Gegen das Vergessen. Ein Beitrag von Andrei (18) zur Veranstaltung mit Uri Orlev und Mirjam Pressler

Am Dienstag, 17. Juli um 19 Uhr gab es ein Gespräch mit Mirjam Pressler und Uri Orlev moderiert von Prof. Dr. Gabriele von Glasenapp zum Thema „Gegen das Vergessen. Zeitgeschichte und Jugendliteratur.  Unser Gastblogger Andrei Craciunescu hat die Veranstaltung besucht und seine Eindrücke dieser besonderen Veranstaltung augeschrieben.

Die Veranstaltung war mit 90 Leuten ziemlich gut gefüllt. Die Zuschauer beobachten drei Leute vorne auf roten Sesseln: Die Moderatorin Prof. Dr. Gabriele von Glasenapp, den israelischen Autor Uri Orlev und die deutsche Schriftstellerin Mirjam Pressler. Beide Autoren haben eines gemeinsam: Sie schreiben über den Holocaust. In diesem Gespräch wurden zwei Autoren zusammengeführt, die ziemlich viel verbindet. Beide kennen sich sehr gut, denn Frau Pressler hat fast jedes Buch von Orlev ins Deutsche übersetzt. Außerdem fingen beide Autoren in den 1970er an zu schreiben. Orlev hat unter anderem viel über das Überleben der Kinder in der Shoa geschrieben. Einer seiner größten Erfolge konnte er mit dem Nobelpreis für Kinder,- und Jugendliteratur feiern. Als die Moderatorin Orlev frägt, wie sich die beiden Autoren kennengelernt haben, lacht er nur und sagt, dass er es nicht mehr weiß. In diesem Moment erkannte man, dass Uri Orlev ein sehr humorvoller Mann ist. Das Problem an dem Gespräch war, dass Orlev kein Deutsch spricht. Deswegen muss Pressler die Fragen an Uri erstmal auf Hebräisch übersetzen. Bevor Pressler angefangen hat Orlevs Werke zu übersetzen, kannte man im deutschen Sprachraum eigentlich gar keine hebräische Literatur. Es war etwas Neues für die Deutschen.

Uri hat sein erstes Buch mit dem Titel „Bleisoldaten“ mit 23 Jahren geschrieben. Er kommt mir sehr sympathisch vor, man merkt ihm förmlich an, dass er wahnsinnig viel in seinem Leben erlebt hat.

Während des Krieges sind 1,5 Mio. jüdische Kinder gestorben. Uri und sein kleinerer Bruder haben den Krieg überlebt. Orlev hat versucht das Überleben der Kinder damals metaphorisch darzustellen. Er erklärte es so: Man wirft Sand nach oben und versucht ihn wieder aufzufangen. Das was daneben geht, stellt die Kinder da, die sterben, der Rest überlebt. Dasselbe macht man dann immer und immer wieder, also sechs Jahre lang.

Das komische oder ungewöhnliche an Orlev ist, dass man in seinen Büchern sehr viel Humor entdeckt, obwohl es über so ein ernstes Thema wie den „Holocaust“ geht. Die Moderatorin meint, dass eines seiner Bücher das witzigste ist, was sie je gelesen hat. Orlev erzählt, dass er mit seinem Bruder immer „Krieg“ gespielt hat. Auch während Warschau 1939 20 Tage lang bombardiert wurde, fiel Uri und seinem Bruder nichts Besseres ein, als zu spielen. „ Wenn man stirbt, soll man wenigstens mit einem Lächeln im Gesicht streben“ meinte Uri dazu.

Außerdem spielen sehr viele Handlungen seiner Bücher in anderen Ländern, wie zum Beispiel „Lydia“ in Rumänien. Orlev erzählt uns, dass ihm die Leute aus den verschiedenen Ländern diese Geschichten erzählt haben.

Als Letztes ist noch die Beziehung zwischen Uri und seinem Bruder zu betrachten.

Der große Orlev erzählt, dass er ohne seinen Bruder vielleicht gar nicht den Krieg überlebt hätte, weiß es aber nicht genau. Wenn die zwei sich heutzutage treffen ist Uri immer ganz aufgeregt, sein Dasein schafft ihm Erregung. All die Jahre vom Krieg sitzen tief in ihm drinnen. Wenn die zwei sich dann wieder verabschieden müssen, tut es ihm sehr weh, aber wenn sie zusammen sind, nervt ihn sein kleiner Bruder ständig. Eben genau wie zwei Brüder, die zusammen den Holocaust überlebt haben. Bild

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