Ehrenmitgliedschaft der japanischen Kaiserin Michiko

Anlässlich der Ehrenmitgliedschaft der japanischen Kaiserin Michiko in der Stiftung Internationale Jugendbibliothek fand am Mittwoch, den 10. April 2019 in der japanischen Botschaft in Berlin die feierliche Übergabe der Urkunde statt. Stellvertretend für die Kaiserin nahm der japanische Botschafter Takeshi Yagi die Urkunde entgegen. Neben Erich Kästner und Astrid Lindgren ist Kaiserin Michiko das dritte Ehrenmitglied der Bibliothek.

Urkundenübergabe in der japanischen Botschaft in Berlin

Zur Feierstunde fanden sich neben der Bundesfamilienministerin Dr. Franziska Giffey auch namhafte Repräsentanten der Berliner Buch- und Bibliotheksszene sowie Vertreter aus Politik und Gesellschaft ein.

Vorgeschichte:
Schon seit über dreißig Jahren ist Kaiserin Michiko der internationalen Kinder- und Jugendliteratur sehr verbunden. Anfang der 1990er Jahre übertrug sie 80 Gedichte des bekannten japanischen Kinderlyrikers Michio Mado ins Englische und machte ihn damit einer breiten internationalen Öffentlichkeit bekannt. Sie verfasste eigene Geschichten für Kinder und besuchte auf Auslandsreisen wann immer möglich Kinder- und Jugendbuchbibliotheken, darunter auch die Internationale Jugendbibliothek in München im Jahr 1993. Mit Jella Lepman, der Gründerin der Internationalen Jugendbibliothek, teilt Kaiserin Michiko die Überzeugung, dass Kinderbücher einen wertvollen Beitrag für gegenseitiges Verständnis zwischen Menschen und Kulturen leisten.

Im Frühjahr 2018 gewährte Kaiserin Michiko der Direktorin der Internationalen Jugendbibliothek, Dr. Christiane Raabe, eine persönliche Audienz im Kaiserpalast. Tief beeindruckt von der aufrichtigen Verbundenheit der Kaiserin mit der internationalen Kinder- und Jugendliteratur und ihrer spürbaren Nähe zu den Ideen Jella Lepmans, ersuchte Dr. Raabe im Namen der Stiftung Internationale Jugendbibliothek die Kaiserin, Ehrenmitglied zu werden. Wie das kaiserliche Hofamt ein seiner Pressemitteilung vom 1. Februar 2019 mitteilte, nahm die Kaiserin die Einladung gerne an.

Zur Urkunde:
Wir haben die Illustratorin Binette Schroeder, eine langjährige Freundin unseres Hauses, gebeten, die Ehrenurkunde zu gestalten. Sie entschied sich für eine ungewöhnliche Form: Durch zarte Farben und das Schlossmotiv mutet die Urkunde wie ein Kunstwerk an. Die Wahl auf Binette Schroeder fiel nicht zufällig: Sie war 1993 dabei, als Kaiserin Michiko die Internationale Jugendbibliothek besuchte. Aus der damaligen Begegnung entwickelte sich eine freundschaftliche Verbundenheit beider Persönlichkeiten. Wir hoffen, dass die Kaiserin mit dem Original von Binette Schroeder nicht nur an der Ehrenmitgliedschaft ihre Freude hat, sondern auch an der persönlichen Handschrift, die die Urkunde trägt.

Urkunde über die Ehrenmitgliedschaft für Kaiserin Michiko

 

 

 

 

 

 

Wir freuen uns außerordentlich über die Mitgliedschaft von Kaiserin Michiko.

 

 

Zusammenarbeit mit der LMU

Das Zentrum für Buchwissenschaft, Ludwig Maximilians Universität München, arbeitet an einer verstärkten Präsenz des Spezialmarkts Kinder und Jugendbuch in der Forschung und Lehre sowie an einer Institutionalisierung der Zusammenarbeit mit der Internationalen Jugendbibliothek.

