Stipendiaten 2014

Im Jahr 2014 konnten 14 Fachleute der Kinder- und Jugendliteratur im Rahmen des Stipendiatenprogrammes in die Internationale Jugendbibliothek eingeladen werden. Insgesamt sind 13 Nationen vertreten.

Informationen zum Stipendiatenprogramm

Internationale Sommergäste 2014

August 2014
Radek_MalyRadek Malý (Tschechien)
Der Kinderlyriker und Literaturwissenschaftler Radek Malý kam im Juli 2014 als Autor des White Ravens Festivals in die IJB und blieb noch einen weiteren Monat als Stipendiat um in der Forschungsbibliothek der Frage nachzugehen, was kanonische Werke der Kinderliteratur ausmacht. Gibt es einen Kanon der Kinderliteratur? Nach welchen Kriterien wird dieser gebildet? Inwiefern verändert sich dieser im Laufe der Zeit? Ausschlaggebend für das Forschungsinteresse war für Radek die Mitarbeit an dem 2013 im tschechischen Verlag Albatros Media erschienen Lexikon 2×101 Kinder- und Jugendbücher – die beliebtesten Werke der Weltliteratur, welches eine internationale Auswahl beliebter und wichtiger Kinderbücher in sich versammelt. Der erfolgreichen Recherche zu diesen Fragen im Bestand der Internationalen Jugendbibliothek folgen nun Publikationen der Studie in tschechischen und deutschen KJL-Zeitschriften.

Juni – August 2014
rachel_2_komdokRachel Skralc Lo (Kanada/USA)
Rachel forschte im Rahmen ihrer Doktorarbeit an der University of Pennsylvania vom 30. Juni bis 17. August in der Internationalen Jugendbibliothek. Ihr Thema ist die Repräsentation von Familienbildern in zeitgenössischen Bilderbüchern. Der Fokus ihrer Arbeit liegt dabei auf der Repräsentation gleichgeschlechtlicher Eltern und anderer nicht-normativer Familienkonstellationen. Ausgehend von einer 150 Titel umfassenden Liste preisgekrönter, zeitgenössischer englischsprachiger Bücher, versucht sie den gesellschaftlichen Diskurs zu beschreiben. Dabei soll letztendlich der bestehende Familienbegriff definiert werden. Im Zuge der Recherche fiel Rachel der Fokus der Titel auf weiße Mittelklasse-Familien auf, die stark normativ von einem viktorianischen Familienbild geprägt sind. Seltene Ausnahmen werden nur innerhalb eines stark konventionalisierten Rahmen zugelassen Eine resultierende These könnte die Formulierung einer ‚Critical family theory’ sein. Die IBBY-Honour-List und der White Ravens Katalog brachten auch englischsprachige Literatur abseits des Mainstreams und aus kleineren englischsprachigen Ländern in den Fokus ihres Interesses.

April – Juni 2014
faye_kompdokFaye Dorcas Yung (Hongkong/UK)
Nachdem Faye ihren Masterabschluss an der University of Hongkong absolvierte, ging sie für ihre Doktorarbeit zum Thema der Darstellung japanischer und chinesischer Kulturen in der englischen Literatur an die University of Cambridge. In ihrem PostDoc möchte sie nun diese Perspektive umdrehen und die Darstellung fremder Kulturen in der chinesischen und japanischen Literatur betrachten. Während ihres Aufenthalts in der Internationalen Jugendbibliothek vom 1. April bis zum 30. Juni fand sie im Zuge ihrer Recherchen umfangreiches historisches Material vor. Unterstützend standen ihr dabei Fumiko Ganzenmüller, Lektorin für japanische Literatur,  und Lucia Obi, Lektorin für chinesische Literatur, zur Seite. Ein chinesisches Kindermagazin, das ab den 1940er Jahren katalogisiert ist, war darunter ein besonderer Fund. Zudem konnte sie den breiten Bestand japanischer Literatur nutzen. Über ihr primär angestrebtes Thema hinaus konnte Faye viele Anregungen mitnehmen und hätte sich eine längere Recherchezeit gewünscht, um alles auskosten zu können. (lf)

