Litera[fu]tur Rückblick: Ich bin weiß Gott kein Nerd…

…ich facebooke nicht, ich instagrame nicht, ich twittere nicht – letzteres ist mir, ehrlich gesagt, immer noch ein wenig suspekt. Trotzdem bin ich schon länger von der Idee begeistert, beim Thema „Literatur ausstellen“ neue Wege zu beschreiten und das Internet mit seinen unendlichen Möglichkeiten zu erobern.

„Literatur ausstellen“ gehört zu unserem täglich Brot – und gezeigt wurden Bücher, Bilder, Dinge bislang in den realen Räumen der Internationalen Jugendbibliothek: Der Schatzkammer, dem Wehrgang, dem Jella-Lepman-Saal. Aber: Kann und sollte man nicht Literatur auch im Netz, im virtuellen Raum präsentieren, grenzenlos und global erfahr- und erlebbar machen –  gerade als Internationale Jugendbibliothek?

Klar! Das Netz soll erobert werden – aber wie? Welche Möglichkeiten für eine virtuelle Ausstellung gibt es? Was ist mit den technischen Voraussetzungen? Welche Formen der Inszenierung sind denkbar? Der ästhetischen Gestaltung? Was ist mit der „Aura“ eines Objekts? Was muss man mit den Büchern machen? Was stellt man überhaupt aus? Die Texte? Dokumente? Fotos? Filme? Die „Geschichte“? Welche Transformationsprozesse sind notwendig – wie kann man mit und aus der „Flachware“ Buch etwas kreieren, das die Sinne anspricht, das Gefühle weckt, kognitiv stimuliert, neugierig macht, Horizonte eröffnet, einen mitfiebern lässt? Was kann der Mehrwert einer virtuellen Ausstellung für den Besucher (nein: „User“…) sein, und wäre es nicht auch sinnvoll, den realen und virtuellen Raum zu verknüpfen?

Diese Fragen und noch viele andere wurden am 26. November 2013, auf dem Literafutur-Zukunftstag der Internationalen Jugendbibliothek diskutiert: Multi- und Social-Media-Experten, Technikfreaks und Kommunikationsstrategen, web-2.0er, 3.0er und 4.0er, digital natives, digital immigrants und netzbegeisterte und vielleicht auch zunächst eher netzskeptische Buchmenschen kamen zusammen, redeten, skizzierten und überlegten in wechselnden Kombinationen in einer der drei Arbeitsgruppen, die sich mit Sport in der Kinder- und Jugendliteratur, mit „Fluchtgeschichten“ und mit „Michael Ende“ beschäftigten, wie das Abenteuer „Literatur ausstellen im Netz“ angegangen werden kann. Es wurde debattiert, bis die Köpfe rauchten – an den Tischen des worldcafes, in den Pausen, beim Mittagessen. Ich muss ja zugeben, dass ich vorher schon gegrübelt habe, ob und wie analoge Bücherwürmer sich mit Webnerds verstehen, aber, hapü, das klappte sehr gut!

Was mich wirklich überrascht hat, war, dass sich in den drei Gruppen unabhängig voneinander immer wieder gleiche Schwerpunkte und Wünsche an eine virtuelle Literaturausstellung herauskristallisierten: Sie soll Emotionen ansprechen, Erfahrungen, aber auch Wissen und Informationen vermitteln, sie soll dynamisch sein, visuelle und auditive Elemente nutzen (und irgendwann tatsächlich alle Sinne ansprechen) und Identifikationsangebote liefern. Die Bücher, die Geschichten als ästhetisch gestaltete Texte müssen „irgendwie“ (hm, okay, das bleib ein Knackpunkt…) erkennbar bleiben, gleichzeitig ist es vielleicht ebenso notwenig „neue Geschichten“ zu erfinden, Texte zu verändern, zusammenzustellen, ihnen eine neue Gestalt zu geben.

„Literatur ausstellen im Netz“ – Patentrezepte gibt es keine, doch genau das ermöglicht ja unendlich viele Gestaltungsspielräume. Ich denke, alle fanden den Austausch unglaublich inspirierend – und mein Wunsch ist ganz klar: Ich will weitermachen mit Literafutur!

Dr. Ines Galling
Deutschsprachiges und Skandinavisches Lektorat,
Internationale Jugendbibliothek

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Ein Gedanke zu „Litera[fu]tur Rückblick: Ich bin weiß Gott kein Nerd…

  1. Pingback: Literatur ausstellen #literafutur | Dorothea Martin

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