Diese Vortragsreihe gilt als eine Auftaktveranstaltung. Eingeladen sind einerseits namhafte Verleger von Kinder und Jugendbüchern, u.a. Hanser, S. Fischer und Mixtvision mit einem facettenreichen Programm, andererseits kleine Kinderbuchverlage, die mit einem eher unkonventionellen, ja „widerborstigen” Titeln sich einen Namen gemacht haben. Die Vortragsreihe bietet Einblicke in das Geschäft mit Kinder-und Jugendbüchern, in die Programmgestaltung eines Kinder- und Jugendbuchverlags; diese Vorträge werden flankiert von einer Einführung in die Jugendbuchforschung, in die Bestände und Nachlässe der Internationalen Jugendbibliothek, darüber hinaus wird eine Münchner Illustratorin zu Wort kommen, die die Frage nach speziellen Bildlektoraten im Bereich des Bilderbuchs /des illustrierten Buches aufwirft.

Terminübersicht der Vortragsreihe

Lernen Sie die Bibliothek (neu) kennen!

VERANSTALTUNGSTIPP
Was macht eigentlich die Stiftung Internationale Jugendbibliothek?


Führung für Erwachsene und Märchenlesung für Kinder

am Donnerstag, dem 28. März 2019, 16 Uhr
Internationale Jugendbibliothek / Schloss Blutenburg

Wussten Sie, dass die Stiftung Internationale Jugendbibliothek viel mehr ist als eine Ausleihbibliothek für Kinder? Dass die Internationale Jugendbibliothek weltweit die größte ihrer Art ist? Und dass sie sich seit ihrer Gründung vor fast 70 Jahren für Frieden und interkulturelles Zusammenleben engagiert?

Wer alles über die Stiftung Internationale Jugendbibliothek und ihre vielfältige Arbeit erfahren möchte, ist herzlich eingeladen, am Donnerstag, dem 28. März um 16 Uhr zu einer kostenlosen Führung durch Schloss Blutenburg, dem Sitz der Internationalen Jugendbibliothek.

Kinder können währenddessen an einer Lesung zum Thema „Märchen mal anders“ teilnehmen, in der sie passend zu unserer Jahresausstellung lustige Märchenumwandlungen entdecken werden.

Die Veranstaltung findet im Rahmen des MünchnerStiftungFrühlings statt.
Der Eintritt ist frei.
Anmeldung per E-Mail: programm@ijb.de oder Tel. 089 89 1211-49

Download Pressemeldung

Zwischen Tradition und Experiment: Böckchen, Buchmarkt und Bananen

Reisen ins fette B sind für (zugereiste) Münchnerinnen immer ein Abenteuer – und das ganz besonders, wenn dort ein illustres Trüppchen Norwegerinnen und Norweger auf einen wartet: In Zusammenarbeit mit dem Norwegischen Kinderbuchinstitut, der Kgl. Norwegischen Botschaft und NORLA luden wir anlässlich des norwegischen Gastlandauftritts auf der Frankfurter Buchmesse zum Startschussevent ins Felleshus der Nordischen Botschaften in Berlin ein. Zunächst stand ein ebenso unterhaltsames wie informatives Gespräch der beiden Bildkünstler Stian Hole (u.a. „Garmans Sommer“) und Gry Moursund („Die Böckchen-Bande“) auf dem Plan.

Hier konnte das Publikum u.a. erfahren, dass hinter allen Büchern Stians die Haltung „die Kinder ernst zu nehmen“ steht und warum Gry so gerne Collagen macht: Wenn man zum 198. Mal einen falschen Strich gesetzt hat, ist es doch einfacher, das misslungene Teil auszuschneiden statt immer wieder von vorne anzufangen… Da ist was dran, würde ich sagen!

Nach den beiden Illustratoren gings dann um den norwegischen Buchmarkt, um die sehr besondere Literaturförderung und um Trends und Tendenzen in der aktuellen norwegischen Kinder- und Jugendliteratur: Alles Tod, Siechtum und Traurigkeit? Mitnichten! Es gibt auch viel Humor, Nonsens und Schabernack.

Bei Wein und Lachs (selbstredend) klang der Abend aus – und das illustre Trüppchen flog wieder in den hohen Norden zurück, zumindest bis zum nächsten Mal! Vi sees!

