Mit einem georgischen Jugendroman Grenzen überwinden – Eine Projektbeteiligung

Ein internationales Bildungsprojekt, das mit Hilfe der neuesten Errungenschaften des mobilen Internets Grenzen überwindet? Das klingt spannend, fanden wir. Zumal wir in unserer Arbeit mit der Vielfalt internationaler Literatur seit jeher Grenzen überwinden und ganz gemäß unserer Gründungsgeschichte mit Büchern Brücken bauen (Jella Lepman: „Die Kinderbuchbrücke“). Also beschlossen wir, uns bei „Grenzgeschichten – Crossing Borders“ mit einem eigenen Literaturprojekt zu beteiligen.

Durchgeführt wurde das Projekt mit einer 10. Klasse des Wolfang-Borchert-Gymnasiums aus Langenzenn. Diese Klasse hatte sich als besonders geeignet herausgestellt, denn bereits vorab waren die Schüler über die Jugendliteratur („Ali und Nino“) in die Thematik eingetaucht. Auch die geographische Erarbeitung der Kaukasusregion hatte idealerweise bereits stattgefunden.

Wichtig war uns vor allem die persönliche Begegnung der Jugendlichen mit der georgischen Autorin Tamta Melaschwili, die bei uns zu Gast beim White Ravens Festival  war, und die intensive und kreative Auseinandersetzung mit der Literatur. Ihr preisgekrönter Roman „Abzählen“ bildete die Grundlage für das Projekt. Aus der Sicht zweier 13-jähriger Mädchen wirft die Autorin einen Blick auf den Kriegsalltag im Kaukasuskonflikt in einem kleinen Dorf jenseits der Front – irritierend, aufwühlend und zum Nachdenken anregend. In der Schreibwerkstatt unter der Leitung der Münchner Journalistin und Schriftstellerin Lena Gorelik fanden die Schüler durch das kreative Schreiben einen eigenen Zugang zum Romantext und zur Thematik. Die Klasse hatte bereits das Buch vorbereitet, so dass in der Schreibwerkstatt der Text als Ausgangspunkt genommen werden konnte. Durch einen experimentellen Umgang mit dem Textkorpus wurde sich dem besonderen Schreibstil der Autorin angenähert. Dann wählten die Schüler Orte, Motive oder Figuren aus dem Buch, um daraus eine eigene Geschichte zu entwickeln.

Lena Gorelik © Charlotte Troll

Lena Gorelik © Charlotte Troll

„Die Texte, die entstanden sind, waren so vielschichtig, überraschend in Ausgangsideen und Wendungen, unterschiedlich im Schreibstil, wie es das Buch von Tamta Melaschwili ist und anregt.“ (Lena Gorelik)

Zu den Texten wurde dann in Anleitung von Julia Demel (Mediencouch beim BR) ein passendes Bildmotiv zum Text gesucht und fotografiert, so dass die Geschichten für das Grenzgeschichtenportal aufbereitet werden konnten.

Bei der Begegnung der Klasse mit Tamta Melaschwili beim White Ravens Festival gab es außerdem für die Jugendlichen die Gelegenheit, Fragen zu ihrem Leben und ihrem Schreiben zu stellen. Unterstützt von Tamtas Übersetzerin Natia Mikeladse-Bachsoliani kam es zu einem interessanten Austausch zwischen der jungen Autorin und den Jugendlichen. Schließlich las Tamta sogar einige der entstandenen Texte auf Deutsch ein. Auch den Romantext einmal im Original auf Georgisch zu hören, war für die Jugendlichen ein besonders Erlebnis.

Auf dem Grenzgeschichtenportal wurden die Geschichten nun Teil eines crossmedialen Erzählkosmos, der mit einem Netz an Schauplätzen die verschiedensten Figuren und Geschichten rund um das Thema Grenzen miteinander verbindet.

Das Projekt fand im Rahmen einer Kooperation mit der Stiftung Zuhören und der Bayerischen Sparkassenstiftung statt.

Tanja Leuthe

Die Klasse bei dem Gespräch mit Tamta Melaschwili

Die Klasse bei dem Gespräch mit Tamta Melaschwili

Tamta Melaschwili bei der Lesung

Tamta Melaschwili bei der Lesung

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