Lust auf Überwältigung!

Ein Tagungsresümee

„Kein Buch mit sieben Siegeln. Lesen können – Literatur verstehen – mit aktuellen Büchern arbeiten“ unter diesem Motto stand die Herbsttagung des Arbeitskreis für Jugendliteratur (AKJ), die vom 24. – 25. November 2017 in Bad Bevensen stattfand.

Im Fokus stand vor allem die Frage, wie nicht-lesende Kinder und Jugendliche für das Lesen gewonnen werden können. In Vorträgen, Workshops und Lesungen wurden aktuelle Forschungen aufgegriffen und vielfältige Methoden ausprobiert.

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Buchstäblich anders – Ausgefallene Alphabet-Bücher aus aller Welt

Ausstellung in der Niederösterreichischen Landesbibliothek im Frühjahr 2017

Die Niederösterreichische Leseinitiative Zeit Punkt Lesen hat sich der Vermittlung einer bunten und lebendigen Lesekultur verschrieben und setzt sich mit maßgeschneiderten Programmen und kreativen Ansätzen für eine nachhaltige Stärkung von Lese-, Medien- und Informationskompetenz ein. Lesen wird für kleine und große Leserinnen und Leser in seinen vielfältigen Formen und Formaten erlebbar gemacht. Weiterlesen

Phantasie ohne Grenzen – Lehrerfortbildung zu Michael Ende

Bei dem diesjährigen gemeinsamen Projekt mit dem Arbeitskreis Lese- und Literaturförderung drehte sich alles um den Kultautor Michael Ende und seine immer noch aktuelle Kinder- und Jugendliteratur.
Über die letzten Monate wurden die verschiedensten Literaturvermittlungsformen zu ausgewählten Büchern des Autors konzipiert, mit Schülern in der Praxis erprobt und schließlich in der Lehrerfortbildung „Die phantastischen Welten Michael Endes“ am 1. Juni vorgestellt. Dass der Kultautor weiterhin auf reges Interesse stößt, zeigte die Teilnehmerzahl von rund 35 Grund- und Mittelschullehrerinnen, die sogar bis aus Niederbayern zur Fortbildung angereist waren.
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“The stories we tell, write and read can change lives.”

An evening with PRAESA, the 2015 ALMA Winner, at the International Youth Library

Every year in late spring, the International Youth Library has the great pleasure to present the new Astrid Lindgren Memorial Award (ALMA) winner to a German audience. PRAESA, the 2015 winners, travelled to Schloss Blutenburg in Munich on 3rd June. For them, the Munich visit was the conclusion to a busy ALMA award week in Sweden, which had been filled with school visits, interviews and presentations, including the grand prize giving ceremony at Stockholm Concert Hall just two nights before.

Carole Bloch and Ntombizanele Mahobe from Praesa.

Carole Bloch and Ntombizanele Mahobe from Praesa.

PRAESA, Project for the Study of Alternative Education in South Africa, is an organisation that promotes reading and literature for young people in different languages. For more than twenty years PRAESA has combined latest research with creative methods to find new ways to make children in South Africa discover the joy of books and storytelling not only in English and Afrikaans but also – and most importantly – in their mother tongues. Weiterlesen

„Feuerprobe“ überstanden – LMU-Studierende zeigen was sie können!

Im Rahmen des Seminars „Krieg und Frieden im Bilderbuch“ erhielten 12 Studentinnen der LMU München die Möglichkeit, einen Workshop zur Ausstellung „Guten Tag, lieber Feind“, die derzeit bei uns gezeigt wird, eigenständig zu erarbeiten und durchzuführen. Mittels der Methode „Stationenarbeit“ wurde der Workshop zu dem Bilderbuch „Der dritte Bär“ gestaltet, an dem 22 Kinder einer zweiten Grundschulklasse teilgenommen haben.

DSC_0007Nachdem das Bilderbuch mithilfe eines Erzähltheaters vorgestellt und dazu passende Impulsfragen gestellt wurden, wurden die Kinder in Gruppen aufgeteilt und besuchten nacheinander die einzelnen Stationen.

Die erste Station bot den Kindern die Möglichkeit, einen Ausschnitt des Bilderbuchs „Der dritte Bär“ akustisch darzustellen. Nach der inhaltlichen Einordnung der ausgewählten Textausschnitte wurden diese intensiv unter Berücksichtigung der Gefühle, der Geräusche und der Stimmung besprochen. Den Schüler(inne)n wurden Materialien zur Verfügung gestellt, die sie zur akustischen Umsetzung verwenden konnten. Nach einer DSC_0028kurzen Probe wurde die Szene aufgenommen und den Kindern vorgespielt.

