Michael Ende Abend – neue Einsichten in Werk und Leben des Autors

Nicht nur Michael Endes erfundene Geschichten bieten stets neue Zugangsmöglichkeiten, sondern auch seine eigene Lebensgeschichte ist stets spannend und vielschichtig. Dies wurde an den Vorträgen von Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-Heino Ewers und Prof. Birgit Dankert am Michael Ende Abend in der Internationalen Jugendbibliothek deutlich.

Michael Ende Abend  (9.1)

Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-Heino Ewers

Neue Interpretations- und Lektürezugänge zu Michael Endes Momo und Die Unendliche Geschichte regte Prof. Ewers` in seinem Vortrag zu Michael Ende und der Romantik an. Ewers sieht in diesen Romanen eine Verbindung zur romantischen Romanpoetik bzw. Romanformen verwirklicht. In Momo sei vor allem anhand der Mischung von realistischen, allegorischen und mythischen Darstellungen eine Fortführung der romantischen Romanpoetik erkennbar, die erste Ausprägungen der modernen urban fantasy wiederspiegelt.

Auch Die Unendliche Geschichte steht laut Ewers in der Tradition der Romantik, da Endes Roman – ganz im Sinne von Schlegels Universalpoesie – eine Theorie des Romans beinhaltet und diese zugleich darstellt. Mit seinem Magnum Opus distanziere sich Ende jedoch auch von der Romantik. Im Roman werde durch die Erschaffung von Mythen eine Heilung der entzauberten, modernen Außenwelt angeregt, ohne – wie in der Romantik der Fall – eine Durchdringung der Außenwelt durch das Mythische zu erreichen. Hierbei beabsichtige Ende, Mythos und Moderne miteinander kompatibel zu machen und bekenne sich zur Moderne.

Michael Ende Abend  (22)

Prof. Birgit Dankert

Im zweiten Teil des Abends stellte Prof. Birgit Dankert ihre Biographie „Michael Ende. Gefangen in Phantásien“ (erschienen am 19. Januar bei Lambert Schneider) vor und sorgte für neue Einblicke in das facettenreiche und zuweilen schwierige Leben des Schriftstellers. Besonders interessante Einsichten in Michael Endes Lebensstationen erhielt sie von Freunden, Weggefährten und Zeitzeugen, wie Hans-Joachim Gelberg (Eskapismusstreit), Binette Schroeder (Genzano) und Joachim Lenz (Anthroposophie). Einige Erkenntnisse gewann sie aus den Dokumenten aus dem Michael Ende Museum und dem Teilnachlass der Internationalen Jugendbibliothek. Sie ist zudem auf besondere Schätze, wie eine Steuerklärung von 1988/89 und ein Geburtstagsbuch aus dem Jahr 1989, gestoßen. Besonders Letzteres erlaubte ihr durch die Beiträge von Verlegern, Schülern, Fernsehleuten, Freuden uvm. einen Blick in die unterschiedlichsten Lebensbereiche Endes und ist ein wichtiges Dokument der Persönlichkeit und der Freundschaften des Schriftstellers.

Beide Vorträge boten den Zuhörern somit viele Anregungen, um Michael Ende und sein Werk unter verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und neu zu entdecken.
(KS)

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