„Sag das noch mal, du alter Kakaduquakfrosch!“

Wenn man diese Tage das Schloss Blutenburg besucht, kann es passieren, dass auf einmal wildes Geschrei durch den Schlosshof weht. Wie in Binette Schroeders Buch „Ritter Rüstig und Ritter Rostig“ fliegen die Schimpfworte „wie Drachen durch die Luft“. Man fragt sich, was da wohl vor sich geht.

WS_HeftEine Schulklasse besucht gerade einen Workshop zu der Ausstellung „Guten Tag, lieber Feind! Bilderbücher für Frieden und Menschlichkeit“. Aber bevor man über Frieden sprechen kann, muss erstmal verstanden werden, wie ein Streit zustande kommt. In dem Workshop „Auf den Tisch gebracht!“ von Anita Heft geht es genau darum. Wie entsteht ein alltäglicher Streit und vor allem was kann ein im Zorn gesagtes Wort anrichten? Zunächst werden die schlimmsten Schimpfwörter, die es gibt, zusammengetragen und dann feierlich verbannt. Jetzt müssen die Kinder kreativ werden und eigene Schimpfworte erfinden. Diese dürfen nicht beleidigend sein, aber trotzdem sollten sie sich dazu eignen mal ordentlich Dampf abzulassen. Und schon geht’s los: abwechselnd schreien sich die Kinder die ausgedachten Schimpfwörter an den Kopf. Das macht Spaß, aber auch wenn es nur lustige Wortverbindungen, á la Elephantenentenfuss, Schnabelesel oder Dödelhai sind, erkennen die Kinder die Wirkung eines Schimpfwortes, wie es auch in dem Buch „Achtung! Bissiges Wort!“ von Edith Schreiber-Wicke dargestellt wird.

WS_BayerdörferSchrickerEtwas ruhiger geht es in dem Workshop „Ratte ist anders, aber nicht böse“ von Andrea Schricker und Hanne Bayerdörfer zu. Zunächst erforschen die Schüler die Ausstellung. Verschiedene Konfliktgeschichten, wie beispielsweise „So war das! Nein, so! Nein, so!“ von Kathrin Schärer oder „Frosch und der Fremde“ von Max Velthuijs, werden erzählt und der Bücherkoffer hält auch noch einige Bücher zum Stöbern bereit. Jeder kennt Streit und kann erzählen wie er entsteht und was dann passiert. Aber was passiert denn genau während und vor allem nach einem Streit? Die Kinder erfinden eine eigene Konfliktgeschichte und nach einigen Proben werden diese kleinen Szenen dem Rest der Gruppe vorgestellt. Sechs kleine Theaterstücke zeigen Streit, Ausgrenzung und Einsamkeit und alle enden mit einem „Lass uns wieder Freunde sein und zusammen Fangen spielen!“ und schon flitzen alle wieder gemeinsam durch den Raum.WS_SchrickerBayerdörfer

(Sophia Heissbauer)

Nähre Infos zu den Workshops gibt es hier.

Lehramtsstudierende auf die Probe gestellt

Eine Seminargruppe der Ludwig-Maximilians-Universität hat verschiedene Zugangsweisen zu unserer neuen Ausstellung „Guten Tag, lieber Feind! Bilderbücher für Frieden und Menschlichkeit!“ erarbeitet, die sie mit Schülern bei uns ausprobieren werden. Sowohl für die angehenden Lehrer als auch für die Kinder ist das ein spannendes Angebot, bei dem jeder etwas lernen kann!

Die Ausstellung „Guten Tag, lieber Feind!“ zeigt, wie vielseitig und kindgerecht Bilderbücher die Themen Konfliktentstehung, Vorurteile oder kriegerische Auseinandersetzungen aufbereiten können. Denn auch in die Welt von Kindern dringen die Nachrichten aus Krisengebieten und Fluchtgeschichten, die sie dann beschäftigen. Die Ausstellung ermöglicht einen literarischen und künstlerischen Zugang zu diesen Themen, gibt neue Denkanstöße und bietet Raum für Diskussionen.

