Trommelwirbel für faszinierende Verwirrspiele

Der Erich Kästner Preis für Literatur 2015 an Felicitas Hoppe

Eines ist bei der Verleihung des Erich Kästner Preises 2015 an Felicitas Hoppe ganz klar: Wenn in der Jurybegründung von Hoppes literarischer Selbstinszenierung, unbekümmerter Fabulierlust, und ihren ironischen Verwirrspielen die Rede ist, so hat sie den Preis an diesem Abend gleich doppelt verdient. Einerseits – das wurde in den Redebeiträgen mehrfach deutlich – aufgrund der Parallelen zwischen Hoppes und Erich Kästners Werk. Denn beide Schriftsteller machen keinen qualitativen Unterschied zwischen Kinder- und Erwachsenenliteratur, und setzen das Spiel mit der Selbstinszenierung und mit dem (Nicht-) Verstehen von Welt und Wirklichkeit anstelle von vorgefertigter Ideologie und Leserbevormundung.

Dr. Andreas Bode überreicht den Preis an Felicitas Hoppe

Dr. Andreas Bode überreicht den Preis an Felicitas Hoppe

Andererseits zeichnet sich Hoppe als würdige Preisträgerin aus, da sie in ihrer Dankesrede die Gelegenheit nutzt, das von der Jury gelobte ironische Verwirrspiel auf unterhaltsame Weise zum Besten zu geben. „Der Weg der Künste geht nicht treppauf. Ihre Geschichte hat mit dem Worte »Fortschritt« nichts zu schaffen“, philosophiert Hoppe über das Wesen des künstlerischen Schaffens. Wohl wahr, denkt sich da so mancher Zuschauer, und muss diese Hoppesche Wahrheit gleich im nächsten Moment wieder unter den Prüfstand stellen. Denn die Preisträgerin entlarvt ihre Einsicht als Zitat aus Kästners Dankrede zum Georg-Büchner-Preis. Doch hier endet das Maskenspiel nicht, das beiden Schriftstellern zu eigen ist. So berichtet Hoppe, dass die fiktive Romanfigur Pony Hütchen, Emils kesse Cousine aus Kästners Kinderbuchklassiker „Emil und die Detektive“, wie sie selbst, in der Berliner Schumannstraße, Nummer 15, gewohnt habe. Grund genug also, dass sich Hoppe, als sie einen Auszug aus „Emil und die Detektive“ zum Besten gibt, in Kästners Geschichte einschleust und kurzerhand mit Pony Hütchen Plätze tauscht. Warum eigentlich nicht? Denn Kästner und seine Texte sind lebendig. Vor allem in München , wo er lange Zeit, bis zu seinem Tod, lebte. Das wenige Meter vom Geschehen, dem Jella-Lepman-Saal der Internationalen Jugendbibliothek, entfernte Kästnerzimmer und das am gleichen Tag stattgefundene Forscherkolloquium Kästner 2.0 holen den Schriftsteller immer wieder in unsere Gegenwart.

Das Percussion Duo: Peter Fleckenstein & Quirin Reichl

Das Percussion Duo: Peter Fleckenstein & Quirin Reichl

Bevor das Schauspielerinnen Duo Katja Brenner und Sophie Englert in der abschließenden Lesung Auszüge aus Kästners und Hoppes Werk abwechselnd rezitierten und die Texte in ihren Gemeinsamkeiten und Unterschieden nebeneinander bzw. gegeneinander wirken ließen, trommelte das junge Percussion Duo den Abschluss der Verleihung ein. Ihre musikalischen Künste, die sie auf Trommeln, einem Xylophon, und abschließend sogar auf einem Karton unter Beweis stellten, bildeten schließlich eine perfekte Umrahmung für diesen festlichen Abend auf Schloss Blutenburg. (KS)

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