An der zweiten Station war Kreativität gefragt. Aufgabe der Schüler und Schülerinnen war es, ein individuelles Ende für die Geschichte zu verfassen. Dafür sammelten sie mögliche Ideen und Einfälle für den Schluss der Geschichte, der im Bilderbuch weitest gehend offen bleibt. Nachdem diese geschrieben wurden, präsentierten die Kinder ihre Ergebnisse und wählten ihre Lieblingsgeschichte aus.DSC_0020

Die dritte Station ermutigte die Schüler(innen) dazu, eigene Beobachtungen und Erlebnisse zum Thema „Ausgrenzung“ und „Umgang mit Fremden“ zu erzählen, auf Basis derer Comics von den Kindern erstellt wurden. Um die verschiedenen Szenen darzustellen, war von den Schüler(inne)n vor allem Perspektivenübernahme und Empathie gefragt. Die gemeinsam erstellten Comics durften die Schüler am Ende mit nach Hause nehmen.

Abschließend wurde der Workshop im Ausstellungsraum der IJB reflektiert und die Kinder teilten ihre gewonnenen Eindrücke und Erkenntnisse mit.

Die Seminarteilnehmerinnen und Dr. Burkard

Die Seminarteilnehmerinnen und Dr. Burkard

„Sag das noch mal, du alter Kakaduquakfrosch!“

Wenn man diese Tage das Schloss Blutenburg besucht, kann es passieren, dass auf einmal wildes Geschrei durch den Schlosshof weht. Wie in Binette Schroeders Buch „Ritter Rüstig und Ritter Rostig“ fliegen die Schimpfworte „wie Drachen durch die Luft“. Man fragt sich, was da wohl vor sich geht.

WS_HeftEine Schulklasse besucht gerade einen Workshop zu der Ausstellung „Guten Tag, lieber Feind! Bilderbücher für Frieden und Menschlichkeit“. Aber bevor man über Frieden sprechen kann, muss erstmal verstanden werden, wie ein Streit zustande kommt. In dem Workshop „Auf den Tisch gebracht!“ von Anita Heft geht es genau darum. Wie entsteht ein alltäglicher Streit und vor allem was kann ein im Zorn gesagtes Wort anrichten? Zunächst werden die schlimmsten Schimpfwörter, die es gibt, zusammengetragen und dann feierlich verbannt. Jetzt müssen die Kinder kreativ werden und eigene Schimpfworte erfinden. Diese dürfen nicht beleidigend sein, aber trotzdem sollten sie sich dazu eignen mal ordentlich Dampf abzulassen. Und schon geht’s los: abwechselnd schreien sich die Kinder die ausgedachten Schimpfwörter an den Kopf. Das macht Spaß, aber auch wenn es nur lustige Wortverbindungen, á la Elephantenentenfuss, Schnabelesel oder Dödelhai sind, erkennen die Kinder die Wirkung eines Schimpfwortes, wie es auch in dem Buch „Achtung! Bissiges Wort!“ von Edith Schreiber-Wicke dargestellt wird.

WS_BayerdörferSchrickerEtwas ruhiger geht es in dem Workshop „Ratte ist anders, aber nicht böse“ von Andrea Schricker und Hanne Bayerdörfer zu. Zunächst erforschen die Schüler die Ausstellung. Verschiedene Konfliktgeschichten, wie beispielsweise „So war das! Nein, so! Nein, so!“ von Kathrin Schärer oder „Frosch und der Fremde“ von Max Velthuijs, werden erzählt und der Bücherkoffer hält auch noch einige Bücher zum Stöbern bereit. Jeder kennt Streit und kann erzählen wie er entsteht und was dann passiert. Aber was passiert denn genau während und vor allem nach einem Streit? Die Kinder erfinden eine eigene Konfliktgeschichte und nach einigen Proben werden diese kleinen Szenen dem Rest der Gruppe vorgestellt. Sechs kleine Theaterstücke zeigen Streit, Ausgrenzung und Einsamkeit und alle enden mit einem „Lass uns wieder Freunde sein und zusammen Fangen spielen!“ und schon flitzen alle wieder gemeinsam durch den Raum.WS_SchrickerBayerdörfer

(Sophia Heissbauer)

Nähre Infos zu den Workshops gibt es hier.

„Ungleichheit und Bildung“ – Besuch eines Lehramtsseminars

Am Montag, den 16. Juni, war ich als unsere „Schulbeauftragte“ zu einem Lehramtsseminar zum Thema „Ungleichheit und Bildung“ an die LMU (Ludwig-Maximilians-Universität München) eingeladen. Dabei gab es die Möglichkeit, die zukünftigen Lehrern und Lehrerinnen unterschiedlicher Schularten über unser großes Angebot zu informieren, besondere Projekte mit Schulen vorzustellen und über die Möglichkeiten der Leseförderung bezüglich ausgeglichener Bildungschancen zu diskutieren.