Aufgrund des wichtigen und interessanten Themen­gebiets hat sich die Seminargruppe sowohl mit der Ausstellung, als auch mit den Büchern intensiv beschäftigt. Bezugnehmend auf eine Auswahl von Bilder­büchern der Ausstellung konzipierten die Lehr­amts­studierenden einen Workshop, der auf die Primar­stufe zugeschnitten ist. Die Schüler durchlaufen dabei verschiedene Stationen, an denen unterschied­liche Sinneskanäle angesprochen und die Kinder so auf mehreren Ebenen für das Thema „Konflikte“ sensibilisiert werden. Im Sinne einer inter­kulturellen Bildung zielt der Workshop auf die Friedens­erziehung und dabei besonders auf die Vermitt­lung von Strategien zur friedlichen Konflikt­lösung ab.

Das Seminar und der Workshop finden unter der Leitung von Dr. Mirjam Burkard (Akademische Rätin am Lehrstuhl für Didaktik der deutschen Sprache und Literatur) statt.

Termin: Donnerstag, 19. März
Dauer: 9.30 Uhr – 12 Uhr
Zielgruppe: 3. oder 4. Jahrgangstufe
Kosten: kostefrei
Anmeldung unter: programm@ijb.de

Zwei Monster von David McKee erschienen im Sauerländer-Verlag

Zwei Monster von David McKee erschienen im Sauerländer-Verlag

Auf dem Prüfstand: Schüler beurteilen die Buchauswahl der Lektoren

Erwachsene lesen Kinder- und Jugendbücher und entscheiden dann auch noch, welche die Besten sind – können die das überhaupt richtig beurteilen? Um diese Frage zu beantworten, lassen wir nun schon zum fünften Mal in dem Projekt „Gegengelesen – Die Buchempfehlungen The White Ravens im Praxistest“ die Buchauswahl der Lektoren der Internationalen Jugendbibliothek von SchülerInnen gegenlesen.

DSC_0010Die Internationale Jugendbibliothek präsentiert jedes Jahr unter dem Namen „The White Ravens“ einen Katalog mit besonderen Schätzen der Kinder- und Jugendliteratur. In diesem Katalog werden 200 herausragende Neuerscheinungen aus 33 Sprachen kurz vorgestellt. Dieses Register wird von Verlagen, Bibliotheken und Buchhandlungen weltweit als unabhängige, qualitativ wertvolle Empfehlungsliste geschätzt. Dabei wählen die Lektoren die Bücher nach bestimmten Kriterien aus. Dazu gehören zum Beispiel die Relevanz der Themen, die literarische und illustratorische Qualität und ihr innovativer Inhalt oder Design. Kinder und Jugendliche setzen jedoch ganz andere Maßstäbe an die Qualität von Büchern. Sie sollen fesseln, bewegen und vielleicht auch nachdenklich machen.

In dem Projekt „Gegengelesen“ lesen Mittelschüler eine Auswahl der deutsch- und englischsprachigen Bücher und formulieren dazu eigene Rezensionen. Als die eigentliche Zielgruppe ist ihre Meinung zu den Büchern für uns, die Verlage und Autoren besonders interessant. Die Verfasser der besten Texte werden einen Tag lang in die Internationale Jugendbibliothek eingeladen und haben die Möglichkeit sich unter „Experten“ auszutauschen und einen Einblick in die Buchbranche zu bekommen.

Dieses Literaturprojekt, das sich ausschließlich an Mittelschulen richtet, da insbesondere dort Leseförderung vorangetrieben werden sollte, hat zum Ziel bei Schülern das Interesse für Literatur und Spaß am Lesen und Schreiben von Texten zu wecken. Außerdem erfahren die Schüler eine Wertschätzung ihres literarischen Urteils und erleben das Lesen literarischer Texte als eine genuine gesellschaftlich anerkannte und sinnvolle Kulturleistung.

