Zwischenbericht: Jugendliteratur und Soziale Netzwerke JL 2.0. Eine Pilotstudie

Vor einem Jahr regte Dr. Ingo Krüger, Geschäftsführender Vorstand der Bayerischen Sparkassenstiftung, in einem Gespräch mit mir an, eine Pilotstudie zum Thema „Jugendliteratur und soziale Netzwerke“ im Zusammenhang mit dem White Ravens Festival für internationale Kinder- und Jugendliteratur durchzuführen. Fast ein Jahr später ist die Studie in vollem Gange und wird im Juli in die Endrunde gehen. Ich möchte heute einen kurzen Rückblick geben und eine Standortbestimmung versuchen. Dabei schreibe ich aus der Perspektive der Beobachterin, die regelmäßig die Aktivitäten auf den verschiedenen Foren verfolgt, und mit den Vorstellungen und Erwartungen, die ich bei der Konzeption des Projekts hatte, vergleicht.

Ausgangspunkt der Studie ist die Frage, ob und wie die sozialen Netzwerke für eine anspruchsvolle jugendliterarische Vermittlungsarbeit genutzt werden können. Meine Vorstellung war zugegebenermaßen sehr einfach: Man richte verschiedene Kanäle im Web 2.0 ein und füttere diese mit Inhalten zu Jugendbüchern und Jugendbuchautoren. Dann würden lesende Jugendliche schon „irgendwie“ in einen literarischen Diskurs mit dem Projektteam einsteigen. Diese Vorstellung stellte sich schnell als naiv heraus. Man kann nicht einfach in die sozialen Netzwerke spazieren und denken, alle hätten auf einen gewartet. Man muss sich erst einmal einen Namen machen (= Kloutwert) – und der lag kurz vor Weihnachten, als die verschiedenen Plattformen eingerichtet und miteinander vernetzt waren, bei 12! Dank des Ehrgeizes, tollen Engagements und der hohen Motivation des Projektteams im Haus und der professionellen fachlichen Beratung sowie ansteckenden Begeisterung von Frank Tentler, dem extern hinzugezogenen Transmedia-Spezialisten, kletterte der Kloutwert schnell von 12 auf 25 und von dort aus kontinuierlich weiter auf heute 45. Auch die Anzahl der Followers stieg sprunghaft an auf heute 2.800 Personen bei facebook und 580 Personen auf twitter, die Blogbeiträge wurden insgesamt über 5000 Mal angeclickt.

So viel zu den Zahlen, die erfreulich sind, aber trotzdem Zahlen bleiben. Wichtiger für mich war die Beobachtung, wie komplex das Projekt sich entwickelte und dass man in den sozialen Netzwerken nie auf geradem Weg auf ein Ziel zusteuert, sondern dieses weiteräumig umkreist und sehr vorsichtig Fährten in Richtung Ziel legt. Obgleich das wenig greifbar klingt, steckt dahinter ein strategisch ausgelegter, klug durchdachter Redaktionsplan, der auf die Erzeugung eines Grundrauschen abzielt, das immer wieder von überraschenden kurzen Soloeinlagen, etwa einem Videobeitrag oder einem Blogeintrag, einem Mitmachaufruf oder dergleichen, durchbrochen wird. Es hat lange gedauert, ehe ich verstand, dass der Begriff Storytelling genau diese Strategie bezeichnet.

Deshalb irritierte mich anfangs auch, dass meine beiden Mitarbeiterinnen über alles Mögliche berichteten oder verwiesen, was im weitesten Sinne mit Literatur und Lesen aber gar nichts mit den Autoren des White Ravens Festivals zu tun hatte. Es ging offenbar darum, sich überhaupt erst einmal in den Sozialen Netzwerken Gehör zu verschaffen. Das ist mittlerweile gelungen. Das White Ravens Festival ist unter den deutschen Kulturinstitutionen, sofern diese in den sozialen Netzwerken aktiv sind, bekannt, das Projektteam ist gut vernetzt, hat verschiedene sog. Camps besucht und hat sich innerhalb weniger Monate eine erstaunliche Medienkompetenz angeeignet, wie man besonders gut an den Videos sehen kann, die mittlerweile mit Einblendungen, Untertiteln, Musik und einem Abspann arbeiten. Inhaltlich kreist die Berichterstattung auf den White Ravens Plattformen immer enger um die Jugendbuchautoren, die wir vom 15. bis 20. Juli in München erwarten. Seit einigen Wochen arbeitet das Team zudem mit Gastbloggern aus dem Haus und von außen. Im nächsten Schritt wird es darum gehen, jugendliche Gastblogger in einer Gruppe, dem White Ravens Club, zusammenzubringen. Dafür wünsche ich dem Team weiterhin viel Erfolg!

Dr. Christiane Raabe
Direktorin der Internationalen Jugendbibliothek

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