„Die Kinderbuchbrücke“ Podiumsgespräch zum 50. Todestag von Jella Lepman

„Man liest die Erinnerungen fast wie einen Abenteuerroman.“ Mit diesen Worten eröffnete Christiane Raabe am gestrigen Abend die Podiumsdiskussion anlässlich des 50. Todestages von Jella Lepman und der Neuausgabe ihres Buches „Die Kinderbuchbrücke“.
Auf dem Podium zu erleben waren die Direktorin des NS-Dokumentationszentrums München, Prof. Dr. Mirjam Zadoff, sowie Dr. Andreas Heusler, Zeithistoriker am Stadtarchiv München zusammen im Gespräch mit Frau Dr. Christiane Raabe der Direktorin der Internationalen Jugendbibliothek.

Deutschland 1945, zerstört vom Krieg. Wie muss man sich den Ort und die Zeit vorstellen, in die Jella Lepman aus dem Exil zurückkehrte um das scheinbar unmögliche zu schaffen; zunächst eine internationale Jugendbuchausstellung zu organisieren, aus der wenige Jahre später die Internationale Jugendbibliothek wurde.

Das Gespräch, moderiert von Niels Beintker vom Bayerischer Rundfunk, zeichnete für das Publikum ein Bild von Jella Lepman, das über ihre autobiografischen Erzählungen in der Kinderbuchbrücke, hinaus ging. Lepman, so Raabe, kam nicht einfach so nach Deutschland zurück und wäre wohl, ohne den Auftrag der amerikanischen Besatzer, auch im Exil geblieben. Sie nahm hier in Deutschland auch nicht, wie es vielleicht hätte erwarten werden können, wieder ihre deutsche Identität an, auch nicht die einer Jüdin, nein, sie wurde zu einer Weltbürgerin.

Anders als andere Exilanten, die nach Deutschland zurückkehrten, war Lepmans Blick hauptsächlich geprägt von einer Vision des Neuanfangs mit der schuldlosen Generation – den Kindern. Diesen Wunsch folgte sie, „ohne auch nur ein Wort zu verlieren, über ihre eigene Enttäuschung, ihren eigenen Schmerz, den sie mit Sicherheit erlebt hat.“ sagt Mirjam Zadoff.

Das gesamte Podiumsgespräch, welches begleitet wurde durch Auszüge aus „Der Kinderbuchbrücke“ gelesen von Julia Cortis, ebenfalls vom BR, ist als Mitschnitt auf Youtube abrufbar.

Die IJB dankt allen Gästen die diesen Abend vor Ort, oder live im Stream verfolgt haben, ebenso wie den Teilnehmern des Gesprächs.


Die Neuausgabe von Jella Lepmans „Die Kinderbuchbrücke“, mit zahlreichen, bisher teilweise unveröfftlichen Bildern, erschienen im Antje Kunstmann Verlag, ist für 25€ im Handel erhältlich.

Hinweis:
Am 4. und 5. November findet in der Internationalen Jugendbibliothek ein Mehrgenerationen-Schreibworkshop zu Jella Lepman statt. Mehr Informationen gibt es hier.

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