Lehramstseminar

Nicht erst seit Pisa gilt Lesen als unumstrittene Schlüsselkompetenz im Bildungsdiskurs. Für uns als Bibliothek ist das zwar nicht neu, trotzdem sollte dabei das Lesen nicht auf Erfolg und Leistungssteigerung der Schüler reduziert werden. Vielmehr ist unser Anliegen, Begeisterung für Bücher zu schaffen und den Kindern und Jugendlichen damit einen neuen Raum an Fantasie, Erfahrung oder auch Selbstfindung zu eröffnen. Die Zusammenarbeit mit Schulen birgt die Möglichkeit gerade die Kinder zu erreichen, die Lesen und die Welt der Bücher durch ihr Umfeld bisher nicht für sich entdeckt haben. Dabei möchten wir bei den Schülern eine Auseinandersetzung mit Büchern anregen und Lust aufs Lesen machen.

Angebot für Schulen sind beispielsweise:

  • Workshop, bei dem passend zu einer Ausstellung oder Lesemuseum die Kinder in ein Thema oder Buch eintauchen und dann einen eigenen kreativen Zugang (schreibend, malend, gestaltend) finden
  • Führungen in der Bibliothek, bei der die Kinder in die Vielseitigkeit der internationalen Kinder- und Jugendliteratur eintauchen (mit 23 verschiedenen Sprachen in der Ausleihbibliothek)
  • Schreibwerkstätten, bei denen im eigenen kreativen Schreiben ein Zugang zu einem gesellschaftlich/ geschichtlichen Thema gefunden wird (zum Thema Mauern und Grenzen oder zum Thema NS-Vergangenheit)
  • Autorenbegegnungen bei Lesungen, wie beim White Ravens Festival, die mit einer Auseinandersetzung mit dem Buch verbunden sind (z.B. Autoreninterview vorbereiten, Szene aus dem Buch vorführen, Buchtrailer drehen, alternatives Ende schreiben….)

Vorgestellt und diskutiert wurden weiterhin besondere Projekte, die an das Thema „Ungleichheit und Bildung“ andocken. So ist „Gegengelesen“ ein Literaturprojekt, das wir bewusst nur mit Mittelschulen durchführen, da hier Leseförderung oft zu kurz kommt. Die Buchempfehlungen werden dabei von der eigentlichen Zielgruppe – den Kindern und Jugendlichen – kritisch gegengelesen. Die selbstgeschriebene eigene Buchkritik wird dann in einem Wettbewerb eingereicht. Diskutiert wurde darüber, ob es sinnvoll oder kontraproduktiv ist das Projekt als Wettbewerb anzulegen.

Ein weiteres Projekt dreht sich um „Early Literacy“. Bei „Bücher lieben lernen“ werden Kindergärten aus „bildungsfernen Stadtteilen“ von einer Literaturpädagogin über einen längeren Zeitraum begleitet und in die Welt der Buchstaben, Geschichten und der Bibliothek spielerisch herangeführt. Dem Lesen wird so von Beginn an eine Wichtigkeit und positive Wertung verliehen. Die dabei angelegte Einbindung der Eltern wurde auch von den Seminarteilnehmern als besonders wichtig erachtet.

Auch Vielsprachigkeit in einer Klasse kann bei der Leseförderung sinnvoll genutzt werden. Mit dem von der Internationalen Jugendbibliothek herausgegebenen Arche Kinder Kalender kann die ganze Klasse in eine poetische Sprachenvielfalt eintauchen. Wöchentlich kann die Klasse ein neues Kindergedichte im Original und in der deutschen Übersetzung entdecken. Umso schöner, wenn es Kinder in der Klasse gibt, die das Gedicht im Original lesen können!

In dem abschließenden Brainstorming konnten die Seminarteilnehmer eigene Ideen und Erfahrungen einbringen. So wurde beispielsweise in Frage gestellt, ob eine Klassenlektüre immer Sinn macht, oder es besser ist 3-4 verschiedenen Bücher zur Wahl zu stellen. Auch Interessen und Leidenschaften der Schüler, die bereits vorhanden sind, wie beispielsweise Comics oder Fantasyliteratur, könnten mehr für die Leseförderung genutzt und mit eingebaut werden. Elternabende zum Thema Leseförderung bei denen z.B. auch darüber informiert wird, welche spannenden Kinder- und Jugendbücher auch in ihrer Muttersprache ausleihbar sind, wurden ebenfalls angeregt.

Vielen Dank an Andrea Oestreicher für die Einladung!

Tanja Leuthe