Veranstaltungshinweis: 17 Jahr

24. und 25. Oktober 2013
17 Jahr – Adoleszenz im deutschsprachigen Jugendroman

Ein Autorenforum mit Lesungen, Diskussionen und Vorträgen in der Internationalen Jugendbibliothek, München.

Wie soll mein Leben aussehen? Revolte oder Anpassung? Protest oder Rückzug? Diese und ähnliche Fragen treiben wohl jeden Jugendlichen auf seinem Weg ins „erwachsene“ Leben um. Das Autorenforum der Internationalen Jugendbibliothek nimmt unter die Lupe wie diese turbulente Lebensphase literarisch ausgestaltet wird. Weiterlesen

Klappe zu!?

Schluss, aus, Ende. Till zieht die Zimmertür hinter sich zu und igelt er sich ein: Während draußen die Jahreszeiten ins Land gehen, die Freunde Abi machen und um die Welt reisen, klebt Till die Scheiben zu und schaltet den Rechner an. Er ist, bis auf Zettelchen mit Essenswünschen, nicht nur Tills einzige Verbindung zur Außenwelt, sondern auch der Hort, an dem er seine Utopie einer besseren Welt realisiert.

Tills soziale Interaktionen verlagern sich fast vollständig in den virtuellen Raum, was Eltern, Schwester, Freunde – erstaunlich lange verständnisvoll – schließlich doch sehr irritiert und wütend macht: Was soll das? Warum macht er das? Warum diese Isolation und dieser Wunsch und Wille, autark zu sein? Und ist Till bewundernswert konsequent oder doch eher kauzig, gar pathologisch?

Der Roman gibt keine eindeutigen Antworten. Das polyperspektivische Erzählen und die verschiedenen Tonlagen zwischen ironisch, ernsthaft und spöttisch, lösen die Verunsicherung nicht, die Tills radikales Experiment provoziert, sondern potenzieren sie, da durch die unterschiedlichen Sichtweisen grundlegende Definition von „richtig“ und „falsch“, „normal“ oder „unnormal“, „real“ oder „irreal“ stetig neu verhandelt werden. Doch gerade deshalb spiegelt die Form in ihrer Offenheit nicht allein Tills Auf-der-Suche-Sein und seine Verunsicherung wider, sondern auch sein Ringen um Kohärenz – welches wiederum die Eindrücke während der Lektüre antizipiert.
Kevin Kuhn: Hikikomori, Berlin Verlag, 224 S., 14,99

Die Veranstaltung ’17 Jahr – Adoleszenz im deutschsprachigen Jugendroman’ widmet sich der Frage, wie Adoleszenz literarisch gestaltet wird. Neben Kevin Kuhn nehmen auch Cornelia Travnicek und Rolf Lappert an der Veranstaltung teil.

Wer mehr über Cornelia Travnicek wissen möchte, kann seine Fragen beim ‘Meet n’ Tweet‘ am 20. Oktober stellen. #mnt

Altwerden ist nichts für Feiglinge? Jungsein auch nicht

Ben schraubt an einem Tuk-Tuk und füttert seinen Großvater.
Till kommt nicht mehr aus seinem Zimmer und kauft sich einen Leguan.
Mae hütet rote Chucks wie einen Schatz und sammelt die Haare des Freundes in einer Tupperdose.

Ben, Till und Mae sind jung und getrieben von der Frage: Wohin mit mir? Sie hadern mit sich und mit der Welt, und Selbstzweifel, Überdruss und Orientierungslosigkeit münden in Anpassung Protest, Resignation. Ben, Till und Mae sind Suchende, sie wollen Antworten – und stehen ihnen dann skeptisch gegenüber. Sie sehnen sich nach Nähe und haben Angst vor ihr. Manchmal sind sie übermannt von Wut, dann wieder von Lethargie. Rolf Lappert, Kevin Kuhn und Cornelia Travnicek schildern in ihren Romanen „Pampa Blues“, „Hikikomori“ und „Chucks“ mit großer erzählerischer Intensität, dass das Erwachsenwerden (und das Erwachsensein) kein Sparziergang ist. Alles easy, alles lässig? Nee. Dennoch ist nicht alles tiefstes Dunkelschwarz – dank Galgenhumor und Selbstironie. Und manchmal, manchmal wird der Kopf ausgeschaltet und alles fühlt sich gut an. Zumindest für einen Moment.

Das Autorenforum 17 Jahr am 24. und 25. Oktober 2013 widmet sich der literarischen Gestaltung des Erwachsenwerdens und diskutiert zudem, wie der Adoleszenzroman die Grenzen zwischen Jugend- und Erwachsenenliteratur auflöst.

Kevin Kuhn wurde 1981 in Göttingen geboren. Er studierte u. a. Kreatives Schreiben an der Universität Hildesheim, wo er inzwischen selbst unterrichtet. „Hikikomori“ ist sein hoch gelobtes Romandebüt, Kevin Kuhn veröffentlicht außerdem Kurzgeschichten und Essays in Anthologien und Zeitschriften.

Rolf Lappert ist Jahrgang 1958 und stammt aus Zürich. Er schreibt neben Lyrik und Prosa auch Drehbücher. Für sein Werk hat er viele Preise bekommen, zuletzt 2012 den Oldenburger Kinder- und Jugendbuchpreis für „Pampa Blues“. Mit diesem Buch ist er auch für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2013 nominiert.

Cornelia Travnicek studierte Sinologie in Wien und schreibt
u. a. Gedichte und Kurzgeschichten. Ihr Romandebüt „Chucks“ wurde in der Presse begeistert aufgenommen und in diesem Jahr mit dem Kranichsteiner Jugendliteratur Stipendium ausgezeichnet. Cornelia Travnicek wurde 1987 in St. Pölten geboren.


Adoleszenz Vortrag von Dr. Ines Galling

Programm

Übrigens: Am 20. Oktober 2013 findet von 19 bis 20 Uhr ein Meet n‘ Tweet mit Cornelia Tranvicek statt.