„Es ist nicht übertrieben, dass Sie gerade einen sehr glücklichen Menschen vor sich sehen“

Der Autor Andreas Steinhöfel erhält den James Krüss Preis 2017

Andreas Steinhöfel erhielt am 29. Juni 2017 in der Internationalen Jugendbibliothek den James Krüss Preis für internationale Kinder- und Jugendliteratur 2017 – ein Rückblick auf die Festveranstaltung:

Um zu einer perfekten Preisverleihung zu gelangen, brauche man verschiedene Ingredienzien: den Preis selbst, einen Preisträger, ein Publikum und einen idealen Ort dafür – so hieß es in der Begrüßungsrede von Dr. Dominik von König, dem Vorsitzenden des Stiftungsrates der Internationalen Jugendbibliothek.

Dr. Dominik von König hält die Begrüßungsrede

Als sich am Abend des 29. Juni knapp 200 Interessierte im sogenannten „Bücherschloss“ versammelten, waren somit alle wichtigen Voraussetzungen erfüllt: Ein großes Publikum erwartete am Nachlassort von James Krüss Werk gespannt, wie dem beliebten Schriftsteller Andreas Steinhöfel der – nun bereits zum dritten Mal vergebene – James Krüss Preis verliehen wird.

Die James Krüss Erbengemeinschaft hatte diese Ehrung 2013 ins Leben gerufen, um damit alle zwei Jahre einen lebenden Kinder- und Jugendbuchautor auszuzeichnen, der mit seinem Schaffen an das Werk des Namensgebers dieses Preises anknüpft.
Dass Andreas Steinhöfel, dieser „Zauberer der Wörter“, damit der ideale Kandidat ist, darin war sich die Jury einig. Dr. Christiane Raabe (Internationale Jugendbibliothek), Prof. Dr. Emer O’Sullivan (Leuphana Universität Lüneburg), Robert Elstner (Leipziger Städtische Bibliotheken), Ralf Schweikart (freier Literaturkritiker und Rezensent) und Tilman Spreckelsen (FAZ) erkannten eindeutige Parallelen zwischen den beiden Autoren: Steinhöfels Texte seien von „staunenswerter Leichtigkeit, Originalität und Intensität“, die Protagonisten starke, freie und selbstbewusste Wesen, unverdorben und unangepasst, die Sprachskepsis und obendrein der Witz und Charme von seinem Werk erinnerten eindeutig an die Krüss’schen Sprachspielereien und brillanten Fabulierkünste. Nicht zuletzt begründete die Jury ihre Entscheidung mit der Weltoffenheit und Toleranz, die in beide Werke eingeschrieben sind, und Dr. Christiane Raabe freute sich, so das Erbe James Krüss‘ „in zeitgemäßer Form weitergeführt“ zu sehen.

Der Preisträger Andreas Steinhöfel

Dass die Freude ganz auf Seiten Andreas Steinhöfels war, merkte man spätestens an seiner persönlichen Dankesrede, in der er seine eigene Lesebiographie schilderte. Seine Begeisterung über die Zuerkennung dieser Auszeichnung konnte er nicht leugnen – und schloss somit seine Rede mit den Worten, der James Krüss Preis mache ihn zu einem sogar „sehr glücklichen Menschen“.

Prof. Dr. Rainer Moritz hält die Laudatio

Während sich der Preisträger allerdings noch zweifelnd fragte, was ihn denn eigentlich so „preiswert“ mache, zeigte sich Prof. Dr. Rainer Moritz, Leiter des Literaturhauses Hamburg und Laudator des Abends, überzeugt von der Juryentscheidung. Er lobte neben dem in Steinhöfels Geschichten grandios inszenierten Klamauk auch dessen wohlüberlegte Romaneinstiege (man möchte dabei nur an Rico, Oskar und die Tieferschatten denken, wo das Geschehen eröffnet wird mit den Worten: „Die Nudel lag auf dem Gehsteig. Sie war dick und geriffelt, mit einem Loch drin von vorn bis hinten. […]“) und honorierte die außerordentliche Leistung, Kinder, Jugendliche und Erwachsene in gleichem Maße anzusprechen. Nur Kirsten Rickmers-Liebau von der James Krüss Erbengemeinschaft brachte ihre Überzeugung noch treffender auf den Punkt – mit Blick auf Andreas Steinhöfel sowie den bereits im Jahr 2009 an ihn verliehenen Erich Kästner Preis und den nun erhaltenen James Krüss Preis reimte sie passend: „Was für ein irres, hochbegabtes Dreigespann – Mann, Mann, Mann!“

Das Horn-Trio „Lippentriller“

Nach einem derart anregenden, humorigen Abend, der musikalisch begleitet wurde von einem jungen Hornisten-Trio und in ein geselliges Beisammensein überging, wünscht man sich, es möge noch viele weitere Bücher von Andreas Steinhöfel geben, mit denen er uns bereichert, und es mögen noch viele solcher Festveranstaltungen ihm zu Ehren stattfinden. Aus diesem Grund hofft man ebenso wie Dr. Christiane Raabe, der Autor fasse diesen Preis bewusst nicht als Preis für sein Lebens- oder Gesamtwerk auf, sondern verstünde die implizite Aufforderung, weiterzuschreiben für uns!

 

(AZ)

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