Ines Galling

Ach ja, Bananen spielten keine Rolle. Kommen aber gut in der Überschrift 😉

 

Disappeared books of Socialist Yugoslavia

Report on the rare findings
by Dr. Lilijana Burcar, guest researcher at the International Youth Library
in summer 2018

The central part of my research, which I conducted at the IYL between 1st July and 30th September 2018, focused on poverty in children’s literature and the differences in approaches to this issue between realistic fiction of the former Socialist Federal Republic of Yugoslavia and mainstream Anglo-Saxon children’s literature. I consulted more than 600 books and the findings were not surprising. Unlike their Western counterparts, Yugoslav authors in their socially engaged realist fiction paid special attention to systemic investigation of the root causes of poverty, drawing attention to the structural inequalities and the need for their systemic overcoming. But my research into socially engaged children’s literature of the Yugoslav authors also yielded another, a very worrisome and shocking result. Upon my scouring of the IYL archive, it quickly became apparent that the majority of the holdings the IYL has of Yugoslav children’s literature produced between 1945 and 1989 in general – that is, regardless of the topic it deals with – can be today already classified as precious rarities despite the fact that only twenty-five years have elapsed since the dismantling of the socialist Yugoslavia. This is due to the historical revisionism and deliberate, ideologically-driven retrospective distortion of socialist reality which followed in the wake of the destruction of Yugoslavia after 1991. Historical revisionism is one of the ideological axes of the newly created mini capitalist states in the Balkans. It has rested on an implicit or explicit smear campaign against the achievements of socialism, thus also providing a platform for the justification of the nationalistic enclavisation of the Balkans after 1991. To justify the imposition of the new capitalist order, which is based on the combined promotion of capitalist social relations and nationalism, everything associated with socialism, including children’s literature, has been removed from public libraries (and archives). This happened either en masse overnight, or in some other cases gradually over two decades under the flimsy pretext that libraries are bursting at seams and are supposedly no longer able to accommodate older books for children and young adults while taking on new ones although their production after 1991 has been meagre.

My research shows that the unexpected rarities that IYL holds with regard to the Yugoslav literature produced between 1945 and 1990 can be divided into several categories and subcategories. The main category, however, includes those children’s books that deal directly with the issue of poverty, with the hard working and living conditions facing the majority of people in capitalism be it an industrial or agricultural sector, and with the issue of socialist revolution that turned this reality upside down. These two major strands of children’s literary production were the first types of books that disappeared from public libraries and their archives overnight. This list of disappeared books is headed by a specific subgenre, which includes those children’s books that deal specifically with the partisan movement and the collective effort to bring about the socialist revolution in an organized fight for a better future. In this respect, Yugoslavia amongst others produced a special series of picture books in which the focus is placed on the most important historical battles between the Yugoslav partisans and the Nazi occupational imperialist army that took place between 1941 and 1945. These were the key battles that went down into the annals of WWII history as decisive battles that took place in the Balkans and had wider implications for the way the events turned out at the end of WWII, of course in favour of the Western allies who therefore eventually started supporting the partisan movement. The IYL has a complete first part of this series, which includes four different titles (Užička republika, Igmanski marš, Bitka za ranjenike and Desant na Drvar). In the republics of former Yugoslavia, these are today indeed a rarity to behold. If you go in search of the entire series, this is a mission condemned to failure. If you go in search of individual titles in the series, it is like going in search for a needle in a haystack, the haystack being all of the former republics of Yugoslavia. For example, Desant na Drvar (The Desant on Drvar) is a picture book with accompanying text that documents the Nazi SS parachuters’ attack against the partisan main military headquarters and its leader Tito. The headquarters was stationed in Drvar at the time of one of the last major offensives in the first half of 1944 in this part of the Balkans. With 15.000 copies printed in Sarajevo in 1974 alone, not a single copy from this batch is today held by any of more than 900 public libraries in Slovenia according to the online Cobiss catalogue that covers public libraries in the entire region. In Serbia, only two copies remain and are both held by the National library, in Macedonia there is one copy that can be viewed only on the premises of the National library’s reading room and the same goes for Bosnia and Hercegovina and Montenegro with only one copy still available for viewing on each of the two libraries’ premises. That makes altogether only 5 copies of the 1974 edition, which carried 15.000 copies, still around in five out of six former republics of Yugoslavia. This makes one housed by the IYL in Munich indeed a rarity.