März – Mai 2014
lillyam_kompodokLillyam Gonzalez Espinosa (Kolumbien/Tschechien)
Die aus Kolumbien stammende Lillyam arbeitet als Dozentin für Lateinamerikastudien, im Speziellen auch für Kinderliteratur, an der Karlova Universitá in Prag. In ihrer Doktorarbeit behandelt sie realistische Strömungen der kolumbianischen Kinderliteratur, und weitete ihre Recherche während ihres Aufenthalts vom 31.März bis zum 31.Mai in der Internationalen Jugendbibliothek auf andere spanischsprachige lateinamerikanische Länder, wie etwa Argentinien, aus. Realistisches Erzählen sei im lateinamerikanischen Kinder- und Jugendbuch eine Form um soziale Konflikte und Gewalt darzustellen, es gäbe jedoch auch andere Erzählformen. Da die lateinamerikanische Literatur sehr regional geprägt ist, und die Sammlungen dort meist auf die Literatur des jeweiligen Landes beschränkt sind, war es für Lillyam eine einmalige Möglichkeit auf die Sammlung der IJB zurückzugreifen, um einen Überblick auf allgemeine Tendenzen in der lateinamerikanischen Literatur zu gewinnen. Der White Ravens Katalog diente ihr dafür als fruchtbarer Ausgangspunkt und der Bestand an Sekundärliteratur eröffnete ihr neue Horizonte. (lf)

Februar – Mai 2014
ulyana_zuschnitt2_kompdokUlyana Hnidets (Ukraine)
Ulyana war vom 17. Februar bis zum 1. Mai 2014 als Stipendiatin in der Blutenburg. Überschattet von den kriegerischen Auseinandersetzungen in ihrem Heimatland und der Sorge um ihre Angehörigen konnte sie während ihres Aufenthalts trotzdem eine bewundernswerte Recherchearbeit bewältigen: Im Zuge ihrer Habilitationsschrift am Institut für Humanitäre und soziale Wissenschaften der Nationaluniversität „Lviwska Polytechnika“ in Lemberg beschäftigt sie der Kanonvergleich zeitgenössischer deutschsprachiger und ukrainischer Kinder- und Jugendliteratur. Der Präsidentin des Ukrainischen Kinder- und Jugendliteraturforschungszentrums öffnen ihre Sprachkenntnisse dabei viele Türen: Sie sichtete über 80 Titel des umfangreichen Sekundärliteraturbestands der IJB zu diesem Thema, und konnte im Vergleich zu ihren Kenntnissen über die ukrainische Literatur auffallende Tendenzen der Kanonbildung beobachten. Dabei half ihr auch der White Ravens Katalog als Referenz für den deutschsprachigen Kanon. So konnte sie als allgemeine Tendenz im Westen feststellen, dass die Literatur stark von einer durch Konsum und Massenmedien geprägten Gesellschaft dominiert wurde. Im Gegensatz dazu war die ‚östliche’ Literatur lange durch Zensur und sowjetische Staatsideologie überformt. Auch die Prägung vieler Kinderliteraten durch eigene Kindheitserlebnisse in der Nachkriegszeit würde in Ost wie auch West eine große Rolle spielen. Die allgemeine Tendenz zur ‚Problemliteratur’ wäre jedoch in der Ukraine weniger ausgeprägt. Hier herrsche mehr Optimismus vor, ohne dass die kindliche Welt verklärt wird. (lf)

Januar – Februar 2014
Ioannis kompIoannis Pagkalos (Griechenland)
Ioannis arbeitet als Assistenz-Professor für Deutsche Philologie und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Aristoteles Universität Thessaloniki. Während seines Studienaufenthalts in der IJB wollte er vor allem Übersetzungen deutschsprachiger Kinderliteraturklassiker, wie etwa dem Struwwelpeter, ins Englische, Spanische, Portugiesische, Italienische und Griechische, betrachten. Der große Bestand der Studienbibliothek an aktueller Primär- und Sekundärliteratur reizte ihn jedoch auch dazu, anderen Themen nachzugehen: So recherchierte er für ein Seminar zum Thema „Jugendroman“ und las sich vor allem in das Thema „Jugendliteratur und Holocaust“ ein – in Thessaloniki soll das Thema im Sommer im Rahmen einer Ringvorlesung aufgegriffen werden. Ioannis konnte also, sowohl für seine Forschung als auch für seine Lehrtätigkeit, fruchtbare Anregungen mit nach Hause nehmen.

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