literaturCAMP – Eine Rückschau

Am 8./9. Februar 2020 fand zum ersten Mal das literaturCAMP statt. Junge Menschen zwischen 14 und 18 Jahren waren eingeladen, der Frage „Kann Lesen die Welt verändern?“ nachzugehen.
Wer nicht dabei sein konnte kann hier nachlesen, wie das Wochenende gelaufen ist:

Ich finde es ungerecht, dass…

Ungerechtigkeit! Die gibt es in der ganzen Welt, die gibt es tagtäglich – sie ist einfach immer da. Aber was kann man dagegen tun? Kann man denn etwas tun?

Wir probieren es, wie auch sonst als Internationale Jugendbibliothek, mit Lesen. Wir wollten dieses Mal Jugendlichen, die Leser also, zu Wort kommen lassen und ihre Meinungen einfangen. Und so haben wir sie zu einem gemeinsamen Wochenende eingeladen. Zusammen mit der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und dem Literaturhaus München veranstaltete die Internationale Jugendbibliothek am 8. und 9. Februar das erste literaturCAMP. Mit dem Ziel, sich zusammenzusetzen und über Bücher, die Ungerechtigkeiten thematisieren, zu reden, zu schreiben und sich auszutauschen.

Die Themenvielfalt, das Interesse der Jugendlichen und deren Gesprächsbereitschaft lassen sich dabei kaum in Worte fassen. Es ging um die Grenze zwischen moralisch richtig und gesetzlich erlaubt, um Ungerechtigkeit und Vorurteile und um den Unterschied zwischen Ungerechtigkeit und Pech. Es wurde über Sexismus, Rassismus, soziale Diskriminierung und von dem Glück, in einem stabilen Umfeld und in einem reichen Land wie Deutschland aufwachsen zu dürfen, gesprochen.

Dass es aber auch hier in Deutschland nicht immer gerecht zuging (und noch zugeht), zeigte nicht zuletzt Manja Präkels, die Autorin des Romans ‚Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß‘, die am Samstagabend zu einer Lesung ins Literaturhaus gekommen war. Der Roman erzählt, autobiografisch untergelegt, von einer Kindheit und Jugend in der DDR in einem kleinen Kaff nahe Berlins, vom Zusammenbruch der DDR und der Wende, die die DDR-Gesellschaft und die Menschen zutiefst erschütterte und u.a. eine Welle von rechtsradikalem Hass und Terror auslöste.

„Man kann nicht unendlich viel Freundlichkeit in die Welt bringen.“ Sagte die Philosophieprofessorin Christine Bratu, die zusammen mit dem Autor Tobias Elsässer das Wochenende moderierte. Nach dem kommunikationsfreudigen Samstag ging es am Sonntag um das Schreiben, das Erleben, das wirklich etwas verändern und nicht „nur“ darüber reden. Literatur kann uns aufs Glatteis führen und uns aber genau deshalb dazu bringen, andere Perspektiven anzunehmen. Unter diesem Motto lud der Autor Tobias Elsässer zu einem Workshop zum emphatischen Schreiben ein. Christine Bratu dachte mit ihrer Gruppe darüber nach, wo Intimität anfängt und aufhört, während die SZ Journalistin Mareike Nieberding eine andere Gruppe Jugendlicher in die Fußgängerzone schickte, wo sie Passanten interviewten, und später verschiedene journalistische Textformen ausprobierten.

Und was ist das Ergebnis des Ganzen? Was bringt Jugendliche im Alter von 14- 18 Jahren dazu, ein ganzes Wochenende, über hochpolitische, hoch philosophische und hoch umstrittene Fragen zu diskutieren?

Antworten haben sie parat: Das literaturCAMP bot ihnen Raum, sich über die Themen zu unterhalten, die ihnen wichtig sind. Doch was ebenso bedeutend ist: Hier fanden sie die passenden Gesprächspartner dazu und zwar solche, die sie sonst nicht unbedingt in ihrem sozialen und schulischen Umfeld finden.

Ja, die Welt ist ungerecht! Aber ja – wir können etwas verändern und das nicht zuletzt mit Hilfe der Literatur!

