Bibliotheken sind nicht für Bücher, sondern für Menschen da!

Zur Tagung „Public! – Die Stadt und ihre Bibliotheken“ 23. – 24. Februar 2017 in der Münchner Stadtbibliothek Am Gasteig:
Wie sieht in Zeiten des Medienwandels, in denen das Buch an Bedeutung verliert, die Zukunft der Bibliotheken aus? Inwiefern unterliegen Bibliotheken einem Wandel, dem sie sich stellen müssen, um in der Gesellschaft weiterhin einen hohen Stellenwert zu behalten? Wie müssen Bibliotheksgebäude konzipiert werden, um diese Veränderungen auch architektonisch mitzugehen?  Diese und andere Fragen beschäftigten die Teilnehmer des interdisziplinären Symposiums.img_0613
Es wäre zu umfassend, alle Vorträge und Diskussionen der Tagung zusammenzufassen, daher möchte ich einige der Punkte, die ich persönlich besonders inspirierend fand, in subjektiven Thesen festhalten:
Die Bibliothek wird in Zukunft noch eine größere Bedeutung als ein sozialer Raum haben, in dem Menschen unter Menschen sein können, auch als Flucht vor der Isolation in einer digitalisierten Welt.
Der Wandel des Bibliotheksnutzers als aktiver Mitgestalter, der an Entscheidungen und Prozessen partizipieren kann, ist wichtig und zukunftsweisend.  Die Bibliothek gehört den Nutzern und den Bürgern, und dieses Bewusstsein sollte durch Beteiligung und Partizipationsprozesse gestärkt werden; auch und gerade mit Kindern und Jugendlichen.
Die Bibliothek kann zudem in einer mehr und mehr durchgetakteten Kindheit wichtigen Freiraum bereithalten. Hier kannst du dich stundenlang aufhalten, du kannst lesen, surfen, spielen einfach nur chillen oder an Programmen teilnehmen – mach, was dir Spaß macht!
Die Räume der Bibliothek sollten für die (neuen) Bedürfnisse der Nutzer flexibler gestaltet werden – beispielsweise durch mehr Computerplätze, durch „maker-spaces“,  in denen Projektgruppen zusammen kreativ sein können, oder halböffentliche Räume, die zur freien Gestaltung zur Verfügung stehen – die Bibliothek darf auch ein Ort der Möglichkeiten sein.
Die Bibliothek kann in Zeiten von Fake News für die Faktenorientierung und als Basisinstitution der Demokratie, an dem politische Streitkultur gepflegt wird, an Bedeutung gewinnen.
Die ganze Debatte wurde übrigens digital und analog geführt: Nicht nur mit der Blogparade, auch mit der regen Beteiligung auf Twitter unter #public17 beteiligten sich viele Interessierte an der Diskussion – auch außerhalb der direkten Tagungsteilnehmer-Runde. Die Bibliotheken stehen dem Wandel also durchaus offen gegenüber.
Neben all den universellen Anregungen sollte folgende Feststellung besonders beachtet werden: Jede Bibliothek ist anders, so wie der Raum, die konkreten Nutzer und die Gesellschaft an dem jeweiligen Ort anders sind – daher gibt es nicht „die eine Lösung“ für eine zukunftsorientierte Entwicklung. Das ist auch im Hinblick auf unsere Bibliothek offensichtlich – aufgrund ihrer internationalen Ausrichtung auf Kinder- und Jugendliteratur und ihres speziellen (denkmalsgeschützen) Ortes Schloss Blutenburg. Dennoch waren viele der genannten Punkte der Tagung wichtige und spannende Anregungen, auch für unsere Arbeit und die Zukunft der Internationalen Jugendbibliothek. Denn Bibliotheken sind nicht vorwiegend für Bücher, sondern für Menschen da – und so wie sich Menschen ändern, muss auch die Bibliothek einem stetigem Wandel unterstellt sein.
Zum Schluss ein Dank an die Münchner Stadtbibliothek für diese gewinnbringende Tagung.

Über Zukunftsgestaltung und das Thema „Die Zukunft geht uns alle an!“ geht es auch in der Blogparade  des Pilotprojektes „platform“. Dieser Blogbeitrag ist auch ein Teil der Blogparade #visionengestalten. 2017-02-27-photo-00000205

T. Leuthe (Programmarbeit)

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2 Gedanken zu „Bibliotheken sind nicht für Bücher, sondern für Menschen da!

  1. Pingback: PLATFORM → Die Zukunft geht uns alle an – Einladung zur Blogparade

  2. Pingback: PLATFORM → VISIONEN UND ZUKUNFT GESTALTEN - in der digitalen Welt

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