Ein Buch mit Geschichte, Ausgabe II

Bücherschätze vom Bücher-Zaren

Laut eines russischen Bibliotheksreports von 1910 rangierte auf Platz 1 der beliebtesten russischen Kinderbuchautoren eine gewisse Lydia Tscharskaja – eine nach 1917 verbotene und heute vergessene Vielschreiberin, aus deren Feder Geflossenes stets zum Megaseller wurde. Auf Platz zwei lag der französische Autor Jules Verne.
Und so war es ein großes Glück, dass die Internationale Jugendbibliothek drei Tscharkaja- und Verne-Ausgaben genau aus dieser Zeit, nämlich zwischen 1898 und 1909, als Schenkung angeboten bekam. Weiterlesen

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Ein Buch mit Geschichte, Ausgabe I

Was verbindet die Internationale Jugendbibliothek eigentlich mit dem berühmten Archäologen Heinrich Schliemann und dessen Suche nach dem antiken Troja? Ganz einfach: Ein Buch! Nämlich die „Weltgeschichte für Kinder“ von Johann Heinrich Meynier (erschienen unter dem Pseudonym Georg Ludwig Jerrer), deren 4. Auflage von 1828 in den historischen Sammlungen der IJB zu entdecken ist.

Ein Exemplar dieser Ausgabe erhielt Heinrich Schliemann als Kind von seinem Vater als Weihnachtsgeschenk. Darin betrachtete er nach eigener Aussage fasziniert den Kupferstich „Troja‘s Zerstörung“ mit dem „fliehenden Aineias, der den Vater Anchises auf dem Rücken trägt und den kleinen Askanios an der Hand führt“. In seinen späteren Selbstdarstellungen stilisierte Schliemann dieses Lektüreerlebnis als Schlüsselimpuls für seine Idee, das Troja auszugraben, das Homer in seiner „Ilias“ beschrieben hatte.

Unser Exemplar der „Weltgeschichte für Kinder“ stammt aus der Privatsammlung von Horst Mischke, einer Sammlung internationaler illustrierter Kinder- und Jugendbücher des 18. bis frühen 20. Jahrhunderts, die 1998 an die Internationale Jugendbibliothek ging. Auf die besondere Geschichte des Buches sind wir aufmerksam geworden durch eine Leihanfrage des LWL-Museums für Archäologie. Das Museum plant für 2018/2019 in Herne und Hildesheim eine Sonderausstellung zum Thema „Irrtümer & Fälschungen der Archäologie“. Dort wird das Buch als Exponat in einem Themenraum über Heinrich Schliemann zu sehen sein. (jr)

Meynier, Johann Heinrich
Die Weltgeschichte für Kinder/1
Jahr: 1828
Bandbezeichng: 1
Ausgabebez.: Vierte vermehrte und verbesserte Auflage. Mit vielen Kupfern
Umfangsangabe: XVI, 552 S. : Ill.
Signaturen: H/M 163900

12 Kupferstiche incl. „Troja’s Zerstörung“

 

Buchpaten gesucht und gefunden!

DSC_0030Am Donnerstag, den 3. Juli 2014, lud die Internationale Jugendbibliothek gemeinsam mit dem Verein Freunde und Förderer der Internationalen Jugendbibliothek zu einem bibliophilen Abend ein, um Buchpaten für restaurierbedürftige Bücher aus den historischen Beständen der Internationalen Jugendbibliothek zu gewinnen.

buchvereinAls Paten fanden sich großzügige Spender ein, denen unser ganz herzlicher Dank gilt! Die Bürgervereinigung Obermenzing hilft mit einem Betrag von 2.000 Euro, der Verein Freunde und Förderer der Internationalen Jugendbibliothek mit etwa 1.000 Euro, wertvolle Bücher restaurieren zu lassen.
Sieben weitere Bücher wurden von privaten Paten und Patinnen „adoptiert“!

WunderhausAls Paten“kinder“ wurden unter anderen folgende außergewöhnliche Bücher ausgewählt: „Das Wunderhaus“ von Tom Seidmann-Freud, ein Spiel- und Verwandlungsbilderbuch aus dem Jahr 1931, das im Sinne der Reformpädagogik spielerisch Lernen vermitteln sollte. Bemerkenswert sind die aufs Wesentliche reduzierten Formen im Stil der neuen Sachlichkeit; Musäus’ „Märchen vom Rübezahl“ in einer Bearbeitung „für die Jugend“ von Christian Morgenstern mit Illustrationen von Max Slevogt, erschienen beim Verlag Cassirer in Berlin um 1909; „Der Giftpilz“, ein Klassiker der antisemitischen Indoktrination von Ernst Hiemer aus dem Jahr 1938  mit dem Untertitel „ein Stürmerbuch für Jung und Alt“ oder ein französisches Buch aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, „Les Jeunes Enfants“ von Pierre Blanchard.

Der Freundeskreis der IJB wählte ein Theaterbuch, „Lebendige Bilder“ vom Esslinger Verlag Schreiber, bei dem die technisch kunstvollen Papiertheaterbühnen aufwändig und umfangreich restauriert und rekonstruiert werden müssen.

Wir freuen uns, dass wir die Bücher dank der großzügigen Spenden restaurieren lassen und wieder der Kinder- und Jugendliteraturforschung zur Verfügung stellen können.

Jutta Reusch
Leiterin der bibliothekarischen Dienste