Wer mehr über das literaturCAMP erfahren möchte und darüber was an diesem Wochenende alles Spannendes passierte, ist herzlich eingeladen, auf Instagram alles nachzuerleben.

tk

Eine Kooperation von:kooperationsleiste CAMP

Gefördert von:Förderleiste CAMP

Noch krabbelt, summt und brummt es

Ein Überblick zum Workshopprogramm der Jahresausstellung 2018

So vielfältig wie die Welt der Insekten und Spinnentiere, so vielfältig ist auch das Workshop-Programm, das unser Literaturvermittlungsteam zu der Jahresausstellung „Summende Staatenbauer, pikende Plagegeister. Insekten und Spinnentiere in der Kinder- und Jugendliteratur“ anbietet. Ich, Volontärin in der Programmabteilung, hatte das Vergnügen, alle Workshops zu besuchen, um sie in diesem Blogartikel vorzustellen. Die Ausstellung läuft noch bis Ende Oktober – Sie haben also noch Zeit, Ihre Klasse für einen der kreativen Workshops anzumelden!

Den Anfang machte der Workshop „Gestaltenwandler, Hausbesetzer, Düsenflieger“ mit der Museumspädagogin Anita Heft und einer dritten Klasse. Die Kinder setzten sich rund um einen gelben Kreis und verwandelten sich in Blütenblätter, die sich je nach Lichteinfall öffneten oder schlossen. Nach diesem Einstieg beDSC_0012gaben sie sich auf eine Fantasiereise: Sie wurden immer kleiner, winzig klein, so klein wie Insekten. In ihrer Winzigkeit begegneten sie allerhand Insekten. Jenes, welches ihnen am besten gefiel, sollten sie gut im Gedächtnis behalten. Wieder in ihrer normalen Gestalt, durften sie dieses Insekt festhalten. Wer noch Zeit und Lust hatte, versetzte sich in das kleine Tierchen und schrieb einen Brief an die Menschen – angeregt durch das Bilderbuch „Briefe von Insekten” von Olga Kuvikina. Den Abschluss bildete der Besuch der Ausstellung, wo die Kinder vielen ihrer Insektenfreunden wiederbegegneten. Weiterlesen

Von Unruhestiftern und Superhelden

Fantastischer Schreibwettbewerb der Internationalen Jugendbibliothek

Anlässlich der Ausstellung „Was plötzlich in der Küche pocht. Fantastisches Erzählen für Kinder.“ lädt die Internationale Jugendbibliothek Kinder zwischen 9 -12 Jahren zu einem Schreibwettbewerb ein. Inspiriert von der Ausstellung können Kinder ihrer Vorstellungskraft freien Lauf lassen und schreiben Geschichten, in denen Unruhestifter, Kobolde oder Superhelden in unsere Welt eindringen. Jedes Kind kann mitmachen. Zudem wird in Schreibwerkstätten ins kreative Schreiben eingeführt. Weiterlesen

Werkstatt für junge Autorinnen und Autoren sucht schreibbegeisterte Jugendliche!

Schreibbegeisterte Jugendliche gesucht! Stapeln sich schon kistenweise Hefte voller Geschichten, die als Kind geschrieben wurden? Oder gibt es sogar schon Dateien mit Ideen für einen Roman? Immer auf der Suche nach genau dem einen richtigen Wort oder Satz? Besteht das Bedürfnis und Interesse über die eigenen Texte mit anderen Schreibenden zu sprechen und neue Anregungen zu bekommen? Dann ist die Werkstatt für junge Autorinnen und Autoren, die jetzt in eine neue Runde geht, genau das Richtige!

DSC_0012[1]Start der ersten Runde war im Januar 2012. Seither fanden monatlich Treffen mit viel Austausch und lebhaften Diskussionen statt. Unter dem Motto JUNGE LITERATUR LIVE! haben die jungen Autorinnen und Autoren die Ergebnisse ihrer Arbeit in zwei großen Lesungen im Jella-Lepman-Saal präsentiert.

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Worte finden für das Unfassbare

Erfahrungen mit einer Schreibwerkstatt für Jugendliche

19. Februar 2013. Ein eisiger Wind zieht über das Gelände der Gedenkstätte Dachau. Das Wetter ist grau und trist. Passend zu der heutigen Stimmung.