Lehrerfortbildung zum Projekt: 10. Februar 15-17 Uhr.
Anmeldung unter: leuthe@ijb.de oder 089/89121149

Hier die Buchauswahl 2015:

  • Antelmann, Corinna: Der Rabe ist Acht, Mixtvision, München, 2014.
  • Hub, Ulrich; Drewelow, Heike: Füchse lügen nicht, Carlsen, Hamburg, 2014.
  • Rautenberg, Arne; Rassmus, Jens: montag ist mützenfalschrumtag, Peter Hammer, Wuppertal, 2014.
  • Richter, Jutta: Helden, Hanser, München, 2013.
  • Wildner, Martina; Schöffmann-Davidov, Eva: Königin des Sprungturms, Beltz & Gelberg, Weinheim, 2013.
  • Gaiman, Neil; Young, Skottie: Fortunately the milk, Harper, New York, 2013.
  • Scieszka, Jon; Barnett, Mac: Battle Bunny, Siman & Schuster Books for young readers, New York, 2013.
  • Crossan, Sarah: The weight of water, Bloomsbury Publishing, London, 2012.
  • Bennett, Veronica: The broomstick bike, Little Island, Dublin, 2011.

Worte finden für das Unfassbare

Erfahrungen mit einer Schreibwerkstatt für Jugendliche

19. Februar 2013. Ein eisiger Wind zieht über das Gelände der Gedenkstätte Dachau. Das Wetter ist grau und trist. Passend zu der heutigen Stimmung.

Im Rahmen des Schulklassenprogramms bietet die Internationale Jugendbibliothek einen Tagesworkshop für Schulklassen an, der aus einer Führung am Vormittag und einer Schreibwerkstatt am Nachmittag besteht. Brigitte Fiedler nimmt uns im Informationszentrum in Empfang und mit auf einen Spaziergang in eine grausame Welt, die für unsere Generation nur noch schwer verständlich ist. Reicht unsere Vorstellungskraft wirklich dafür aus, um nachempfinden zu können, welch brutale Zustände hier herrschten? Wir betreten Räume, in denen Menschen erbarmungslos ermordet wurden. Wir betreten eine Zeit, in der Deutschland ein anderes Land war, als wir es heute kennen. Vorbei an dem Stacheldrahtzaun, Richtung Krematorium. Dort steht eine Tafel mit einem Bild, darauf ist ein Berg nackter, toter Menschen zu sehen. Zusammengeworfen wie ein Stück Dreck. Wir finden keine Worte für das Unfassbare. Zumindest nicht in diesem Moment. Weiterlesen

Auftakt zum Projekt „Gegengelesen“

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Am 20. Februar besuchten gut 25 Lehrer die Lehrerfortbildung zum diesjährigen Projekt „Gegengelesen – die Buchempfehlungen The White Ravens im Praxistest“. Das Literatur- und Leseförderungsprojekt richtet sich ausschließlich an Mittelschulen. Diese Entscheidung wird von der Überzeugung getragen, dass gerade dort Leseförderungsprojekte wie Gegengelesen entscheidend und wichtig sind und oftmals vernachlässigt werden.
Unter dem Namen The White Ravens stellt die Internationale Jugendbibliothek jedes Jahr 250 literarisch herausragende Neuerscheinungen des internationalen Kinder- und Jugendbuchmarktes in einem Katalog vor, der von Verlagen, Bibliotheken und Buchhandlungen weltweit als unabhängige, qualitativ wertvolle Empfehlungsliste geschätzt wird. Die Schüler lesen in dem Projekt die Buchempfehlungen der Internationalen Jugendbibliothek „gegen“ und verfassen eigene Rezensionen dazu. Als eigentliche Zielgruppe ist ihre Meinung zu Büchern nicht weniger gefragt und wichtig als die der Lektoren und Buchkritiker. Weiterlesen