Projekt und der Beteiligung als Gastblogger etwas ganz fremdes und „abtraktes“. Wir merkten daher schnell, dass für viele Lehrer ganz konkrete Beispiele und Anregungen an Beiträgen und Beteiligungsformen nötig sind. Schönerweise entwickelten sich über persönliche Kontakte, Treffen und Telefonate spannende Beteiligungen am Projekt und wurden konkrete Anregungen von unserer Seite auf interessante und vielseitige Weise umgesetzt.

Beispiele:

Eine der schönsten Beispiele für eine Projektbeiteiligung ist die Zusammenarbeit mit der Lehrerin Annabelle Staples, die mit der 9c der Situlischule (einer Mittelschule) ein Videotagebuch in Vorbereitung zur Lesung mit Nils Mohl machte, das jeden Tag auf der Festival-Facbook-Seite gepostet wurde. Da der Autor selber auf Facebook aktiv ist, konnte so schon vor der Lesung ein direkter Austausch zwischen den jungen Lesern und dem Autor stattfinden. Bei der Lesung in der Internationalen Jugendbibliothek gab es dann ein freudiges „analoges“ Kennenlernen. Zudem führten die Schüler ein Interview, das auch per Video aufgenommen und online gestellt wurde. Der Autor war so begeistert von der Klasse, dass er am nächsten Tag als kleines Dankeschön der Klasse einen ganz persönlichen Besuch im Unterricht abstatte.

Auch mit dem Max-Planck-Gymnasium ergab sich eine fruchtbare Zusammenarbeit. Nachdem der Deutschlehrer Lorenz Reichenbach auf unser Projekt aufmerksam wurde, setzte er sich mit uns in Verbindung, denn wie es der Zufall wollte, behandelte er gerade mit seiner 7. Klasse das Thema Blogs und soziale Netzwerke. Ein besonders Highlight war es für das Webteam in die Schule eingeladen zu werden und im Unterricht über das Projekt zu informieren und mit den Schülern über die Vorteile und Risiken von sozialen Netzwerken wie Facebook zu diskutieren. Im Anschluss an unseren Besuch verfassten die Schüler die verschiedensten und allesamt beeindruckenden Beiträge – von Buchtipps oder Reflektionen zum Thema Soziale Netzwerke.

Mit dem Kurt-Huber-Gymnasium München hatte sich über die engagierte Lehrerin Eva Nonnenbroich ebenfalls eine tolle Projektbeteiligung entwickelt. Bei einem Besuch der von ihr geleiteten Literaturkritik-AG lernten wir die Kids persönlich kennen und konnten uns mit den jungen Literaturexperten austauschen. Viele interessante Buchtipps von Jugendlichen für Jugendliche sind so bereits Wochen vor dem Festival auf dem White Ravens Blog und in den sozialen Netzwerken gepostet worden. Beim Festival selber hatte die Gruppe ein Interview mit der französischen Autorin Anne-Laure Bondoux vorbereitet. Dabei gab es eine schöne innerschulische Kooperation mit dem Französischkurs, der das Interview für die Gruppe auf Französisch führte und zusammen mit der Lehrerin rückübersetzte!

Jugendliche Gastblogger unabhängig von Schulen

Sehr erfreulich ist, dass sich beim Projekt auch unabhängig von Schulklassen Jugendliche am Projekt beteiligt haben. So schrieb beispielsweise Paulina über ihre Eindrücke bei der Lesung mit Jutta Richter. Die jungen Autorinnen zwischen 15-20 Jahren aus der Autorenwerkstatt der Internationalen Jugendbibliothek beteiligten sich mit eigenen literarischen Texten zum Bild des weißen Raben. Und Eleonora (13) die aus Italien kommt und die Bibliothek zusammen mit ihrer Mutter besucht, hat ihre Eindrücke vom Eröffnungsfest in einem Video festgehalten. Einen ganz fleißigen Gastblogger hatten wir mit Andrei Craciunescu (18) gefunden. Er besuchte gleich drei der Veranstaltungen: die Abendveranstaltung mit Uri Orlev und Mirjam Pressler, den Abend im Import Export mit Nils Mohl und eine spanischsprachige Lesung mit Daniel Nesquens. Zu jeder der Veranstaltung schrieb er Blogbeiträge über seine Eindrücke und Gedanken zur Veranstaltung. Bei der spanischen Lesung verfasste er den Beitrag sogar auf Spanisch!

 

Resümee

Zusammenfassend kann erfreulicherweise festgestellt werden, dass es gelungen ist Jugendliche sowohl über Schulklassen, als auch unabhängig von Schulen für eine aktive Teilhabe am Projekt zu gewinnen. Bei den verschiedenen Vorgehensweisen, die beschriebenen wurden, bleibt festzuhalten, dass gerade bei einer für Lehrer noch fremden und neuen Art der Literaturvermittlung und der oftmals verbreiteten Skepsis gegenüber dem Social Web, der direkte und persönliche Kontakt zu Lehrern unumgänglich ist. Mit der Bekanntmachung des Projekts über Printprodukte und einem allgemeinen Aufruf zur Beteiligung war es daher noch lange nicht getan.

Wir freuen uns über alle Beiträge von Jugendlichen, die im Rahmen des Projekts entstanden ist und möchten uns an dieser Stelle bei allen beteiligten Lehrern, Schulklassen und jugendlichen Gastbloggern herzlich bedanken!

Das Webteam Petra Wörsching und Tanja Leuthe

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