Die Anfänge der Internationalen Jugendbibliothek

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Jella Lepman

Die Idee, eine internationale Jugendbilbiothek ins Leben zu rufen stammt von einer außergewöhnlichen Frau: Jella Lepman.
Sie wurde 1891 in Stuttgart geboren, hatte bereits als 17-jährige Vorlesestunden abgehalten und sich als Schülerin journalistisch versucht. Ab 1922, nach dem frühen Tod ihres Mannes, arbeitete Lepman als Redakteurin, 1928 veröffentlichte sie ihr erstes Kinderbuch. Als Jüdin verfolgt, floh sie 1936 nach England. Von London aus sendete sie zunächst für die BBC, später für die American Broadcasting Station in Europe Beiträge in ihr Krieg führendes Geburtsland. 1945 kehrte sie im amerikanischen Auftrag nach Deutschland zurück, um kulturelle Aufbauarbeit für Frauen und Kinder im Sinne demokratischer Umerziehung, der sog. Re-Education, zu leisten.

Nach umfangreichen Informationsreisen im zerstörten Deutschland und erschütternden Einblicken in die allerorts herrschende Not stand für Jella Lepman fest, sich besonders für die Kinder zu engagieren. Ihrer amerikanischen Dienststelle in Bad Homburg schlug sie eine Ausstellung der besten Kinder- und Jugendbücher verschiedener Nationen vor. „Lassen Sie uns bei den Kindern anfangen, um diese gänzlich verwirrte Welt langsam wieder ins Lot zu bringen“…

1_Ausstellungen195Eine Genehmigung wurde erteilt, eine finanzielle Förderung war allerdings nicht vorgesehen. So wandte sie sich an Verlagshäuser in aller Welt und bat um Buchschenkungen. Jella Lepman gelang es, 4000 Bücher aus 20 Ländern zusammenzutragen, die vom 3. Juli bis 3. August 1946 im Haus der Kunst in München gezeigt wurden. Diese erste internationale Ausstellung im Nachkriegsdeutschland wanderte anschließend durch Deutschland.

1_Villa098Nachdem die Ausstellung beendet war, lag der Gedanke nahe, die Bücher als Grundstock für eine internationale Jugendbibliothek zu verwenden. Doch die Finanzierung dieser Idee war äußerst schwierig und zog sich über Jahre hin. Schließlich konnte Jella Lepman die erforderliche Unterstützung der Stadt München, des bayerischen Kultusministeriums und der Rockefeller Foundation für das Projekt gewinnen.

1_Nehru282Das Programm der Bibliothek war außerordentlich unkonventionell und der damaligen Zeit weit voraus. Jella Lepman betonte, dass die Internationale Jugendbibliothek nicht nach fest umrissenen Vorbildern arbeite, sondern im Gegenteil ein Ort sei, der selbst ein solches Vorbild für andere Nationen schaffen müsse. Sie hat diesen Vorsatz mit Verve verfolgt. So wurde zum Beispiel für das erwachsene Publikum die international besetzte Vortragsreihe Gespräche über die Grenze ins Leben gerufen oder in der Jugend-UN nicht nur debattiert, sondern referiert. Die Jugend-UN tagte nach dem echten Vorbild und sogar eine Petition in Sachen Kinderrechte an die erwachsenen UN-Kollegen schichte. Einzelne Nationen wurden vom Landesdeligierten vorgestellt, die im Plenum die Interessen ihrer Länder vertraten.

Heute ist die Internationale Jugendbibliothek ein international anerkanntes Zentrum für internationale Kinder- und Jugendliteratur und ist mit einem Bestand von 600 000 Titeln in über 100 Sprachen aus vier Jahrhunderten die größte Institution ihrer Art weltweit.

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