Im Rahmen des Schulklassenprogramms bietet die Internationale Jugendbibliothek einen Tagesworkshop für Schulklassen an, der aus einer Führung am Vormittag und einer Schreibwerkstatt am Nachmittag besteht. Brigitte Fiedler nimmt uns im Informationszentrum in Empfang und mit auf einen Spaziergang in eine grausame Welt, die für unsere Generation nur noch schwer verständlich ist. Reicht unsere Vorstellungskraft wirklich dafür aus, um nachempfinden zu können, welch brutale Zustände hier herrschten? Wir betreten Räume, in denen Menschen erbarmungslos ermordet wurden. Wir betreten eine Zeit, in der Deutschland ein anderes Land war, als wir es heute kennen. Vorbei an dem Stacheldrahtzaun, Richtung Krematorium. Dort steht eine Tafel mit einem Bild, darauf ist ein Berg nackter, toter Menschen zu sehen. Zusammengeworfen wie ein Stück Dreck. Wir finden keine Worte für das Unfassbare. Zumindest nicht in diesem Moment. Weiterlesen

Schreibwerkstatt für junge Autorinnen und Autoren

Rückblick auf das Jahr 2012

Die neu etablierte Schreibwerkstatt für junge Autorinnen und Autoren startete am 10. Januar 2012 und fand im vergangenen Jahr insgesamt elf Mal statt, mit zehn regulären monatlichen Treffen und einem ganz­tägi­gen Termin im Juli vor der Sommerpause. Unter der Lei­­tung von Beate Schä­fer tau­schen sich junge Autorinnen und Autoren über eigene Projekte aus­­, erweitern das persönliche Spek­trum durch neue Textformen und Herangehens­weisen und vertiefen im kritisch-unterstützenden Gespräch ihre Reflexions- und Kommu­ni­kations­fähigkeit über litera­ri­sche Texte.

Auch zwischen den Treffen steht die Gruppe in engem Austausch. Ne­ben regelmäßigen Kontakten mit der Werkstattleiterin steht das gemeinschaft­li­che Gespräch via Internet. . Auf Facebook und in einem selbst organisierten Forum tauschen die eilnehmer eigene Texte und Schreibanregungen aus, geben einander schriftlich Feedback und diskutieren in Eigenregie Schreibthemen.

Zehn Schreibende nehmen regelmäßig an der Werkstatt teil, überwiegend Mädchen im Alter zwi­­schen siebzehn und neunzehn. Zum Teil haben sie gerade ihr Studium begonnen, zum Teil machen sie im kom­menden Jahr Abitur. Eine Teil­­nehmerin absol­viert nach dem Realschulabschluss ein frei­williges so­ziales Jahr. 2013 sollen  mindestens zwei neue Plätze besetzt werden, vorzugsweise mit jüngeren Schrei­ben­den. Weiterlesen

„Die da drüben sieht man nicht“

Bild

„Freiheit ist für mich ein unerreichbarer Zustand, Grenzen sind immer und überall vorhanden.“ Diese Wörter sind nur ein Ausschnitt aus den unglaublich kreativen und eindrucksvollen Texten der 10. Klasse des Klenzegymnasiums, die am Donnerstag, 17. Januar 2013, in der Schreibwerkstatt „Mauern“ entstanden sind. Beeindruckend, was die Schüler alles mit dem Thema „Mauer“ und „Freiheit“ in Verbindung brachten und welche Textresultate dabei erzielt wurden. Unter der Leitung von Beate Schäfer wurde geschrieben, vorgelesen, nachgedacht gespielt und diskutiert. Es hat sich viel bewegt an diesem Tag – ein großes Dankeschön an die Schüler und Beate Schäfer. Ihr wart großartig!
Sabrina Gold

Hier einige Texte, die während des Workshops entstanden sind. Wir bedanken uns bei allen, die der Veröffentlichung zugestimmt haben!

Loic Lemmonier
Dorian Kehr
Marlon Malki
Vinh Mai
Anonym
Ahmed Khan
Sören Lübbecke
Egor Durkov
Egor Durkov 2
Henri Pornell
Maximilian Hess
Jonas Donhauser