Braucht es das wirklich?

Podiumsdiskussion zum Jugendwort des Jahres 2014

Darf man mit Hilfe des Wörterbuchs „100% Jugendsprache“ von Langenscheidt, indem die Jugendsprache in allgemein verständliches Deutsch übersetzt wird, Goethes Gedicht „Natur und Kunst“ in Jugendsprache umdichten? Warum eigentlich nicht, aber braucht es das? Diese und noch viele weitere Fragen zur Wahl des Jugendwortes haben Experten aus verschiedenen Fachrichtungen in einer Podiumsdiskussion zu klären versucht. Diskussionsteilnehmer waren der Sprachwissenschaftler Dr. Nils Uwe Bahlo von der Universität Münster, der Sozialwissenschaftler mit Schwerpunkt Jugendforschung Dr. Wolfgang Gaiser, die deutsch-türkische Rapperin Ebow und der Marketingleiter des Langenscheid-Verlags Dirk Rühaak. Schlien Schürmann, Moderatorin bei der Jugendsendung PULS beim Bayrischen Rundfunk, war das Bindeglied zwischen den Jugendlichen im Publikum und den Erwachsenen auf der Bühne.

Jugendwort

Bei der Podiumsdiskussion wurde vor allem deutlich, dass es keine einheitliche Jugendsprache gibt, die als Geheimsprache Abgrenzung zu den Erwachsenen ermöglichen soll, sondern vielmehr viele verschiedene Jugendkulturen, die eigene Worte und Sprachwendungen entwickeln und benutzen, um sich generell abzugrenzen. Auch der oft befürchtete Sprachverfall durch die Ausdrücke aus der Jugendsprache scheint nicht einzutreten, da die Sprache immer in Bewegung ist und sich verändert. Daher kann die Jugendsprache eher als Motor für die natürliche Sprachentwicklung gesehen werden. Wörter wie „Hayvan“ oder „Selfie“, die nicht aus dem Deutschen stammen, zeigen, dass das Deutsche eine aktive, lebendige Sprachgemeinschaft darstellt und sich ständig weiterentwickelt und verändert.

Fazit der Diskussion: Das Jugendwort des Jahres lässt keine allgemeingültige Aussage über die Sprechwirklichkeit der Jugend zu und ist aus wissenschaftlicher Sicht eher fragwürdig, insbesondere im Hinblick auf das Auswahlverfahren. Aber die Wahl ist ein guter Ansatzpunkt, um mit Jugendlichen das Thema Sprache und Sprachentwicklung zu diskutieren. Es bleibt die Frage, ob man so ein Wörterbuch überhaupt braucht, denn so spricht ja keiner.

Aber warum nicht? Schließlich gibt es von Langenscheidt auch ein Latein-Wörterbuch – „so spricht ja auch keiner“!

Sophia Heissbauer
Volontärin in der Internationalen Jugendbibliothek

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