The above is just one of many, that is, hundreds and hundreds of examples. The era of socialist Yugoslavia was the most prolific period in the history of quality children’s literature production in this part of the world. Its authors, illustrators and publishing houses such as Mladinska knjiga and Školska knjiga enjoyed a world-wide reputation with their works fetching many major international prizes at fairs such as those in Frankfurt and Bologna to say the least about TV series they gave rise to and which also fetched major prizes at film festivals across the globe. Yet all in all, children’s (and YAL) books of all kinds, be it picture books, short stories, school primers and novels associated with the socialist period and on topics of all kinds are being systematically made to disappear. They are being eliminated from public libraries’ holdings, with only a few boutique copies still randomly in place and mostly off limit to the general public. It is therefore imperative for IYL to declare its collection of socialist Yugoslav literature a special collection and to digitalise its holdings on the socialist Yugoslav literature, for at least two thirds of which I managed to establish are rarities. By putting these books online, the IYL would not only give them a new lease of life thus ensuring the continuity of their existence but also possibly put them back into circulation among young readers, their parents, and the rest of the adults and scholars. All of us would most certainly benefit from its comeback in these much troubled and difficult times, no matter how numerically modest the IYL collection might be in its actual size.

PM: White Ravens 2018

Der neue White Ravens Katalog ist da!

Jedes Jahr zur Frankfurter Buchmesse veröffentlicht die Internationale Jugendbibliothek den englischsprachigen Empfehlungskatalog „The White Ravens“ mit ausgewählten Neuerscheinungen der internationalen Kinder- und Jugendliteratur.

Die 200 Titel aus 59 Ländern in 38 Sprachen sind wegen ihrer literarischen und bildgestalterischen Qualität und/oder ihres Themas für (junge) Leser, so wie für ein internationales Fachpublikum interessant. Die Daten sind auch online abrufbar:

Druck_WR-Cover_2018.inddDer gedruckte Katalog kann ab sofort unter info@ijb.de bestellt werden.
Preis: 8 Euro zzgl. Porto.

Im Rahmen der Frankfurter Buchmesse werden ausgewählte Titel aus dem aktuellen Katalog live vorgestellt.
Termin: Donnerstag, 11. Oktober 2018, 12 – 13 Uhr
Ort: Kids Stage / Foyer 5.1 / 6.1

Messebesucher können sich ein Gratisexemplar des Katalogs an unserem Stand in Halle 3.0 K 118 abholen.

Download Pressemeldung

Noch krabbelt, summt und brummt es

Ein Überblick zum Workshopprogramm der Jahresausstellung 2018

So vielfältig wie die Welt der Insekten und Spinnentiere, so vielfältig ist auch das Workshop-Programm, das unser Literaturvermittlungsteam zu der Jahresausstellung „Summende Staatenbauer, pikende Plagegeister. Insekten und Spinnentiere in der Kinder- und Jugendliteratur“ anbietet. Ich, Volontärin in der Programmabteilung, hatte das Vergnügen, alle Workshops zu besuchen, um sie in diesem Blogartikel vorzustellen. Die Ausstellung läuft noch bis Ende Oktober – Sie haben also noch Zeit, Ihre Klasse für einen der kreativen Workshops anzumelden!

Den Anfang machte der Workshop „Gestaltenwandler, Hausbesetzer, Düsenflieger“ mit der Museumspädagogin Anita Heft und einer dritten Klasse. Die Kinder setzten sich rund um einen gelben Kreis und verwandelten sich in Blütenblätter, die sich je nach Lichteinfall öffneten oder schlossen. Nach diesem Einstieg beDSC_0012gaben sie sich auf eine Fantasiereise: Sie wurden immer kleiner, winzig klein, so klein wie Insekten. In ihrer Winzigkeit begegneten sie allerhand Insekten. Jenes, welches ihnen am besten gefiel, sollten sie gut im Gedächtnis behalten. Wieder in ihrer normalen Gestalt, durften sie dieses Insekt festhalten. Wer noch Zeit und Lust hatte, versetzte sich in das kleine Tierchen und schrieb einen Brief an die Menschen – angeregt durch das Bilderbuch „Briefe von Insekten” von Olga Kuvikina. Den Abschluss bildete der Besuch der Ausstellung, wo die Kinder vielen ihrer Insektenfreunden wiederbegegneten. Weiterlesen