„Ungleichheit und Bildung“ – Besuch eines Lehramtsseminars

Am Montag, den 16. Juni, war ich als unsere „Schulbeauftragte“ zu einem Lehramtsseminar zum Thema „Ungleichheit und Bildung“ an die LMU (Ludwig-Maximilians-Universität München) eingeladen. Dabei gab es die Möglichkeit, die zukünftigen Lehrern und Lehrerinnen unterschiedlicher Schularten über unser großes Angebot zu informieren, besondere Projekte mit Schulen vorzustellen und über die Möglichkeiten der Leseförderung bezüglich ausgeglichener Bildungschancen zu diskutieren.

Lehramstseminar

Nicht erst seit Pisa gilt Lesen als unumstrittene Schlüsselkompetenz im Bildungsdiskurs. Für uns als Bibliothek ist das zwar nicht neu, trotzdem sollte dabei das Lesen nicht auf Erfolg und Leistungssteigerung der Schüler reduziert werden. Vielmehr ist unser Anliegen, Begeisterung für Bücher zu schaffen und den Kindern und Jugendlichen damit einen neuen Raum an Fantasie, Erfahrung oder auch Selbstfindung zu eröffnen. Die Zusammenarbeit mit Schulen birgt die Möglichkeit gerade die Kinder zu erreichen, die Lesen und die Welt der Bücher durch ihr Umfeld bisher nicht für sich entdeckt haben. Dabei möchten wir bei den Schülern eine Auseinandersetzung mit Büchern anregen und Lust aufs Lesen machen.

Angebot für Schulen sind beispielsweise:

  • Workshop, bei dem passend zu einer Ausstellung oder Lesemuseum die Kinder in ein Thema oder Buch eintauchen und dann einen eigenen kreativen Zugang (schreibend, malend, gestaltend) finden
  • Führungen in der Bibliothek, bei der die Kinder in die Vielseitigkeit der internationalen Kinder- und Jugendliteratur eintauchen (mit 23 verschiedenen Sprachen in der Ausleihbibliothek)
  • Schreibwerkstätten, bei denen im eigenen kreativen Schreiben ein Zugang zu einem gesellschaftlich/ geschichtlichen Thema gefunden wird (zum Thema Mauern und Grenzen oder zum Thema NS-Vergangenheit)
  • Autorenbegegnungen bei Lesungen, wie beim White Ravens Festival, die mit einer Auseinandersetzung mit dem Buch verbunden sind (z.B. Autoreninterview vorbereiten, Szene aus dem Buch vorführen, Buchtrailer drehen, alternatives Ende schreiben….)

Vorgestellt und diskutiert wurden weiterhin besondere Projekte, die an das Thema „Ungleichheit und Bildung“ andocken. So ist „Gegengelesen“ ein Literaturprojekt, das wir bewusst nur mit Mittelschulen durchführen, da hier Leseförderung oft zu kurz kommt. Die Buchempfehlungen werden dabei von der eigentlichen Zielgruppe – den Kindern und Jugendlichen – kritisch gegengelesen. Die selbstgeschriebene eigene Buchkritik wird dann in einem Wettbewerb eingereicht. Diskutiert wurde darüber, ob es sinnvoll oder kontraproduktiv ist das Projekt als Wettbewerb anzulegen.

Ein weiteres Projekt dreht sich um „Early Literacy“. Bei „Bücher lieben lernen“ werden Kindergärten aus „bildungsfernen Stadtteilen“ von einer Literaturpädagogin über einen längeren Zeitraum begleitet und in die Welt der Buchstaben, Geschichten und der Bibliothek spielerisch herangeführt. Dem Lesen wird so von Beginn an eine Wichtigkeit und positive Wertung verliehen. Die dabei angelegte Einbindung der Eltern wurde auch von den Seminarteilnehmern als besonders wichtig erachtet.

Auch Vielsprachigkeit in einer Klasse kann bei der Leseförderung sinnvoll genutzt werden. Mit dem von der Internationalen Jugendbibliothek herausgegebenen Arche Kinder Kalender kann die ganze Klasse in eine poetische Sprachenvielfalt eintauchen. Wöchentlich kann die Klasse ein neues Kindergedichte im Original und in der deutschen Übersetzung entdecken. Umso schöner, wenn es Kinder in der Klasse gibt, die das Gedicht im Original lesen können!

In dem abschließenden Brainstorming konnten die Seminarteilnehmer eigene Ideen und Erfahrungen einbringen. So wurde beispielsweise in Frage gestellt, ob eine Klassenlektüre immer Sinn macht, oder es besser ist 3-4 verschiedenen Bücher zur Wahl zu stellen. Auch Interessen und Leidenschaften der Schüler, die bereits vorhanden sind, wie beispielsweise Comics oder Fantasyliteratur, könnten mehr für die Leseförderung genutzt und mit eingebaut werden. Elternabende zum Thema Leseförderung bei denen z.B. auch darüber informiert wird, welche spannenden Kinder- und Jugendbücher auch in ihrer Muttersprache ausleihbar sind, wurden ebenfalls angeregt.

Vielen Dank an Andrea Oestreicher für die Einladung!

Tanja Leuthe

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2 Gedanken zu „„Ungleichheit und Bildung“ – Besuch eines Lehramtsseminars

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