Texte mit Wow-Effekt

Acht junge Autorinnen präsentierten ihre Geschichten in der IJB

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Bereits zum dritten Mal zeigten junge Autorinnen aus der Werkstatt für junge Autorinnen und Autoren, auf welch beeindruckende Art und Weise sich ihre Schreibprojekte im Austausch mit Gleichgesinnten und unter professioneller Anleitung der Lektorin, Übersetzerin und Schreibpädagogin Beate Schäfer entwickeln können. Mit der vom Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst geförderten Werkstatt bietet die Internationale Jugendbibliothek seit nunmehr fünf Jahren schreibbegeisterten Jugendlichen und jungen Erwachsenen von 15 bis 20 Jahren die Möglichkeit, an eigenen Geschichten zu feilen und das eigene schriftstellerische Potential weiterzuentwickeln. Zum Abschluss ihrer Werkstatt präsentierten Marianne, Alina, Christina, Jerusha, Carolin, Clara, Lara und Leonie die Früchte ihrer Arbeit live auf der IJB-Bühne.

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Eines wurde bereits zu Beginn der Präsentation deutlich: Im Rahmen der Werkstatt beeinflussten die Preisgabe der eigenen Texte und das gegenseitige Feedback nicht nur die schriftstellerische Arbeit der Autorinnen, sondern ließen auch besondere Freundschaften entstehen. Dies war vor allem während der Vorstellungsrunde der Autorinnen zu spüren, bei der sich die Autorinnen gegenseitig in originellen Charakterporträts dem Publikum präsentierten. Ob Fantasyfigur, Elfe, wildes Wesen oder unverkäufliches Sammlerstück – bei so viel Originalität alleine in der gegenseitigen Charakterisierung, war die Neugierde des Publikums auf die kommenden Texte im Nu geweckt.

dsc_0023Bei der Auswahl der Texte kam es der Werkstattleiterin Beate Schäfer sowohl auf die Wahrnehmbarkeit der jeweils charakteristischen Erzählstimme der Autorinnen, als auch auf eine Erkennbarkeit der Impulsgebungen aus der Werkstatt an. Geräusche, Objekten, Kunst, Literatur, Dialoge und Fotografien galten unter anderem als Vorlage für die vielseitigen Schreibübungen.

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So beschrieb beispielsweise Christina den Tagesrhythmus eines Wohnhauses, vom morgendlichen hastigen Hinunterrennen der Treppe bis zum abendlichen Fernsehzappen. Alina fing eine Bahnhofszene mit klingendem Wechselgeld am Fahrkartenautomat, raschelnden Zeitungen und dem Öffnen und Schließen der Zugtüren ein. Clara suchte sich aus einer Kiste mit Objekten ein Holzzebra aus und schrieb eine Geschichte über die Gedankenspiele eines Patienten, der im Wartezimmer ein Holzzebra entdeckt. Lara ließ sich von einem Werk der franko-amerikanischen Künstlerin dsc_0083Louis Bourgeois inspirieren und schrieb eine packende Geschichte über eine Frau mit multipler Persönlichkeitsstörung. Das „wilde Marianne“ entführte das Publikum in ihren Momentaufnahmen von Sommerfestivals auf eine poetisch-ekstatische Reise. Jerusha versuchte sich darin, schwer greifbare Gefühle zu beschreiben und orientierte sich dabei an Mario Giordanos „1000 Gefühle, für die es keinen Namen gibt“ (Berlin Verlag, 2013). Carolin griff die Unmöglichkeit der Kommunikation im Hinblick auf eine unerfüllte Liebe auf, während Leonie die Uneigentlichkeit eines Dialoges mit einem sterbenskranken Freund thematisierte.

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Alle Texte zeugten von einer scharfsinnigen Beobachtungsgabe und einer jeweils ganz individuellen Ästhetik der Beschreibungen. Geschichten mit Happy End und solche, deren offenes, zuweilen tragisches Ende nachhallt, sowie pointierte, nachdenkliche und feinsinnge Texte – die acht Autorinnen zeigten ein breites Spektrum ihres literarischen Könnens. Darüber hinaus regten die Texte eine künstlerische Beschäftigung mit ihnen an. Einige Geschichten wurden nämlich von Teilnehmerinnen des P-Seminars „Illustration“ des Theresia-Gerhadinger-Gymnasiums künstlerisch interpretiert und illustriert. Die Ergebnisse konnte das Publikum, neben Stellwänden mit Bildern und Texten zu den Autorinnen, in einer Werkschau begutachten. Auch bei den mehr als 120 Zuhörern im Publikum machten die ambitionierten Texte der acht jungen Autorinnen Eindruck und klangen an diesem Abend noch lange nach.
(KS)

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